2009 war wirtschaftlich gesehen ein schwieriges Jahr. Natürlich auch für das Taxigewerbe. Die Probleme liegen nach wie vor an der miesen Auslastung, den viel zu schlecht bezahlten Kurztouren und zuletzt an den zu hohen Betriebskosten in der Relation zur Einnahme. Dazu kam natürlich die Wirtschaftskrise, die das Taxengewerbe im zweiten Halbjahr verzögert getroffen hat. Wobei ich auch im Namen meiner Taxikollegen betonen möchte, das gute Geschäfte schon seit Jahren nicht mehr zu machen sind. Seit der Euroeinführung im Jahr 2002 stagniert bzw. schrumpft der Umsatz, während die Kosten nur eine Richtung kennen. Da tut es natürlich besonders weh, wenn die Geschäfte 2009 um 10 – 15 % einbrechen.

Ich habe hier in Absprache mit einigen anderen selbstfahrenden Unternehmern eine ganz spezielle Rechnung aufgemacht, die ich euch gerne präsentieren würde.

Notwendigkeit :

Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Unternehmer in Hamburg einen Jahresumsatz von 60.000 € erwirtschaften müßte. Bei 11 Monaten Arbeit pro Jahr (2 Wochen Urlaub / 2 Wochen Krankheit) wären das 5450 € Umsatz pro Monat und bei 200 Stunden im Taxi ein Stundenumsatz von 27,30 €.

Der Betrieb einer Taxi dürfte um die 20.000 € im Jahr kosten und die Kosten für KV und RV liegen bei 10.000 € im Jahr. Kollege X. zahlt allein für seine finanzierte E-Klasse inkl. Taxiversicherung mit Vollkasko über 10.000 € im Jahr und ist dabei noch keinen Meter gefahren. Kollege Y. zahlt jährlich für die Funkvermittlung, Provision für Kreditkartenabrechnung und diversen Soft- und Hardwareupdates ungefähr 5000 €. Kollege Z. ist Mitte fünfzig und soll für seine private Krankenversicherung 850 € monatlich bezahlen. Das ist zwar keine Betriebsausgabe in steuerlichen Sinne, trotzdem sind das Kosten die schlicht von der Einnahme zu zahlen sind.

Bleiben also von 60.000 € Umsatz ein zu versteuerndes Einkommen in Höhe von 30.000 €. Darauf zahlt man bei Steuerklasse I 6000 € Einkommenssteuer und sogar noch ein wenig Gewerbesteuer in mir allerdings unbekannter Höhe.

Für mindestens 55 Arbeitsstunden in der Woche plus Buchhaltung und sonstige betriebliche Aufwendungen würde man also 2000 € netto als Taxenunternehmer verdienen. Ein Gehalt, was in Hamburg tatsächlich jeder Hans und Franz verdient, ganz besonders, wenn man fünfzehn bis zwanzig Jahre in seinen Job tätig ist.

…und die Realität :

Nicht nur im Jahr 2009 waren die selbstfahrenden Einwagenunternehmer Lichtjahre von diesen Umsätzen und Gewinnen entfernt. Wir fahren seit Jahren Umsätze zwischen 25.000 und allerhöchstens 40.000 €, also mit einer gigantischen Unterdeckung. Das kann und darf so nicht bleiben, weil wir für anständige Arbeit irgendwann in hoffentlich naher Zukunft auch einmal anständig entlohnt werden wollen.

Was ist also zu tun ?

Blicken wir zuerst einmal Richtung Stuttgart, wo es ein funktionierendes Taxengewerbe gibt. Für 600.000 Einwohner stehen 700 Taxen zur Verfügung. In Hamburg stehen für 1,75 Mio. Einwohner eben nicht nur 2100 Taxen zur Verfügung, sondern 3400 Taxen, also 1300 zuviel. 1/3 der Konzessionen einzuziehen würde 1/3 mehr Umsatz bedeuten. Einen Konzessionsstop müsste man allerdings einklagen, worüber immer mehr Kollegen nachdenken.

In Hamburg gibt es einige Großbetriebe, die ihre Taxen mit Langzeitarbeitslosen und Rentnern besetzen. Diese Angestellten haben im Hamburger Taxengewerbe nichts zu suchen, sie schmälern unsere Auslastung und unseren Umsatz und sie sind nur bedingt geeignet Kunden zu befördern. Die Auslastung im Jahresschnitt beträgt gerade mal 1,2 Touren pro Stunde, da ist kein Platz für soziale Schmusereien. Außerdem machen uns Fahrer mit ihren eklatant langen Lenkzeiten zusätzlich die Suppe dünn. Ein angestellter Taxifahrer darf keinesfalls jede Woche 70 Stunden in der Taxi sitzen, trotzdem ist das die Regel weil so etwas überhaupt nicht kontrolliert wird.

Zuletzt muss man einmal mehr auch dem Taxentarif eine Teilschuld geben, warum in Hamburg die Geschäfte im Eimer sind. Besonders in den letzten Wochen mit Dauerfrost fahren die Funktaxen fast ausschließlich um die Ecke. Von 2 Touren pro Stunde, die max. 7 € bringen kann man keinen Gewinn erwirtschaften. Und wenn eine Fahrt bei Schneetreiben 35 Minuten dauert und 13 € kosten soll, fährt der Kollege zurecht im Anschluss frustriert nach Hause.

Gruß C.L.

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Peter Lüchow + 15.01.2010

On Januar 18, 2010, in Tagschicht, by C.L.

Der Nacht vom 14. auf den 15.01.2010 wurde in Hamburg nach über zehn Jahren erstmals wieder ein Taxifahrer ermordet. Es handelt sich um Peter Lüchow, den viele Taxifahrer unter dem Pseudonym PL aus dem bundesdeutschen Taxiforum kennen.

Forenbeitrag zum Tod von pl

Taxiforum 1550 Kommentare von pl

Peter Lüchow war ein Taxenunternehmer, wie man sie in Deutschland überall finden kann, er fuhr eine zehn alte E-Klasse ohne Funk und ohne Mitarbeiter und lebte recht bescheiden bei einer alten Dame zur Untermiete.

Im Taxiforum habe ich seine Kommentare immer gern gelesen und bedauere, ihn nicht einmal persönlich kennen gelernt zu haben. Seine kritischen Bemerkungen über den Hansafunk (211211) und die Arbeit der BSU (Taxigutachten eine Erfolgsgeschichte) haben mir gezeigt, dass hier jemand unterwegs ist, der realistisch und ungeschönt die Zustände im Taxengewerbe kennt. Er hat als Einzelkämpfer versucht das Beste aus einer auf ganzer Linie verfahrenden Situation zu machen.

Im Zusammenhang mit dem sinnlosen Mord diskutieren die Taxikollegen am Posten angeregt folgende Aspekte :

Wie kann man einen Mord wegen 100 oder 200 € begehen ? Mehr Bargeld hat kaum ein Kollege im Wagen.

Wo ist die Solidarität der Straße ? Kaum ein Taxi fährt mit einem Trauerflor durch die Stadt.

Wie ist es möglich, dass in einer Wohnstraße in Klein Flottbek ein Taxi mit laufenden Motor und eingeschalteten Warnblinker stundenlang nicht bemerkt wird. Geht da nach 22 Uhr niemand mit dem Hund Gassi ? Kommen da nach Mitternacht keine Jugendlichen nach Hause ?

Besonders jugendliche Kleingruppen benehmen sich in der Nacht als Fahrgäste zu oft unter aller Sau. Ungefragt am Radio zu spielen ist da noch eher harmlos. Grölen, pöbeln und mit dem Taxifahrer wegen der Route streiten gehören immer öfter zu einer nächtlichen Taxifahrt. Und wegen dem Druck Geld verdienen zu müssen, wird viel zu selten die Fahrt abgebrochen.
Respekt und Wertschätzung für unsere Arbeit gibt es in unserem Beruf viel zu selten.

Meine Gedanken sind in diesen Tagen bei der Familie und den Freunden des Opfers.

Gruß C.L.

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Wenn die Taxischicht zur Rutschpartie wird

On Januar 12, 2010, in Tagschicht, by C.L.

Hallo liebe Leser,
leider muss ich einmal mehr Kritik an der Stadt Hamburg und seinen zuständigen Behörden und Institutionen üben. Schon vor Weihnachten hatten wir in Hamburg einen echten Winter mit Frost, Eis und Schnee. Bereits in der vierten Woche muss ich nun erleben, wie bei Temperaturen um oder unter Null Grad sämtliche Straßen in Hamburg matschig, rutschig und vereist sind. Selbst auf den größten Hamburger Hauptstraßen wird nicht gestreut und alle Autofahrer müssen zusehen, wie sie heil durch den Tag kommen. In den letzten vier Wochen haben meine Kollegen und ich insgesamt keine zehn Streufahrzeuge gesehen, ein Trauerspiel für eine der reichsten Städte Europas. Es drängt sich zunehmend der Verdacht auf, die Bedürfnisse der Allgemeinheit interessieren den Hamburger Senat einfach nicht mehr.

Natürlich müssen Privatleute nicht unbedingt mit ihrem Pkw zur Arbeit fahren und ich habe tatsächlich den Eindruck, dass in der zweiten Januarwoche ein Teil der Bevölkerung ihre Fahrzeuge hat stehen lassen. Leider müssen aber wir Taxifahrer jeden Tag raus und Geld verdienen. „Drive to survive“ stand vor vielen Jahren mal auf dem Heckdeckel einer Taxi in unserer Stadt. Eigentlich wäre es konsequent bei diesen Straßenverhältnissen mit dem Taxi gar nicht loszufahren. Das Risiko einen Schaden zu produzieren, weil man auf eisglatter Straße in den Vordermann reinrutscht oder vielleicht sogar quer in ein parkendes Fahrzeug, steht in überhaupt keiner Relation zur durchschnittlichen Tageseinnahme. Obwohl ich denke, ich bin ein Profi auf der Straße, wäre ich gegen Abend fast über die Kreuzung an den Landungsbrücken geschlittert, schon vorher hatte ich mich in einer kleinen Straße in Eppendorf so gut wie festgefahren.

Aber für die Elbphilharmonie und die Verunstaltung öffentlicher Plätze (Große Bleichen / Hallerplatz) stehen natürlich Millionen zur Verfügung.

Knitterfreie Fahrt wünscht C.L.

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