Stinkefinger

On April 18, 2010, in Tagschicht, by C.L.

Am Donnerstag morgen habe ich beim Hotel Lindner in Hagenbek auf einen Stammkunden gewartet. Wenn dieser in Hamburg ist fährt er immer mit mir. Gerade als wir losfuhren kam ein bestelltes Hansa Taxi an und sah, das ich als Nicht Hansi mit einem Kunden abfuhr. Daraus schloss der Kollege fälschlicherweise ich hätte ihm die Tour geklaut und bedachte mich mit dem Stinkefinger.

Leider habe ich seine Funknummer nicht erkennen können, ich hätte mich ansonsten liebend gerne bei der Zentrale über sein Verhalten beschwert. Aber vielleicht sehe ich den grauhaarigen Taxifahrer mit seinem VW Passat Kombi mal auf der Straße.

Ich schließe aus dieser unbedachten Geste, dass der Druck beim Hansa auf seine Fahrer stetig wächst. Prozentekürzungen, Lohnmodelle, launisches Geschäft, da braucht man jede Tour und neigt zu Überreaktionen.

Eigentlich müsste ich die Hansafahrer mit solchen Gesten bedenken und zwar immer dann, wenn Hotels Hansataxen bestellen, obwohl direkt vor der Tür ein Taxistand ist. Warum bestellt das Holiday Inn an den Elbbrücken, das Sofitel am Alten Wall oder das Queens im Mexicoring Taxen, und verweist die Kunde nicht an den Taxistand ? Ich kann nur vermuten, dass dort Kunden gekauft worden sind. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gruß C.L.

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Dicker Hals

On April 9, 2010, in Aktuell, Flughafen, Tagschicht, by C.L.

Nachdem das erste Quartal im Taxi recht gut gelaufen ist, sind wir nun wieder hart in der Realität aufgeschlagen.
Bedingt durch den Winter in Hamburg mit Frost und reichlich Schnee ist die Dienstleistung Taxi spürbar vermehrt in Anspruch genommen worden. So waren dann auch in der Regel jeden Tag ein paar Euro mehr im Beutel. Zudem hatte ich das Glück, dass alle meine Stammkunden wieder in Hamburg zu tun hatten und ich etliche Fahrten zwischen 30 und 50 € abwickeln dufte. Und ich habe meine Taxi ohne Blessuren über die eisglatten Straßen Hamburgs pilotieren können. Dieses Glück hatten leider nicht alle Kollegen. So manche Stoßstange oder Kotflügel ist dem Schnee zum Opfer gefallen und auch so manche Fahrwerkskomponente (Klassiker beim Daimler : Federbruch) war zu ersetzen.

Der April hat mit Temperaturen bis zu 20 Grad erfolgreich den Winter vertrieben. Leider ist mit dem Beginn der Osterferien in weiten Teilen Deutschlands das Taxigeschäft in Hamburg komplett zum erliegen gekommen. So hatte ich zu Beginn des neuen Quartals einen Umsatzrückgang von 40%.

Einmal mehr müssen die Kollegen aus der Tagschicht erkennen, das der überwiegende Teil ihrer Einnahme von Geschäftsleuten stammt, die in Hamburg zu tun haben. Diese Gruppe der Besserverdienenden macht nun Urlaub mit der Familie und auch kinderlose Hamburger haben offenbar in der Woche vor und nach Ostern die Stadt verlassen. Dieses Szenario scheint sich jedes Jahr ein bisschen mehr zuzuspitzen.
Während also unsere Kunden unsere Dienste nicht benötigen, sind wir vollzählig auf der Straße und stehen uns die Reifen eckig. Wir können es uns natürlich nicht leisten zehn Tage Urlaub zu machen, stattdessen fahren wir Umsätze, die lediglich Kosten decken, wo aber kein nennenswerter Gewinn abfällt. Selbst gestandene Hansa Genossen stellen zur Zeit mit mickerigen 110 € den Wagen ab.

Ich habe mich Donnerstag Mittag entschieden, den Kampf ums Kleingeld aufzugeben und mache ein paar Tage frei. Mittwoch habe ich morgens 105 Minuten auf meine erste Fahrt gewartet, heute dann 90 Minuten. Meine Flughafentouren waren nicht nur kurz, sie waren schlicht ein echtes Ärgernis, wo ich zurecht einen dicken Hals hatte. Zuerst einmal ging es für 13 € nach Winterhude, dann für 9,90 in die City Nord, anschließend für 6,30 zur Shell am Suhrenkamp und nachmittags für 7,10 zur Metro Mercure nach Langenhorn.

Auch wenn das erste Quartal nicht so schlecht gelaufen ist, wird man den April komplett abhaken können. Erst ab dem 19. werden die Geschäfte wieder anlaufen, solange werden wir uns mit Klein(st)geld begnügen müssen.

Gruß C.L.

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Kurztest W212 Taxi Kombi

On April 9, 2010, in Aktuell, by C.L.

Heute Nachmittag bin ich mit einem Taxikollegen die aktuelle Mercedes Benz E-Klasse probegefahren. Obwohl der W212 jetzt schon seit einen guten Jahr auf den Straßen zu sehen ist, bin ich mit der kantigen Optik und den merkwürdig ausgestellten hinteren Kotflügeln nicht so wirklich warm geworden. Trotzdem hatte ich eine hohe Erwartungshaltung, weil ich noch nie ein Fahrzeug bewegt habe, was erst 1600km auf der Uhr hat.

Ausstattung : Mercedes stellt für das Taxengewerbe vorproduzierte Fahrzeuge her, die über eine solide Ausstattung verfügen und im Vergleich zur Privatkundschaft noch moderat im Kaufpreis sind. Das Taxi verfügt serienmäßig über Kunstledersitze inkl. Kindersitzen im Fond, 5 Gang Automatik, Sitzheizung, Klimaautomatik mit Motorrestwärme, Partikelfilter mit Abgasnorm Euro 5. Optional kann man u.a. ein Spiegeltaxameter, Multikontursitze und ein Schiebedach ordern.

Ambiente : Der Innenraum des W212 wirkt weder besonders wertig, noch wurde er mit Liebe zum Detail gestaltet. Die Türverkleidungen wirken mit ihrem strukturierten Plastik billig und klobig, auch durchgehende Lautsprecherabdeckungen auf dem Armaturenbrett und der Hutablage sehen ein bisschen grobschlächtig aus. Die Sitze im Fond sind bretthart, die vielen Schalter der Mittelkonsole eher verwirrend als induktiv zu bedienen. Die Holzapplikationen sind dunkler geworden, Wurzelnuss wurde komplett aus dem Programm gestrichen. In der Avantgarde Ausführung gibt es nun statt schicken schwarzen Vogelaugenahorn gebürstetes Aluminium. Wie ein schicker Innenraum aussehen kann zeigt eindrucksvoll der Audi A6, während man sich hier allenfalls in einem VW Passat wähnt.

Fahrverhalten : Die aktuelle E-Klasse fährt souverän und unproblematisch durch den Hamburger Verkehr, die Automatik schaltet ruckfrei, die Bremsen sind eher defensiv ausgelegt, das Fahrwerk bügelt Bodenwellen, geflickte Stellen im Belag, und unzählige Schlaglöcher gut weg. Für mich könnte es einen Tick straffer sein, ich denke aber die Kunden werden den Komfort als gut bezeichnen.

Verbrauch : Hier ist der E-Klasse Kombi glatt durchgefallen. Wie mir schon einige W212 Besitzer berichteten ist der Verbrauch wegen dem hohen Gewicht und dem serienmäßigen Partikelfilter nicht zeitgemäß. Wie Mercedes Benz 7 Liter im Stadtverkehr angeben kann will sich mir nicht erschließen und hat mit der Realität auf Hamburgs Straßen nichts zu tun. Ich habe den Wagen durch die Stadt rollen lassen und eigentlich nicht über 2500u/min. gedreht. Der Bordcomputer wies 10,5 Liter/100km als Verbrauch aus. Es steht zu befürchten, dass der Wagen mit Klimaanlage im Stadtverkehr annährend 12 Liter verbrauchen wird. Sollte ich mir irgendwann mal einen Neuwagen zulegen, so steht ganz oben auf dem Wunschzettel ein realer Stadtverbrauch von max. 8 Litern.

Die aktuelle E-Klasse kostet als Limousine ab 29.900 € (Kombi 30.900€) netto und kann zu 2,99% finanziert werden. Ich werde mir in absehbarer Zeit sicher keinen Neuwagen zulegen. Solange man in Hamburg oft mit einer Tageseinnahme um die 100 € nach Hause fährt ist gar nicht daran zu denken mit so einem Fahrzeug zu arbeiten. Und solange unsere Kundschaft für 5 € um die Ecke fahren kann, ist der Kauf eines neuen Mercedes Benz wirtschaftlich für mich undenkbar.

Gruß C.L.

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