Taxi Hamburg

Unsere Fahrpreise sind echt ein Witz

On November 9, 2011, in Aktuell, by C.L.

In den letzten Wochen habe ich einige aufschlussreiche Gespräche mit der verehrten Kundschaft führen können und war regelmäßig erstaunt, welches Verhältnis ein nicht so kleiner Teil unserer Fahrgäste zum Geld hat.

Hier einige Beispiele :

Eine Plauderei mit einem älteren Geschäftsmann über seine private Autosammlung. Der Mercedes SLS Cabrio ist bestellt, zwei BMW Z8 erzielen gute Wertzuwächse, der E350 Cdi der Gattin steht eigentlich nur rum. Allein diese vier Fahrzeuge haben einen Wert von fast 500.000€.

Zwei Geschäftspartner unterhalten sich im Fond meiner Droschke über den angedachten Kauf eines Segelbootes. 800.000€ für eine 26 Meter Jacht sind ja noch im Rahmen, aber laufende Kosten von 200.000€ im Jahr für Liegeplatz und Besatzung, sind für ein Hobby dann doch einen Tick zu teuer.

Auf dem Weg vom Flughafen nach Winterhude ordert ein Kunde für 15000€ ein Catering. Besonders wichtig dabei, dass der Parkettboden mit Teppich abgedeckt wird, damit das Personal diesen nicht verkratzt.

Gestern erzählte mir ein Kunde von seinem Einfamilienhaus in Alsterdorf. 240qm Wohnfläche und Blick auf den Alsterlauf dürfen es schon sein.

Und heute schließlich fahre ich einen Kunden, der mit seiner Familie von Wien nach Hamburg umziehen möchte. Zwei Erwachsene und zwei Kinder suchen eine Wohnung in Eppendorf mit 200qm Wohnfläche für ca. 3000€ Miete pro Monat.

Eine Stammkundin fährt mit mir von der Firma in der Hafencity zum Kindergarten nach Eimsbüttel und danach zum Hauptbahnhof. Mit Wartezeit sind wir 50 Minuten unterwegs und das Taxameter zeigt als Fahrpreis 23,90€. Sie meint dieser Fahrpreis wäre ja lächerlich für fast eine Stunde Arbeit und gibt mir 40€, weil sie das für angemessen hält.

Ich bekomme einen Mytaxi Auftrag im Neuen Steinweg. Dort wohnt der Kunde in einer sündhaft teuren Neubau Eigentumswohnung. Wir fahren in die Domstraße, die Fahrt kostet 5,40€. Wäre dieser Kunde gelaufen, hätte er 6,7,8,9,10€ für die Tour bezahlen müssen ?

Dieser Beitrag hat überhaupt nichts mit Neid zu tun, ich bin unbedingt der Ansicht, dass sich Fleiß und Qualifikation durch Erfolg und Einkommen auszahlen müssen. Unser taxifahrenden Kundschaft geht es finanziell prächtig. Trotz Globalisierung und so mancher Krise wird heute in der Wirtschaft mehr denn je verdient.

Ein Grund, für seit 15 Jahren !!! stagnierende Umsätze und Gewinne im Taxengewerbe sind eben Tarife, die vor allem bei Kurzstrecken schon lange keinen adäquaten Gewinn mehr abwerfen. So ist unsere Dienstleistung systematisch ins Niedriglohnsegment abgedriftet.

Der Hansa Slogan “Die umweltfreundliche Alternative ohne Aufpreis” auf den hauseigenen Umwelttaxen ist symptomatisch für die völlige Unfähigkeit des Gewerbes selbstbewußt Fahrpreise einzufordern, die für eine gute und solide Dienstleistung angemessen sind.

Gruß an alle C.L.

PS :  Nachtrag vom 11.11.2011

Heute führt ein Kunde eine Gehaltsverhandlung mit einer Frau, die in seiner Firma anfangen soll. Am Handy sagt er : “Ich biete ihnen 90.000€ im Jahr plus mindestens 30.000€ Provision.” und weiter “…ja ich weiß, dass sie sich damit verschlechtern, aber…”

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2 Responses to Unsere Fahrpreise sind echt ein Witz

  1. Tom sagt:

    Du darfst dabei aber nicht die ganzen “normalen” Kunden vergessen, für die eventuell 20 oder 30€ schon einen größeren Betrag dar stellen, und die eben nicht einfach so mal 50€ für eine Taxifahrt aus geben können.
    Die Mittelschicht bringt nun mal langsam weg, wir haben einen gewissen Prozentsatz “Leistungsträger”, die sich zumindest ein großes Einkommen leisten, und ein Groß von Menschen, dir für wenig bis nichts arbeiten. Die Frage, die sich dabei stellt, ist: Wie lange bleibt das so, und wann geht es rund?

  2. Unterdosis sagt:

    Es gibt da aber eine Frage, die man auch ohne Neid einfach mal stellen muss: wieviel ist die Leistung eines Menschen wert? Sowohl mindestens als auch maximal?

    Kann ein Mensch bei gleicher Arbeitszeit 50x mehr leisten, weil er Manager ist statt Sachbearbeiter? Ist es die wichtigere Leistung einen Auftrag an Land zu ziehen, oder diesen Auftrag zu erledigen / zu bearbeiten? Findet die Wertschöpfung in der Verwaltung statt, im Verkauf oder in der Produktion?

    Wenn man ein größeres Stück vom Kuchen fordert damit man sich mal einen Urlaub oder ein neues Auto leisten kann, oder einfach was auf die Hohe Kante legen will, während andere Yachten kaufen und allein dafür jährlich den fünffachen Durchschnittslohn an laufenden Kosten zu zahlen bereit sind – ist das dann Neid, oder gerechte Empörung?

    Ich gönne jedem die Früchte seiner Arbeit, und wenn er diese Früchte komplett selbst erwirtschaftet auch in beliebiger Höhe. Aber wenn die Chefs einen ganzen Fuhrpark im Keller der Villa stehen haben und die Belegschaft zur Hälfte aus Minijobbern, Zeitarbeitern und Aufstockern besteht, die nur mit aus Steuergeldern bezahlten Sozialleistungen aufs Existenzminimum kommen, dann läuft ganz gewaltig etwas schief in dieser Gesellschaft.

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