Einfach geht anders

On Mai 30, 2010, in Tagschicht, by C.L.

Die Tage kam am Terminal 1 ein älterer Herr zu meiner Taxi und wollte den Preis für eine Fahrt nach Schleswig wissen. Für 130km wollte ich 150 € haben. Mit dem Hinweis, dass er am Flughafen Barcelona bestohlen wurde und mich erst in Schleswig bezahlen könne, sind wir und ein jüngerer Mann dann losgefahren.
Auf dem Swebenweg Richtung BAB Schnelsen Nord spielte sich dann folgender Dialog ab :
Ich fragte den jungen Mann, ob er denn auch in Barcelona gewesen sei ?
Er antwortete, dass er der Sohn ist und seinen Vater vom Flughafen Hamburg abholen sollte. Er ist mit dem Wagen von Schleswig nach Hamburg gefahren.
Mich erkundigte mich, warum die beiden denn nun nicht mit diesem Wagen wieder zurück fahren, sondern bei mir im Taxi sitzen.
Mir wurde geantwortet, der Wagen stünde nun seit über drei Stunden im Parkhaus und beide sind nicht in der Lage 12 € Parkgebühren zu begleichen. Der junge Mann hat sich in Schleswig mit ganzen 7 € in der Tasche auf den Weg gemacht und der Dispo auf dem Girokonto sei auch ausgeschöpft.
Ich fragte die beiden, wie denn jetzt ihr Plan aussieht ?
Daraufhin wurde mir mitgeteilt wir fahren jetzt nach Schleswig und zahlen 150 € für die Taxifahrt. Danach fährt der Vater seinen Sohn zurück zum Flughafen Hamburg, zahlt das Parkhaus und anschließend fahren beide mit zwei Autos wieder nach Schleswig.

Aha…

Daraufhin habe ich folgenden Vorschlag gemacht :
Wir fahren jetzt zurück zum Flughafen und ich zahle die 12 € für das Parkhaus. Da wir nun schon einige Kilometer gefahren sind und ich darauf vertrauen muss, den Fahrpreis und die Parkgebühren überwiesen zu bekommen hätte ich gerne 50 € + 12 € = 62 €.
So haben die beiden immerhin 100 € Taxifahrkosten gespart und 2x 130km mit ihren Privatwagen.

Wenn bin ich doch für ein pfiffiger und freundlicher Taxifahrer.
Und wer jetzt denkt ich hätte doch 100 € mehr verdienen können kann sich ja Ruhe Gedanken machen, was denn von 150 € bei 260 vergurkten Kilometern übrigbleibt ?

Gruß C.L.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to LinkedIn Post to MySpace

 

Mercedes Benz und LPG

On Mai 30, 2010, in Aktuell, by C.L.

Letzte Woche hatte ich ein sehr angenehme Fahrt vom Flughafen Hamburg Richtung Bargteheide. Mein Kunde und ich plauderten angeregt und streiften auch das Thema Spritpreise und Ökologie.
Er erzählte mir, dass sein Leasing Fahrzeug direkt vom Mercedes Benz bei der Auslieferung auf LPG umgebaut worden ist. Er fährt einen W211 E350 Benziner, den er vor drei Jahren bei Herbert Mühle in Bargteheide erstanden hat. Die Niederlassung hat den Umbau durchgeführt und Garantie auf den LPG Betrieb gegeben. Zudem hat der Umbau für seinen Sechszylinder „nur“ 2400 € gekostet und war damit wirklich preiswert.
Nun hat der Wagen 85.000km in knapp drei Jahren abgespult und zwar ohne jedes Problem im LPG Betrieb. Statt aktuell für 1,40 € tankt er Flüssiggas für 0,66 Cent pro Liter.

Für das Taxengewerbe könnte der Erwerb eines Benziners und die Umrüstung auf Flüssiggas eine echte Alternative sein. Weg von Dieseln, die immer noch 10 Liter im Taxenbetrieb verbrauchen und weg von überteuerten Erdgas Fahrzeugen, die mit technischen Problemen und geringer Reichweite nerven.

Ein knappe Kostenanalyse
100km mit dem Diesel kosten bei 10 Litern Verbrauch und 1,18 € /Liter = 11,80 €
100km mit LPG kosten bei geschätzten 15 Litern Verbrauch 9,75 €
Ersparnis pro 100km = 2,05 €.
Bei einer Jahreslaufleistung von 35.000km ergibt sich ein Kostenvorteil in Höhe von 700 € und in jedem Fall eine grüne Plakette. Außerdem spart man bei der Kfz. Steuer weitere 200 € im Jahr.

Aktuell klingt das noch nicht so toll, aber wir wissen alle, das die Spritpreise tendenziell nur eine Richtung kennen. Warten wir ab, wann der Diesel wieder 1,40 € kosten wird.

Gruß C.L.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to LinkedIn Post to MySpace

 

Nach Lemgo zum Autokauf

On Mai 11, 2010, in Tagschicht, by C.L.

Letzte Woche stand ein Kollege am Terminal 2 und hat Kunden dabei beobachtet, wie sie um den Fahrpreis für eine etwas weitere Tour gefeilscht haben. Die drei Herren kamen aus Schweden und wollten mit dem Taxi nach Lemgo. 228km sollten zwischen 220 und 250 € kosten. Nach langen Diskussionen sind die Kunden dann bei meinem Kumpel eingestiegen.
220 € waren ihnen eigentlich noch zu teuer, obwohl selbst bei so einer Fahrt tatsächlich kein nennenswerter Gewinn abfällt. Klingt unglaublich, ist aber schnell zu rechnen :

HH -> Lemgo und Retour = 460km. 1km kostet 30 Cent = 138€ fixe und variable Kosten. Von 220 € sind 19% Mwst. abzuführen = 41,80 €. Als Gewinn vor Steuern bleiben also 220 € – 138 € – 41,80 € = 40,20 €

Dieses Detail aber nur am Rande, viel spannender ist, was die Kunden in Lemgo eigentlich wollten? Sie wollten sich einen schwarzen Lamborghini Gallardo kaufen. Einen Gebrauchtwagen für knapp 100.000 €
Ein schlechtes Gewissen mit dem Kutscher zu feilschen hatte keiner dieser Ignoranten.

Gruß C.L.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to LinkedIn Post to MySpace

 

Nahtlos kann ich an den Beitrag „dicker Hals“ anknüpfen. Eigentlich möchte ich hier viel lieber Erfolgsmeldungen posten. Heute wieder zwei Scheine gefahren, ist doch kein Problem im wohlhabenden Hamburg. Läuft alles supi, der Neuwagen ist geordert. Taxifahren in Hamburg macht richtig Laune und sorgt jeden Tag für einen prallgefüllten Beutel. Perspektivisch habe ich leider einen gänzlich anderen Eindruck. Aber der Reihe nach :

Anfang Mai hat mich erstmal die Sommergrippe von der Straße geholt und ich habe ein paar Tage das Bett gehütet. Noch leicht angeschlagen bin ich dann aber Dienstag morgen wieder zugestiegen und habe zuerst mal eine SMS bekommen, das mein Stammkunde aus Manchester diese Woche nicht in Hamburg sein wird. Die Aschewolke hat erneut den Flugverkehr in England und Irland lahmgelegt. Genau die Aschewolke, die schon Ende April dafür gesorgt hat, das die Umsätze mindestens 30% schlechter als gewöhnlich ausfielen.

Das das Geschäft immer unberechenbarer wird zeigt folgendes Beispiel : Freitag vor zehn Tagen habe ich mit drei Fahrten 128 € gemacht und bin dann zeitig nach Hause. Ich war nicht faul, ich habe mich einfach nicht gefühlt (s.o.). Mittwoch haben elf Touren gerade einmal 90.50 € Umsatz gebracht. Diese Kurztouren mit Fahrpreisen zwischen 5 und 8 € sind wegen der Wartezeiten dazwischen natürlich nicht interessant. Werden sie nicht durch Fahrten zwischen 15 – 25€ kompensiert, kann man schlicht einpacken.

Das Problem der Kurztouren verschärft sich konsequent jedes Jahr. Eine Kurztour ist eine Fahrt, die 4-7 € bringt und auf die der Taxifahrer zwischen 30 Minuten und 2 Stunden warten muss. Nährungsweise muss man leider ganz klar sagen, dass ein Taxifahrer in Hamburg kaum mehr als eine Tour pro Stunde fährt, d.h. der Fahrpreis ist sein Stundenumsatz. Das ist die Sachlage in Hamburg, ich kann es nicht ändern.
Alle Kosten steigen, die Fahrpreise bleiben annährend konstant. Fast 50% des Fahrpreises gehen für betriebliche Kosten drauf, der Rest (bei 7€ Fahrpreis ca. 3,50€) verdient den Namen „Gewinn“ nicht. Selbst der Flughafen ist schon lange kein Garant mehr für eine etwas weitere Fahrt. In der letzten Zeit habe ich das Gefühl mindestens jede dritte Fahrt endet bereits in der City Nord und bringt maximal 12 €. Waren das nicht eigentlich Touren für den Hansa VIP Abholservice :-)

Das Geschäft gestaltet sich also zur Zeit mal wieder extrem launisch. Ferien und Aschewolken bergen zusätzlich die Gefahr grottenschlechter Umsätze. Ich hoffe ich werde die Tage mal wieder positiv überrascht. Morgen früh geht es ja schon mal ganz gut los. Eine VB von Finkenwerder zum Flieger.

Gruß an alle C.L.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to LinkedIn Post to MySpace

Tagged with:  

Mein Freund der Elbtunnel

On Mai 9, 2010, in Tagschicht, by C.L.

Ein freundliches Hallo an alle Leser,
seit einigen Monaten muss ich fast täglich mit Kunden durch den Elbtunnel fahren. Das ist natürlich gut, bringen diese Fahrten doch immer mindestens 35 €. Was allerdings rund um die Elbtunnel so abgeht strapaziert die Nerven aufs Äußerste. In der Regel steht der Verkehr in beide Richtungen. Manchmal nur drei Kilometer, oft aber auch 5-8 Kinometer. Freitag zum Beispiel kam im Radio die Durchsage „Stau vor dem Elbtunnel Richtung Süden ab Henstedt Ulzburg 25km.“

Sind Auto- und LKW Fahrer mit dem Befahren des Tunnels überfordert ? Offenbar ist das so, anders kann ich mir nicht erklären, wieso man mit 80km/h in den Elbtunnel einfährt und mit 50km/h wieder ausfährt. Wie man konsequent mit 60km/h die linke Spur blockieren kann, während einen rechts die Lkw`s überholen. Oder wie mehrfach pro Tag LKW Fahrer die Höhenkontrolle auslösen, weil ich nicht einmal wissen wie hoch ihr Sattelzug ist. Auch die ewige Bauerei im Tunnel nervt. Theoretisch führen 4 Röhren mit insgesamt 8 Spuren unter der Elbe durch, allerdings sind maximal 6 Spuren befahrbar. Fällt von den drei Spuren je Fahrtrichtung eine wegen Bauarbeiten weg, und womöglich eine zweite Spur durch einen Unfall, ist das Chaos vorprogrammiert.

Staut es sich vor dem Elbtunnel Richtung Süden weichen Tausende von Fahrzeugen auf die ohnehin recht volle Innenstadt aus. Von der Stresemannstraße über den Pferdemarkt und die Ludwig Erhardt Straße schiebt sich dann eine Blechlawine Richung City Süd und Elbbrücken.
Die vielen Kollegen, die ihr Geld in der Innenstadt verdienen, weil dort am ehesten noch Taxen benötigt werden, haben regelmäßig darunter zu leiden.

Infos zum Elbtunnel.

Gruß C.L.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to LinkedIn Post to MySpace