Taxi Hamburg

In Hamburg sind 3500 Taxen unterwegs. Davon sind lediglich die Hälfte einer Funkvermittlung angeschlossen.

Wobei man hier erklären sollte, dass eine Zentralen keine eigenen Fahrzeuge betreibt. Zahlungswillige Unternehmer schließen sich einer Zentrale an und hoffen das sich die Investition auch rechnet. Ich würde eigentlich auch gerne wieder Funk fahren, leider bin ich der Meinung das die Relation zwischen potenzieller Mehreinnahme und dadurch entstehenden Mehrkosten und Mehraufwand nicht stimmig ist.

Allein der Vertrag zwischen einer Zentrale und dem jeweiligen Taxenbetrieb soll ca. 1000 € kosten. Ja richtig gelesen, 1000 € für ein Stück Papier.

Für die Funktechnik kann man noch mal durchschnittliche 1500 € ausgeben.

An Funkgebühren sind monatlich zwischen 200 und 400 Euro zu bezahlen. Fast alle Funkzentralen wollen dem Unternehmer mittlerweile vorschreiben mit welchem Fahrzeug er zu fahren hat. Am liebsten wäre es ihnen, wenn der Unternehmer alle 4 Jahre einen Neuwagen anschafft. Ein entsprechendes Tourenaufkommen, das dafür sorgt innerhalb von vier Jahren auch das Geld für einen Neuwagen zu verdienen, gibt es allerdings nicht. Alle neuen Taxen auf Hamburgs Straßen sind finanziert – soviel zu dem angeblich guten Geschäft.

Der Taxenunternehmer, der überlegt sich einer Zentrale anzuschließen, muss damit rechnen, das seine unternehmerischen Freiheiten zunehmend beschnitten werden. Die Zentrale kann ihn verpflichten weite Anfahrten zum Kunden zu machen. Und sie kann ihn neuerdings sogar verpflichten zu bestimmten Uhrzeiten arbeiten zu müssen, z.B. Samstag ab Mitternacht.

Die Zentralen betreiben aus Gründen der Kundenbindung ein Verrechnungsgeschäft. Der Kunde fährt bargeldlos, die Zentrale behält eine Provision von 4% für die Abrechnung ein. Der Unternehmer fährt beispielsweise für 1000 € auf Verrechnung, wartet 4 Wochen auf dieses Geld, und bekommt 960 € überwiesen.

Und was bekommt der Unternehmer von seiner Zentrale ? Ich finde in der Relation zu o.g. Kosten und Auflagen zu wenig.

Ein paar Funktouren pro Tag, meist relativ kurze Fahrten vom Arzt, vom Friseur, vom Supermarkt. Abends Kneipen, wobei die Kunden in der Regel auch um die Ecke wohnen. Ich bin 10 Jahre Funk gefahren und hatte zuletzt den Eindruck mein Einsatz zahlt sich immer weniger aus.

Beispiele :

Samstag nacht gegen 1 Uhr bestellt Herr Meyer im Schulterblatt mit dem Handy eine Taxi. Er steht vor der Flora. Bis seine bestellte Taxi dort ist, ist Herr Meyer längst mit einer von 50 freien Taxen abgefahren. Versucht man nun Herr Meyer über Handy zu erreichen läuft seine Mailbox.

Ich stehe mit meinem Taxi in Eppendorf und bekomme eine Tour in Niendorf angeboten. Ich fahre 10 Minuten zum Tibarg, suche die Hausnummer, was dort nicht wirklich einfach ist, und melde mich schließlich nach 15 Minuten in der Arztpraxis. Wir fahren für 5 € 1,5 Kilometer weit. Anschließend fahre ich leer nach Eppendorf zurück, weil es in Niendorf aktuell keinen weiteren Kunden gibt.

Ich melde mich am Empfang eines Hotel und wie so oft heißt es : „Oh, der Kunde ist schon rausgegangen“ = weg. Das passiert in jeder Schicht mindestens einmal.

Ich melde mich im dritten Stock einer Praxisgemeinschaft, bringe Omi samt Gehwagen zum Auto und fahre Sie für 3,80 € nach Hause. Ich stelle über 4 € eine Quittung aus und dann geleite ich die Dame ganz langsam zur Wohnungstür.

Oder man lädt die Taxe voll mit Bierkisten von Fegro, 12 Tüten vom Wal Mart oder Laminat aus dem Bauhaus. Alles Dienstleistung, die den Kunden ein Taschengeld kostet (nämlich im Schnitt 7 €) und sich bei der aktuellen Kostensituation (Dieselpreise über 1,30 €/Liter) immer weniger rechnet.

Zu Beginn meiner Taxi Karriere 1993 habe ich pro Schicht 12 Touren gefahren. 3x Funk und 9 x Zustieg am Stand (=Anläufer). Heute sind mir 3 Funktouren x 20 Arbeitstage keine 200 Euro Beitrag mehr wert. Wenn man dazu die Technik addiert, den vielleicht neuen und somit finanzierten Mercedes und auch noch den Umstand, das es in Hamburg keinen Bestellzuschlag gibt sollte klar sein, warum der eine oder andere motivierte Taxler keine Lust auf Funkvermittlung hat.

Anders wäre es, wenn es in Hamburg einen Zuschlag für Funkbestellung geben würde. Dann beteiligt sich der Kunde, der eine Dienstleistung wünscht, an Kosten, die aktuell komplett der Taxenunternehmer zu tragen hat.

Gruss an alle C.L.

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One Response to Immer wenn ich eine Taxi brauche gibt es keine – Teil 2

  1. Markus Merz sagt:

    Hochinteresant, weil detailliert. Ich wohne Lange Reihe, habe also nur extrem selten eine Taxenbestellung per Telefon auf Termin. Für Taxenbenötiger in den Außenbereichen sieht das natürlich anders aus.

    Wie ist das eigentlich mit den Taxenständen. Mir kommt es vor, als gäbe es da auch eine Konzentration und immer weniger Abdeckung in der Fläche.

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