Taxi Hamburg

Als ich im April 2010 gehört habe, branchenfremde Jungunternehmer wollen den Taximarkt in Hamburg mit einer weiteren Bestellmöglichkeit bereichern, war ich geradezu euphorisch. Endlich gab es die Möglichkeit bezahlbar Funktouren zu bekommen, dazu eine geniale Bestelltechnik und neue Gesichter, die anders ticken, als alle bisherigen Zentralenchefs.

Es wird seine Gründe haben, warum ca. 1000 Taxen in Hamburg bislang keiner Funkvermittlung angeschlossen sind.

Aber zurück zu Mytaxi.
Die Technik sollte hinlänglich bekannt sein. Auf einem Smartphon läuft eine Applikation, die per GPS Standorte von Taxen und Kunden auf Google Maps anzeigt. Der Kunde ordert per Tastendruck einen Wagen, Fahrzeuge in der Nähe bewerben sich auf den Auftrag, und fahren ggf. zum Kunden. Abgerechnet wird nach der Anzahl der Fahrten und nicht pauschal nach dem Motto „250€ für Nichts.“

Ich gab mich der stillen Hoffnung hin, die Mytaxi Macher würden nicht dieselben Fehler machen, wie vorher andere Funkvermittlungen. Ich wünschte mir Mytaxi wird langsam aber stetig aufgebaut und die Fahrer wären handverlesen. Gute Dienstleistung und daraus folgende Kundenbindung braucht überdurchschnittliche Fahrer und stets gepflegte Fahrzeuge.

Im Laufe des Jahres 2010 ist aber einiges anders gekommen. Um in den wenigen nachfragestarken Zeiten bedienfähig zu sein, wurden auch Unternehmer und Fahrer aufgenommen, die nicht gerade durch eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft glänzen. So wurde ausgerechnet am Flughafen nach neuen Kollegen gesucht. Dabei ist bekannt, dass unwillige Flughafenfahrer dafür gesorgt haben, das Hansa Funktaxi am Flughafen monatlich fast 10.000 Bestellungen hat. Alles Kunden, die keine Lust mehr haben sich wegen einer Fahrt, die nur nach Eppendorf oder Winterhude geht, entschuldigen zu müssen.

So standen Angebot und Nachfrage das ganze Jahr 2010 in einem ziemlichen Missverhältnis, was mich mal mehr und mal weniger frustrierte. Es kann einfach nicht sein, das es morgens keine Besteller in Eimsbüttel gibt und abends keine Kunden in Eppendorf. Fast alle Fahrten starten innerhalb des Ring 1 und die meisten enden mit Fahrpreisen um die 8€ auch dort. Mytaxi wäre also nur dann ein Mehrwerttool, wenn Tour auf Tour folgen würde. Leider ist das Geschäft am Tage aber ab 10.30 Uhr wie abgeschnitten.

Anfang 2011 sollten dann auch noch Kollegen Kollegen werben. Ich traute meinen Ohren nicht und dachte : Na super, da schieß ich mir ja selbst ins Knie, wenn kaum vorhandenes Geschäft durch noch mehr Fahrzeuge geteilt werden soll.
Immerhin läuft seit einigen Monaten die Technik absolut zuverlässig. Und ich muss auch zugeben, dass es durchaus im Tagesverlauf einige Tourenangebote gibt. So berichten Kollegen von 4-6 Fahrten pro Schicht und liegen damit sicher auf dem Niveau von Autoruf und Wandsbeker. Allerdings sind für 100 Touren lediglich 50€ zu zahlen und eben nicht um die 200€.

Das Geschäft soll am Abend und am Wochenende Nachts noch einen Tacken lukrativer sein, mir geht es allerdings vorrangig darum, ob ich während meiner Arbeitszeit mit ausreichend Tourenangeboten versorgt werde. Das ist leider auch 13 Monate nach dem Start von Mytaxi nicht der Fall.

Auf der MyTaxi Hamburg Map stehen dem Kunden reichlich Wagen zur Verfügung. Richtig rund wird die Sache dadurch, dass der Kunde auch in Berlin, München, Köln und Bonn mit der Applikation ein Taxi ordern kann. Frankfurt und Stuttgart sollen im Mai 2011 folgen. Fazit : Wird schon :-)

Gruß C.L.

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3 Responses to Mytaxi – ein Resümee nach 13 Monaten

  1. taxi sagt:

    mytaxi ist nichts anderes als eine industrie intrige mit der telekom als hauptgesellschafter, bitte unterstützt das und schwächt die komunalen callcenter und hilft der telekom ein internationales bestellwesen aufzubauen. super! und das ganze gefördert durch den ehemaligen wiederaufbau fond erp um das taxi gewerbe kaputt zu machen.

  2. Vincent sagt:

    Wenn jetzt selbst Du als Fahrer sagst, dass die Qualität der Fahrer bei MyTaxi bergab geht, werde ich als Kunde weiterhin bei 211211 anrufen. Und wenn ich unbedingt per Handy-App ordern will, die haben auch eine…

    Mag ja sein, dass bei Hansa eine Menge Scheiße im Hintergrund passiert. Aber was soll ich als Fahrgast denn machen?
    Die bei Hansa haben durchweg gute Fahrzeuge. Sie sprechen meine Sprache. Sie wissen wo meine Straße ist oder zumindest wissen sie es, wenn ich ihnen die Hauptstraße nenne, von der sie abgeht. Sie motzen mich nicht dumm an, wenn ich mal eine Kurztour fahren muss, was ich ihnen dafür auch mit einem prozentual gesehen sehr hohen Trinkgeld danke. Und, was mir persönlich am wichtigsten ist, wenn ich frage, ob sie Karte nehmen (was bei Hansa btw alle tun) und sie mit ja antworten, sagen sie nicht am Ziel plötzlich “Gerät kaputt”, weil sie doch keine Lust haben Karte zu nehmen.

    All diese Sachen sind bei 211 garantiert. Und mit all diesen Sachen habe ich beim einsteigen am Flughafen, auf der Straße oder am HBF schon soo schlechte Erfahrungen gemacht, wenn ich in ein nicht-211 Taxi gestiegen bin. Natürlich nicht nur, es gibt auch sehr gute nicht 211-Fahrer.

    Wenn ich die Wahl hätte, würde ich ein weniger Skandal-umwittertes Unternehmen anrufen. Aber ich muss nun mal häufig von A nach B mit dem Taxi und möchte einen guten Service und den bekomme ich konsistent scheinbar nur bei denen… wenn ich nun immer zur selben Zeit fahren würde, könnte ich mir sicherlich auch die Privatnummer von einem guten Fahrer geben lassen und immer mit dem fahren, aber das tu ich halt nicht.
    Ich bin also für Alternativvorschläge offen, aber so lange die Behörde oder wer auch immer dafür zuständig sein mag, es nicht schafft, dass alle Taxen einen gewissen Qualitätsstandard erfüllen müssen – und natürlich den Fahrern auch das dafür nötige Gehalt gesichert ist – muss ich weiterhin 211 wählen.

  3. Bernd sagt:

    Selbstverständlich gibt es immer wieder Leute, die der Meinung sind, daß man das Fahrrad nochmal erfinden kann! Es kann auch sein, daß das eine Weile gut geht, aber irgendwann kommt jeder dahinter, daß wir das Jahr 2011 schreiben und nicht 1120! Man stellt dann fest, daß manche Dinge schon mal gegessen und nur wieder erbrochen wurden.
    Ich glaube nicht an Mytaxi!

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