Taxi Hamburg

Auch weil der Beitrag „Darum habe ich mich selbständig gemacht“ laut Statistik seit Monaten der am meisten Gelesene ist, schreibe ich heute ein paar Zeilen zu meiner ersten Droschke.

Rückblick : Ende 2004 war meine Reha beendet, nach einem Motorradunfall mit diversen Knochenbrüchen im Sommer 2004 und einem Hansa Unternehmer, der mich während meiner Arbeitsunfähigkeit kündigte, entschloss ich mich zukünftig selber Taxenunternehmer zu sein.
Weil ich vielleicht eine Fehltour und / oder Kurztour zuviel hatte erstmal ohne Funk.
Die Suche nach einem geeigneten Fahrzeug war nicht schwierig. Taxi Kollegen verwiesen mich auf einen Unternehmer, der bereits im Herbst 2003 die Schnauze vom Taxifahren voll hatte und der seinen Wagen abgemeldet bei Mama in der Tiefgarage stehen hatte.
Sein O-Ton beim damaligen Gespräch : „Als das Finanzamt Geld von mir sehen wollte, habe ich denen einfach meine Konzession eingetütet.“ :-)
Für ein Taschengeld erwarb ich einen Mercedes 250D Baujahr 1991 mit 498.000km auf der Tacho. Der Wagen war natürlich hellelfenbein lackiert und hatte bereits Taxameter und Dachzeichen an Bord. Innen war der Wagen ab Werk mit roten Kunstleder (MB Tex) ausgestattet, was ihm einen Touch von „Porno“ verlieh. So urteilten zumindest diverse Kunden in der Nachtschicht.
Zu dritt haben wir einen kompletten Tag gebraucht die Karre wieder fahrbereit zu machen, da wurden Kabel geflickt, damit die elektrischen Fensterheber wieder ihren Dienst taten, die Duoventile (Heizung) wurden mit leichten Hammerschlägen wieder gängig gemacht, diverse Lämpchen erneuert und die Batterie mittels einen speziellen Ladegerätes reaktiviert.
Nach 10 Schichten hatte ich den Kaufpreis erwirtschaftet und war heilfroh in diesen launischen Gewerbe ohne Schulden arbeiten zu können. Während Kollegen mit finanzierter Protz E-Klasse 7 Tage Woche machen, hatte ich am Wochenende immer frei und Zeit für Familie, Beziehung und Kumpels. Denn ich arbeite um zu Leben und das soll auch so bleiben.

Den Wagen habe ich 2005 und 2006 insgesamt 60.000km gefahren und 3000 € an Wartung / Verschleiß investiert. Mit 555.000km habe ich den Wagen im Dezember 2006 an einen befreundeten Unternehmer verkauft, der ihn letzte Woche abgegeben hat. Vorher allerdings hat der W124 Benz weitere 165.000km (doppelt besetzt) Geld verdient. Insgesamt 720.000km hatte der Wagen auf der Uhr, bis zuletzt verhielten sich Motor und Automatik unauffällig. Weg musste der Wagen wegen Rostproblemen, so blühte das Blech an unzähligen schlecht reparierten Unfallschäden und im Hinterachsträger wütete der Rost so heftig, das sich umfangreiche Schweißarbeiten nicht mehr rechneten.

Mensch ED, ich werde dich mit dem Rammstein Logo auf dem Heckdeckel auf Hamburgs Straßen vermissen und hoffe mein jetziger ED hält auch 500.000km durch.

Bis heute kann ich die Kollegen nicht verstehen, die sich wegen einem Neuwagen bis auf`s Blut selber ausbeuten. Ich habe nicht nur gelernt betriebswirtschaftlich zu denken (Für Kosten, die ich nicht habe, muss ich auch keine Überstunden mache), sondern meine Erfahrung zeigt auch, das eine gute Taxifahrt nicht vom Alter des Wagens, sondern von der Einstellung des Fahrers abhängt.

Gruß C.L.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to LinkedIn Post to MySpace

 

One Response to Nachruf auf ED I – mein erstes eigenes Taxi

  1. stez sagt:

    Wie siehts mitm Foto aus? Wir hatten doch mal schöne gemacht in der Eiffestraße auf dem Parkplatz.

    Das Porno-Leder ist da auch drauf zu sehen….

    :D

Schreibe einen Kommentar