Mensch werd doch Hansi

On Juli 31, 2009, in Tagschicht, by C.L.

Letzte Woche habe ich Abends noch mit zwei Genossen vom Hansa ein paar Bierchen getrunken. Im Laufe des Abends wurde ich wieder einmal darauf angesprochen, warum ich nicht, so wie aktuell viele türkische Kollegen, einen Anteil vom Hansafunk kaufe und so meine finanzielle Situation erheblich verbessere ?
Dieser Frage will ich im heutigen Taxiblog nachgehen…
Ich unterstelle einmal dass ich beim Hansafunk in derselben Arbeitszeit 1000 € mehr Monatsumsatz mache, als aktuell ohne Funk. Das klingt natürlich sehr verlockend, relativiert sich aber ganz erheblich wenn man nachfolgende Sachlage berücksichtigt.
Um heute beim Hansafunk Genosse zu werden muss man jemanden finden, der seinen Anteil übertragen möchte. Dieser Anteil wird mit 20.000 € gehandelt und ganz sicher stellen nur die wenigsten Verkäufer dafür eine entsprechende Rechnung aus. Danach kann man beim Hansafunk um Aufnahme als Genosse vorsprechen und wird mit weiteren 14.000 € zur Kasse gebeten. Enthalten ist ein Genossenschaftsanteil in Höhe von 4200 €, der in der Realität auf Grund der finanziellen Situation der Genossenschaft erheblich weniger Wert ist.
Zuerst einmal soll ein Hamburger Taxenunternehmer also ca. 34.000 € investieren, dieses Geld in der Regel zu einem Zinssatz X bei der Bank aufnehmen, um dann Hansa Kunden bedienen zu dürfen.
Von den 1000 € Mehrumsatz gehen zuerst einmal 7% Umsatzsteuer runter, anschließend 400 € Funkbeitrag (Alleinfahrer) inkl. Finanzierung FMS Gerät und HUB mit Simkarten für die GSM Vermittlung. Dazu zumindest in den letzten zwei Jahren jeweils 900 € Nachzahlung für die Verluste der EG und am Jahresende durch die höheren Einnahmen natürlich eine entsprechend höhere Einkommenssteuer.
Ohne jetzt auf den Cent genau zu rechnen unterstelle ich von den 1000 € Mehreinnahme bleiben 350 € übrig. Bei 20 Arbeitstagen also 17.50 € pro Schicht, ohne die Investition von 34.000 € plus Zinsen überhaupt zu berücksichtigen.
Ob das ein Spitzengeschäft ist wage ich zu bezweifeln. Unternehmern, die trotzdem diesen Schritt gehen unterstelle ich u.a. folgendes :
01. Der Wagen rollt mit Fahrern oder Familienmitgliedern besetzt rund um die Uhr
02. Die Investition wird vom Schwarzgeld bezahlt d.h. eine Rechnung ist nicht nötig.
03. Das Geld kommt zinslos aus der Großfamilie, daher ist das Risiko und der Druck geringer, als bei einem Bankdarlehen.
Auch wenn meine beiden Kumpels meinen, ich solle doch dringend diesen Schritt durchdenken kenne ich eine Reihe weiterer Hansa Genossen die der Ansicht sind in diese Zentrale dürfe man keinen einzigen Cent mehr investieren. Sie haben die Nase gestrichen voll und überlegen nach 25 Jahren beim Hansafunk ihren Genossenschaftsanteil zu verkaufen.

Gruß C.L.

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Kommentar zum Taxi Gutachten

On Juli 29, 2009, in Tagschicht, by C.L.

Als der erste Teil des Gutachtens vorlag war ich geradezu euphorisch. Endlich gab es Zahlen die belegen, dass die Rahmenbedingungen im Hamburger Taxengewerbe eine Katastrophe sind. 13 € Stundenumsatz, Auslastung 25% der Schichtzeit. Von 12 Stunden auf dem Bock steht man 8 Stunden rum und wartet auf Kunden. So kann man nicht arbeiten, so kann man kein Geld verdienen und so wird man auch zukünftig vergeblich Kundenorientierung einfordern.

Als Konsequenz hatte ich vermutet die BSU macht fast alle Mehrwagenbetriebe zu und gibt dadurch den selbstfahrenden Unternehmern die Möglichkeit ihren Umsatz erheblich zu steigern. Dazu dachte ich die BSU würde einen Konzessionsstop verhängen, damit sich der Markt gesund schrumpfen kann und wir wieder Geld verdienen anstatt den Status von motorisierten Bettlern zu haben. Wenn heute 3400 Taxen rumstehen, würden zukünftig 2000 – 2500 Taxen in Bewegung sein und Geld verdienen.

Passiert ist aber folgendes : Betriebe, die nur einen Teil ihrer Konzessionen verlängert bekommen haben setzen natürlich Mitarbeiter frei. Diese melden sich zum Teil arbeitslos und beantragten erfolgreich einen Existenzgründerzuschuss als Taxenunternehmer. Der Fahrer, der vorher zusammen mit seinem Chef kräftig gemauschelt hat, wird also Unternehmer und der Staat subventioniert das auch noch mit ca. 10.000 €. Da Hamburg nicht konzessionsbegrenzt ist, haben alle diese neuen Unternehmer natürlich eine Konzession bekommen. Nach der Qualität dieser Bewerber (90 % mit Migrationhintergrund) wurde ebenso wenig gefragt, wie hinterfragt wurde, ob durch die Zahlen des Gutachtens die Funktionsfähigkeit des Gewerbes bedroht ist und somit Neuanträge erst einmal zu verweigern seien.

In das Taxigutachten und den überfälligen Konsequenzen haben viele Kollegen, die am Rande ihrer finanziellen Möglichkeiten angelangt sind, große Hoffnungen gesetzt. Jäh wurden wir enttäuscht, weil konsequenter Entzug der Lizenz bei mangelnder Steuerehrlichkeit zu tausendfachen Gängen zum Sozialamt geführt hätte. Das macht sich politisch natürlich nicht gut, daher fahren wir weiter mit einem erheblichen Überangebot an Taxen und Taxifahrern durch die Stadt.
Enttäuscht wurden wir ebenso von den Gewerbevertretungen, die diese Zahlen nicht zum Anlass genommen haben Veränderungen einzufordern. Der Grund ist klar : Verbände verdienen durch Schulungen zum Taxifahrer und Taxenunternehmer Geld. Eine Verkleinerung des Markes hätte diese Einnahmequelle komplett zum Erliegen gebracht. Zuletzt hat sich das Gewerbe aber wieder einmal nicht solidarisiert um gemeinsam Druck zu machen, damit die BSU die Fakten des Gutachtens sinnvoll interpretiert und praxisnah im Sinne der ehrlichen Kollegen agiert.

Nun haben wir Juli 2009. Wir befinden uns in einer Phase der Rezession und im Hamburger Taxengewerbe läuft gar nichts mehr. Die Umsätze sind in den letzten Wochen um 30% eingebrochen und viele Kollegen warten im Schnitt 90 Minuten auf die nächste Fahrt. D.h. wir arbeiten seit einigen Wochen nur mehr für Kosten und verdienen nichts. Mich wundert das die Fakten des Gutachtens nicht zum Anlass genommen werden, dass genervte und frustrierte Selbstfahrer die Köpfe zusammenstecken und rechtlich prüfen lassen, ob die BSU ihrer Aufsichtspflicht genügt und ob der Taximarkt in Hamburg unter den Daten des Gutachtens funktionsfähig ist ??? Aber wundern sollte man sich als Taxifahrer in Hamburg besser über gar nichts mehr.

Ich bin urlaubsreif und habe fertig C.L.

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Lange ist es her, dass die Firma Linne & Krause den Auftrag erhielt für Hamburg ein Taxigutachten zu erstellen. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) wollte endlich genau wissen, welche Kosten und welche Umsätze das Hamburger Taxengewerbe hat, um u.a. die Tarifentwicklung darauf abstimmen zu können.
Gestartet ist das Gutachten im Dezember 2004 und ein erster Zwischenbericht lag im März 2006 vor. Mittlerweile haben wir Juli 2009, also 4,5 Jahre später.
Nachfolgend möchte ich Details aus dem Gutachten skizzieren und darstellen wie in der Folge die BSU damit umgegangen ist.

Fakten des Gutachtens von 2006 :
750 der 1500 Einwagenunternehmer in Hamburg geben Jahresumsätze von weniger als 25.000 € an. Dazu kommen nichtplausible betriebliche Daten von 250 Mehrwagenunternehmern, die zusammen 1250 Taxen (1/3 der Hamburger Flotte) halten. Nichtplausible Daten heisst im Klartext es werden Steuern und Sozialabgaben in beträchlicher Höe hinterzogen, weil die Umsätze dramatisch verkürzt werden.
Im Durchschnitt erwirtschaftet eine Taxi in Hamburg in 10-12 Stunden einen Umsatz von 124 € und legt dabei 138km zurück.

Ein ganzes Jahr vergeht und o.g. Sachlage hat keine Konsequenzen.

Im März 2007 steht u.a. folgender Sachverhalt im Gutachten :
In 10 – 12 Arbeitsstunden erwirtschaftet eine Taxi in Hamburg durchschnittlich 120 € Umsatz und legt dabei 140km zurück. Die Umsatzdifferenz zwischen einer Taxi mit Funkanschluss und ohne Funkanschluss beträgt durchschnittlich 2 € pro Stunde.
Anmerkung : Bei 200 Arbeitsstunden erwirtschaftet eine Funktaxi also 400 € mehr Umsatz als eine Graupe. Die Funkgebühren in Hamburg liegen zwischen 220 und 270 € netto pro Monat. Rechnet man dazu variable Kosten für die anteilige Anfahrt zum Kunden handelt sich Funkteilnahme in Hamburg für Alleinfahrer um ein Nullsummenspiel. Den Hansa (211211) lasse ich hier bewusst erst einmal außen vor.
Ein Alleinfahrer erwirtschaftet in Hamburg einen Gewinn vor Steuern, der unter 10.000 € im Jahr liegt.

Zum Jahreswechsel 2007/2008 wird angekündigt die Kriterien bei der Konzessionsverlängerung werden verschärft. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Behörde trotz offenkundig katastrophaler Marktlage von einem Konzessionsstop nichts wissen will.
Mehrwagenbetriebe müssen bei der Verlängerung durch Schichtzettel lückenlos alle Kilometer dokumentieren, es wird ein Umsatz pro Kilometer von knapp 90 Cent zu Grunde gelegt.

Das Gutachten für 2008 wird im Juni veröffentlicht. In durchschnittlich 10 Stunden, werden 129 € bei 146 gefahrenen Kilometern erwirtschaftet.

Die Anzahl der Taxen sank durch das Gutachten zwischen 2004 und 2008 von 3686 auf 3380 und steigt seit Beginn des Jahres 2009 auf aktuell 3405. In den Medien verkauft die BSU diesen Umstand als Erfolg. Auf der Straße wird bei stetig sinkender Nachfrage dennoch jedes Jahr weniger verdient.

Ganz bissig formuliert lässt sich also ableiten, dass 10% weniger Taxen (300) zu 10% Mehreinnahme (= 1€/std.) führen. Da wirkt der Begriff Erfolg ja überhaupt nicht deplaziert :-)

Soviel also als Einstieg zum Hamburger Taxigutachten. Einen Kommentar dazu schreibe ich die Tage.

Zuletzt ein Link zu den Gutachten samt allen Details :
Gutachten 2006
Gutachten 2007
Gutachten 2008

Gruß C.L.

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Die Idee des Trinkgeldes

On Juli 11, 2009, in Tagschicht, by C.L.

Ich finde folgende Definition des Begriffs „Trinkgeld“ recht treffend :
„…denjenigen einen Bonus zahlen, die wenig verdienen, aber einen großen Einfluss auf die Qualität der Dienstleistung haben.“

Einem Taxifahrer Trinkgeld zu geben ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Es ist offensichtlich das wir nicht gerade üppig verdienen, wenn wir einen Kunden befördern. Abgesehen von Touren zwischen der Innenstadt und dem Flughafen sind die allermeisten Fahrten Kurztouren mit einem Fahrpreis zwischen 4 und 8 €. Das ausländische Kunden nichts über Trinkgeld wissen ist dabei noch zu verschmerzen. So ist Trinkgeld in den skandinavischen Ländern unbekannt und in Japan gar eine Beleidigung.

Ärgerlich wird es allerdings immer dann, wenn besserverdienende Deutsche eine „Geiz ist geil“ Mentalität an den Tag legen. Woran auch die Medien in Deutschland ihren Anteil haben dürften. Dort wird den Bürgern seit 10 Monaten erzählt, hier ginge alles dem Ende entgegen.
Taxikunden, die auf Quittung beruflich fahren, sind allerdings kaum von Arbeitslosigkeit betroffen und dürften in aller Regel sogar sehr gut verdienen. So ist das Problem der Knauserei beim Trinkgeld tatsächlich ein Thema was sich geballt erst im Laufe des Jahres 2009 bemerkbar gemacht hat. Über die Jahre betrug das Trinkgeld beim Taxifahren 10-12% vom Umsatz, aktuell liegt es in manchen Schichten nicht einmal mehr bei 5%.

Beispiele :
Fahre ich einen Kunden für 5,70 € mit Quittung zum Hauptbahnhof finde ich es kleinlich, wenn dieser lediglich auf 6 € aufrundet.
Fahre ich einen Kunden für 10,70 € zum Hotel Vier Jahreszeiten (Übernachtung ab 200€) wundert es mich schon, wenn dieser einen Beleg über 11 € haben möchte.
Fahre ich ein Ehepaar vom Flughafen in die Hafencity zu ihrer Wohnung (Am Kaiserkai, Kaufpreis 550.000€), finde ich es schlicht unpassend, wenn es bei 22,60€ schlappe 23 € gibt.
Abschließend ein letztes Beispiel : Ich fahre ein älteres Ehepaar zu ihrem Schiff, der MS Europa, was heute im Cruise Terminal lag. Ich bekomme bei einem Fahrpreis von 6,70€ üppige 7€. Direkt im Anschluss fahre ich eine Mitarbeiterin der MS Europa in die Mönkebergstraße. Die Uhr zeigt 6,50 € und sie gibt mir einen Zehner.
Allerdings bin ich deutlich gnädiger, wenn Omis mit kleiner Rente für 5 € fahren und kein Trinkgeld geben. So geschehen bei einer Fahrt vom Bahnhof Stellligen in die Ernst Horn Straße.

Ich finde es ist eine Unart, dem ortskundigen und souveränen Taxifahrer, der ohne Umwege das Fahrziel findet, nicht 1 oder 2 € extra zu geben. Immerhin braten wir aktuell bei 30 Grad in der prallen Sonne und warten auf Kunden. Fahren mit Klimaanlage, was den Verbrauch unserer Fahrzeuge um ca. 2 Liter/100km in die Höhe treibt. Akzeptieren Kreditkarten bei einem Fahrpreis von 7 €, weil der Kunde nicht in der Lage ist mit Bargeld die Wohnung zu verlassen. Bei solchen Erlebnissen kann es schon einmal sein, dass man einen Teil seiner Schicht lustlos und schweigend erledigt. Besonders der Taxifahrer ist durch den direkten Kundenkontakt das Produkt seiner jahrelangen Erfahrungen.

Gruß C.L.

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