Taxi Hamburg

Der Supergau – Totalschaden

On September 18, 2008, in Tagschicht, by C.L.

Zum Glück ist mir die nachfolgende Geschichte nicht selber passiert. Trotzdem denke ich ist sie sehr lesenswert.
Der Taxenunternehmer XY fährt seit 1996 seine Taxi. Ein gepflegter Gebrauchtwagen, der ihm und 99% der Kunden völlig ausreicht, um von A nach B zu fahren. Der Wagen ist bezahlt, die Kosten für Reparaturen überschaubar. Freitag gegen 18 Uhr ist Wochenende mit der Familie angesagt.
Völlig unverhofft fährt dem Kollegen am einem Montag Vormittag ungebremst ein anderes Fahrzeug hinten rechts auf. Das Heck ist bis zum Tankdeckel gestaucht, ein sogenannter Totalschaden. Nun gilt es schnell zu handeln, weil jeder Tag ohne Arbeitsgerät Geld kostet, ohne dass Geld reinkommt. Stressige Tage stehen dem Kollegen bevor und er fragt sich, ob solche Umstände denn auch im Tarif berücksichtigt sind ?
Zuerst einmal geht es zum Gutachter, der einen Totalschaden feststellt und den Wert der alten Taxi mit viel Wohlwollen auf 4000 € schätzt. Anschließend geht es zu Mercedes um die Modalitäten für einen Neuwagenkauf zu besprechen. Mercedes zahlt aktuell 2500 € über DAT / Schwacke Liste, wenn ein Unternehmer seine alte Taxi für einen Neuwagen abgibt. Mercedes schätzt den Wert der Schrottkiste auf 2900 €, d.h. 2500 € Prämie und 400 € Restwert Taxi.
Die neue Taxi kostet ab 28.900 € ohne besondere Extras. 10 fertige Taxen stehen auf dem Hof, bereit umgehend genau für solche Fälle verkauft zu werden. Der Unternehmer XY nimmt einen Wagen, der mit einigen Extras 33.500 € netto kosten wird. Er muss genau 8 Tage warten, dann ist die Funke umgebaut, ein neuer Recaro Sitz bestellt, ein Dachzeichen montiert, der Tarif programmiert und das Taxameter geeicht. Um all diese Details hat sich Mercedes persönlich gekümmert, auch dort weis man, dass mittlerweile wohl 1/3 der Hamburger Unternehmer zu VW abgewandert ist und es immer mehr Taxen aus Japan und Korea gibt, die sich in Hamburg tummeln.
Kollege XY macht eine ganz einfache Rechnung auf : Seit Fahrzeug wäre real vielleicht noch 2000 € wert gewesen, Mercedes gibt ihm dafür 2900 € und die Versicherung 4000 € – 400 € Restwert = 3600 €. Somit ist der Wagen gut bezahlt worden. Trotzdem hat er in den nächsten vier Jahren 33.500 € – 6500 € = 27.000 € in Raten bei Daimler zu zahlen. Macht eine monatliche Mehrbelastung von knapp 600 € (Rate plus Zins). Die Familie ist bereits unterrichtet worden, dass auf Grund des Unfalls die Wochenenden zukünftig deutlich kürzer ausfallen werden. Mit nur 5 Tagen a 10 Stunden Schichtzeit sind für einen Alleinfahrer Kosten plus angemessener Gewinn nicht zu erwirtschaften.

Erst diese Tage haben wir uns über seine ersten Erfahrungen bzgl. des Neuwagens unterhalten. Bei der Geschäftslage mit langen Standzeiten und vielen Touren zwischen 5 und 7 € kann der Kunde eigentlich gar nicht erwarten, mit so einem Fahrzeug befördert zu werden. Er honoriert es auch nicht durch ein besseres Trinkgeld. Im Gegenteil, der Kunde scheint zu denken, wer mit so einer Fahrzeug unterwegs ist hat Geld und daher kann das Trinkgeld ruhig etwas knapper ausfallen. Gepäck was auf die neue Rückbank geworfen wird und Kinder, die mit ihren Schuhen die Sitzflächen und die Rückenlehnen der Vordersitze verschmutzen, sind in einen Fahrzeug, was noch keine 2000km auf dem Tacho hat ein echtes Ärgernis. Mercedes hat im Modelljahr 2008 zwar solche Gimmicks wie Kurvenfahrlicht in Programm und auch eine Linguatronic, die SMS vorlesen kann, ist eingebaut. Wichtige Dinge, wie z.B. der Verbrauch solch eines Fahrzeugs hat Mercedes offenbar nicht im Blick. Mit aktuell 10,9 Litern im Taxenbetrieb verbraucht die E-Klasse Modelljahr 2008 einen halben Liter mehr, als mein Benz von 1993.

Gruß C.L.

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