Kleine Freuden…

On Juni 17, 2009, in Tagschicht, by C.L.

Ich bin ja nun im fünften Jahr mit einer Taxi ohne Funkanbindung in Hamburg unterwegs. Die Vergangenheit hat gezeigt, das einzig die Wagen der Hansa Funktaxi e.G. (211 211) noch einigermaßen mit Funktouren versorgt werden. Diesen Umstand lässt sich die Zentrale durch Gebühren und Nachzahlungen allerdings seit Ewigkeiten teuer bezahlen.
Andere Funktaxen stehen den ganzen Tag fast genauso lange rum wie ich. Und ob man jetzt nach 45 oder 52 Minuten Wartezeit eine Fahrt bekommt, ist dann letztlich auch egal.
Seit Juni ist offenbar aber selbst beim Hansa Sand im Getriebe. Die Wagen stehen vor allem am Nachmittag auch richtig lange rum. Umso mehr freut es mich, wenn ich als funklose Taxi von hinten an den Posten fahre und trotzdem noch vor den Hansa Funktaxen wieder abfahre.
Wie das geht ???
An fast allen Posten gibt es eine grüne Rufsäule, den sog. Mini. Der Kunde kann dort anrufen (Nummer der Rufsäule steht vorne drauf) und spricht direkt mit dem Taxifahrer, ohne den Zwischenschritt eine Funkzentrale zu kontaktieren. Dafür braucht man aber eine Berechtigungsmarke (klebt oben mittig im Heckfenster), die man beim Autoruf (441011) für monatlich 17 € erwerben kann. Da der Autoruf aber der natürliche Feind des Hansafunks ist, hat man beim Hansa immer wieder darauf gedrängt, die Unternehmer mögen die Verträge für die Berechtigungsmarke zu kündigen. Man will den Feind nicht auch noch mit Gebühren satt machen.
So haben die Hansawagen bis auf wenige Ausnahmen keine Marke mehr. Denn alle wissen der Vorstand führt, die Genossen folgen. Kleiner Insider am Rande :-)

Diese Woche habe ich bereits dreimal innerhalb von weniger als 5 Minuten eine Tour bekommen, weil die Taxen vor mir nicht an den Mini gehen dürften. Heute Nachmittag stand ich als 7. Taxi am Posten und alle 6 Hansis vor mir waren ohne Marke. Nach 5 Minuten klingelt es, ich gehe ran, bekomme die Adresse angesagt und düse weiter. Eine Graupe überholt die Elite, ein schönes Gefühl.

Gruß C.L.

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Zahlenspiele in Zeiten der Krise

On Juni 3, 2009, in Tagschicht, by C.L.

Abend,
es mehren sich die Zeichen, dass die Schatten der Weltwirtschaftskrise auch im Hamburger Taxengewerbe angekommen sind. Ich komme nicht umhin, diesen Umstand zu kommentieren. Auch weil sich das Hamburger Taxengewerbe bereits seit Jahren in einer Krise befindet.

Ganz allgemein ist erst einmal festzuhalten, dass beim Hansafunk (der Vorzeige Zentrale in Hamburg) im April 2009 ein Tourenrückgang von 13% zu verzeichnen war. Auch der Flughafen hat mitteilen lassen, das die Passagierzahlen um 12% eingebrochen sind. Daher ist davon auszugehen, dass wohl jeder Kollege in Hamburg nicht mehr die Umsätze erreicht, der er noch 2008 fahren konnte. Das klingt erst mal nicht so furchtbar dramatisch, daher sollen nun echte Zahlen die Probleme verdeutlichen.
Diese Woche habe ich wie eigentlich immer mit diversen Kollegen geplaudert und darf folgendes hier bekannt geben :

Eine Kollegin hat ihre Schicht am 2.6.2009 abgebrochen, nachdem sie 3 Stunden keine Fahrt gemacht hat. Es kam weder ein Kunde zum Posten, noch hat ihr ihre Funkzentrale !!! in dieser Zeit irgend etwas angeboten. Sie wollte sich dann den Rest des Tages ihrem Garten widmen.
Andere Taxifahrer waren zäher, so hat es Kollege X in 12 Stunden auf 100 € Umsatz inkl. Trinkgeld gebracht und eine weitere Kollegin hat ihr gesetztes Ziel von 150 € nach 14,5 Stunden in der Taxi erreicht.
Ich selber habe am 2.6.2009 einen Stundenumsatz von 5 € erreicht und habe somit nicht einmal die Kosten pro Einsatztag erwirtschaftet. Um 10.15 Uhr bin ich als fünfter Wagen an einen Posten gefahren, um dann zu erleben, wie in 90 Minuten ganze zwei Taxen den Posten verließen. Um 11.45 Uhr bin ich dann ohne Tour zum Mittagessen gefahren, ich war mir aber nicht ganz sicher, ob ich essen wollte, oder lieber kotzen sollte.

Wie die Realität als Taxenunternehmer schon vor der Krise ausgesehen hat, will ich auch gerne noch beschreiben. Taxenunternehmer Z fährt ohne Funk. Er braucht einen Umsatz von gut 4000 € monatlich um betriebliche- und private Kosten zu decken. Er arbeitet 28 Tage im Monat ca. 12 Stunden, also 330 Stunden im Monat. Er machte einen durchschnittlichen Stundenumsatz von 12,50 € inkl. Trinkgeld und verdient netto 4,50 €/Stunde. Das sind Zahlen aus 2008.

So Leute, dass muss ich zusammen mit der Schicht heute erst einmal sacken lassen.

Gruß C.L.

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