Nach den Querelen um Wundercar geht es offenbar direkt weiter mit einem neuen Konkurrenten im Kreis der Personenbeförderer. Uber gibt es nach Berlin seit Mittwoch auch in Hamburg.
Ein Redakteur der Hamburger Morgenpost hat mit Uber eine Fahrt absolviert und lobt diesen neuen Service ausdrücklich. Herr Horstmann hat offenbar von den Gesetzen rund um die Personenbeförderung keine Ahnung und propagiert in einer großen Tageszeitung eine Dienstleistung, die sich rechtlich mindestens in einer Grauzone befindet.

Ich kann die Euphorie natürlich nicht teilen, mir stellen sich im Zusammenhang mit Uber allerdings jede Menge fragen.

Als Taxenunternehmer in Hamburg muss ich etliche Voraussetzungen erfüllen, um überhaupt Personen befördern zu dürfen. Ich habe eine Ortskundeprüfung gemacht und muss alle fünf Jahre zum Gesundheitscheck. Ich habe bei der Handelskammer eine Prüfung zum Taxi- und Mietwagenunternehmer abgelegt, sowie eine Konzession bei der Stadt Hamburg beantragt. Ich muss regelmäßig Steuern bezahlen, jedes Jahr mein Taxameter eichen lassen und jedes Jahr mit meiner Taxi zum Tüv. Meine Taxi Kfz. Versicherung kostet zwei- bis dreimal soviel, wie eine x beliebige Pkw Versicherung. Ich habe sogar freiwillig ein Fiskaltaxameter einbauen lassen, um Einnahmen und gefahrene Kilometer jederzeit belegen zu können. Ich will genau wie viele andere Kollegen, dass das Taxigewerbe sein Schmuddel Image endgültig ablegt und Taxifahren als Beruf wie jeder andere anerkannt wird.

Und dann kommt eine Firma Namens Uber, ausgestattet mit mächtig Risikokapital von Google und Goldmann & Sachs, und meint irgendwelche Typen mit Pkw und Führerschein können dasselbe, was ein reguliertes Taxigewerbe leistet. Wenn ich den Mopo Artikel lese krieg ich natürlich einen dicken Hals. Haben die Uber Fahrer einen Personenbeförderungsschein? Haben sie einen Gewerbeschein? Führen sie von jeder Fahrt 19% Mehrwertsteuer ab? Machen sie eine Einkommenssteuererklärung? Oder meinen sie gar, die Einnahme wäre ein Taschengeld und wird am Fiskus vorbei einfach brutto für netto eingesteckt?

Mindestens genauso schlimm ist es aber, wenn sich Uber unverfrorene 26% Vermittlungsgebühr einatmet (Mytaxi weis ja was passiert, wenn man zu gierig wird) und die Fahrer meinen sie könnten dennoch Geld verdienen. Allein das Beispiel mit einem Fahrpreis von 24€ zeigt doch, was in etwa übrigbleibt. 6,24€ Provision für die Vermittlung, 4,56€ abzuführende Mehrwertsteuer, 4,80€ für 14 Kilometer Fahrstrecke und 2km (geschätzt) Anfahrt. Und ob ein C250cdi mit 0,30 € pro Kilometer zu bewegen ist darf bezweifelt werden. Mit Wertverlust kostet der Kilometer erheblich mehr. Aber auch so sind von 24€ Einnahme bereits 16€ futsch. Bleiben 8€ bei der großen Unbekannten wie lange auf einen Auftrag gewartet werden muss. Leute, das lohnt sich doch gar nicht.

Zuletzt rate ich Felix Horstmann sich zukünftig an den Artikeln im Taxi Magazin zu orientieren. Da wird erst vernünftig recherchiert und dann geschrieben. Und das machen Laien in ihrer Freizeit. Man könnte fast meinen du, lieber Felix, gehörst du Genration Praktikum.
Es grüßt C.L.

Nachtrag vom 28.06.2014 :
Behörde will Uber in Hamburg verbieten.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to LinkedIn Post to MySpace