Taxi Hamburg

Ohne Worte

On Oktober 30, 2008, in Tagschicht, by C.L.

Es ist alles nicht neu. Ein Taxifahrer ist eine arme Wurst, der viel zu lange auf Kunden wartet und zu oft für ein Taschengeld einmal um die nächste Ecke fahren muss. Daran ändert auch nichts, das es bei 168 Stunden in der Woche durchaus ein paar Stunden gibt, wo die Nachfrage nach Taxen größer ist, als die Verfügbarkeit. Im Schnitt stehen wir 50 – 70% der Schicht rum und warten.

Nach dem Willen der Stadt Hamburg, der Handelskammer und zwei verbohrten Zentralenchefs bekommen wir bei Bestellungen die Anfahrt nicht bezahlt, zahlen eine Gebühr für Fahrten mit Kreditkarte (nicht aber der Kunde) und sollen auch im Jahr 2008 Service und Dienstleistung für Fahrten erbringen, deren Fahrpreis teilweise unter 5 € liegt und nur selten die 10 € übersteigt.

In der Konsequenz bedeutet das aber auch folgendes :

Ein Familienvater mit Frau (Hausfrau und Mutter) und drei Kindern ist Alleinverdiener und fährt selbständig Taxi. Trotz sechs Arbeitstagen in der Woche geht er Ende eines jeden Monats zum Sozialamt, legt dort seine Gewinn und Verlust Rechnung vor und das Sozialamt stockt seinen Verdienst um 500 € auf.

Ein anderer Kollege geht dieses Jahr nach 28 Jahren als Taxenunternehmer in Rente. Seine Rente beträgt 226 € im Monat. Das Sozialamt wird zukünftig seine Rente in Form der Grundsicherung um monatlich 600 € aufstocken müssen.

Der Steuerzahler, also letztlich jeder Berufstätige, zahlt in der Konsequenz für eine verfehlte Tarifpolitik und für ein Überangebot an Taxen in dieser Stadt. Vielleicht sollte ich einen neuen Benz finanzieren und zukünftig nur noch 40 Stunden in der Woche arbeiten. Dann hätte ich am Monatsende lediglich meine Kosten eingefahren und meinen Lohn hole ich mir vom Sozialamt.

Das ist echt ohne Worte.
C.L.

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