Taxi Hamburg

Moin aus Hamburg,
jedes Jahr im Frühjahr dasselbe Affentheater in Hamburg. Als Ausgleich für Kostensteigerungen im gewerblichen und privaten Bereich sollen wieder einmal die Taxentarife angehoben werden. Im Gespräch ist eine Erhöhung der Fahrpreise um 4%, vermutlich angedacht für die nächsten 24 Monate.

Dabei fordern Kollegen und Verbände seit Jahren etwas völlig anderes : Die Abschaffung des bezahlten Wartezeitanteils im Taxentarif aus dem Jahr 2000 endlich rückgängig zu machen. Damals wurde der Wartezeitanteil von durchschnittlich 15% des Fahrpreises einfach in den Kilometerpreis eingerechnet. Seitdem befindet sich der Hamburger Taxentarif in einer praxisfremden Schieflage. So kostet eine Taxifahrt in Hamburg immer dasselbe, auch wenn man dafür tagsüber mitunter doppelt soviel Zeit aufwenden muss. Das ist ungerecht und sorgt u.a. dafür, das Fahrten zum Fußball oder zu großen Konzerten relativ unbeliebt geworden sind. Kein Wunder, haben doch Kollegen in der Vergangenheit durchaus Kunden eine ganze Stunde für einen Fahrpreis von 16€ in ihrem Taxi gehabt.

Engagierte Kollegen haben in Eigenregie ermittelt, dass die Fahrpreise in Hamburg mit Wartezeitanteil 15% höher als bisher ausfallen würden. Eine durchschnittliche Taxifahrt für 11€ würde dann vermutlich 12,50€ kosten. Aus diesem Szenario leiten die Taxenbehörde und die Handelskammer nun ab : Diese zusätzliche finanzielle Belastung wäre dem Taxikunden in Hamburg nicht zuzumuten. Ich verdiene tagsüber zu 80% mein Geld mit Geschäftskunden, der Hamburger, der den Euro dreimal umdrehen muss, ist doch seit Jahren gar kein Taxikunde mehr. Diejenigen, die sich eine Taxifahrt noch leisten können, werden sicher in Lage sein, 1,50€ mehr pro Fahrt aufzubringen. Und diejenigen, die heute nicht mehr Taxi fahren, werden es auch nicht tun, wenn wir 1,50€ billiger werden würden.

Ich bin sowieso der Meinung, die Fahrpreise sollten in ihrer Struktur überdacht werden und sich viel mehr an die realen Kosten eines Taxenbetriebes orientieren. Das gesamte Segment Fahrten zwischen 5 und 10€ rechnet sich eigentlich gar nicht mehr, weil die Auslastung nicht stimmt. Kunden mit weiteren Fahrten subventionieren Kurztouren, dabei müsste es genau andersrum sein. Der Kunde, der heute noch bereit ist für 35€ Taxi zu fahren, könnte diese Tour auch für 30€ bekommen. Der Kunde, der zu faul ist 1km zu laufen, muss dann aber auch für diese Kurzstrecke 10€ bezahlen, anstatt aktuell 4,50€.

Zuletzt komme ich nicht umhin unsere Tariferhöhung mit Preissteigerungen anderer Dinge zu vergleichen. Die Hamburg Morgenpost hat vor einiger Zeit den Kaufpreis von 60 auf 70 Cent erhöht (über 15%). Ein Konzert in der Großen Freiheit kostete früher kaum 30€ und schrammt heute schon hart an der 50€ Marke. Die Kinokarte für Harry Potter in 3D kostet uns heute Abend Stück 14€. Auch Diesel, der gängige Kraftstoff für unsere Taxen, ist verglichen mit 2010 um 15% teurer geworden. Auch unter diesen Aspekten ist die Tariferhöhung absolut lächerlich.

Gruß C.L.

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4 Responses to Tariferhöhung 2011 kommt – und keiner will sie

  1. Jesko sagt:

    „Wenn also nach 70 Minuten Wartezeit ein Kunde kommt müßte der Tarif auch diesen Vorlauf in irgendeiner Form berücksichtigen“

    Nein es muss dafür gesorgt werden, dass die Taxe keine 70Minuten wartet! Warum soll die arme Oma auf einmal völlig überzogene 10€ für den kleinen Weg nach Hause zahlen weil die BSU es nicht auf die Reihe bekommt die Anzahl der Taxen sowie die Bedingungen für die Taxen in Spitzenzeiten ordentlich zu regeln.

    „Was bleibt denn bei einer Fahrt für 4,30€ übrig ? Als Funktour kostet sie doch schon 1,50€“

    Prozentual mehr als bei einer 30€ Fahrt, siehe oben es müssen halt einfach genug sein.
    Kleine Funktouren müssen als Kundenbindungsmaßnahme nun einmal auch sein. Und du zahlst doch außer bei mytaxi sowieso einen pauschalen Betrag pro Monat, ob du dafür nu 20×5€ fährst oder 5×20€. Es läuft jetzt wieder darauf hinaus, dass einfach das unproduktive Warten gegen 0 gehen muss.

    Außerdem kosten lange Touren bis zu 50% weniger pro km als kurze Touren, das empfinde ich schon als ziemlich starken Preisnachlass!

  2. C.L. sagt:

    Hi Jesko,
    du weist doch so gut wie ich, dass die Auslastung in Hamburg in der Regel traurig ist. 75% der Arbeitszeit stehen wir rum. Wenn also nach 70 Minuten Wartezeit ein Kunde kommt müßte der Tarif auch diesen Vorlauf in irgendeiner Form berücksichtigen. Daher meine Forderung den minimalen Fahrpreis bei 9,90€ (10 klingt so ausverschämt) anzusetzten. Inkl. Bestellung, 3 Km Strecke, KK Zahlung. Was bleibt denn bei einer Fahrt für 4,30€ übrig ? Als Funktour kostet sie doch schon 1,50€.

    Im L&K Gutachten von 2011 steht, dass 2010 486 Taxen aufgehört haben. Dumm nur, dass 2010 506 Taxen neu auf die Straße gekommen sind. Mit Konz. Stop wären mir Kurztouren egal, ich fahr dann eben 5 Touren mehr in der Schicht. Ich verlinke und kommentiere das Gutachten die Tage.

    Gruß C.L.

  3. Jesko sagt:

    Du behauptest, dass sich Fahrten zwischen 5 und 10€ nicht rechnen aber 30€ Touren schon.
    Kannst du mir das mal irgendwie Aufschlüsseln ?
    Eine 5€ Tour sind mit zurückfahren zum gleichen Posten nur knapp 3km, also ein Kilometerschnitt von 1,65€/km
    Die 10€ Tour sind bei Postenrückkehr (also zum selben Posten zurück) 7,5km, also noch ein Kilometerschnitt von 1,33€/km.
    35€ Tour sind 20km fahrt, zum Posten zurück also 40km fahrt und daher noch ein Kilometerschnitt für einen ein-Posten Fahrer von 0.875€/km.
    Das die Zahl der Touren nicht stimmt hat absolut nichts mit dem Tarif zu tun (naja irgendwie doch, aber wenn man Taxifahren so billig machen würde, dass die Touren steigen dann sind vor der ersten Tour die Unternehmer pleite). Gerade der Hamburger Tarif macht bis auf die Karenzminute Sinn und beinhaltet doch schon deine Forderungen, degressiv mit Einschaltgebühr. Jetzt aus der Laune herraus, weil du so dich ungern für unter 10€ vom Posten loseist schon für 1km 10€ zu verlangen und dafür bei den langen Touren wirtschaftlichen Schiffbruch verlangen ist Quatschkram.
    Weniger Taxen, mehr Taxenspuren (auf Lombards/kennedy und Ost-West z.B.) und keine Karenzminute mehr sind meiner Meinung nach ein guter Schritt um die Auslastung der Taxen zu verbessern. Die meiste Zeit des Tages haben wir ja nun einmal mehr als genug Taxen, nur wenn die Stadt zugestopft mit Autos ist dann mangelt es, die höheren Kosten durch die KM würde dann mehr Leute in U/S-Bahn verteilen die sich dann außerhalb für den Rest des Weges evtl. ein Taxi schnappen. Aber bei dem Stau hier in Hamburg helfen auch 6000Taxen nicht, wenn keine zu der Zeit fährt weil es wirklich keinen Sinn macht sich für ne Stunde im Stau 15€ Umsatz bezahlen zu lassen.

  4. Bernd sagt:

    Das ist halt die Krux dessen, daß wir „öffentlich“ sind. Deshalb müssen wir uns auf die Beschlüsse von Politikern verlassen. Und deren Kompetenz können wir ja täglich erleben.

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