III. Quartal 2021 – alles so wie früher?
Hier mal ein kurzer Abriss, was uns Taxifahrer in den letzten Monaten so bewegt hat.
Bis zum Ferienbeginn im Juni 21 haben wir uns in der Regel die Reifen eckig gestanden, lediglich für Betriebskosten gearbeitet, und von der Neustarthilfe I gelebt. Umso unverständlicher ist es, dass die IFB bereits jetzt dazu auffordert die Endabrechnung für die allererste Coronahilfe für das II. Quartal 2020 zu erstellen. Viele Betriebe werden damals zu viel Geld beantragt haben, weil unklar war, was genau unter förderfähigen Fixkosten zu verstehen ist. Gleichzeitig kann man einen Antrag auf Neustarthilfe Plus stellen, der das III Quartal 2021 mit einer Förderhöhe von maximal 4500€ abdeckt. Die anteiligen 1500€ für den Juli habe ich auf jeden Fall nicht gebraucht, dafür waren dann doch zu viele Reiserückkehrer und Touristen hier in HH unterwegs.
Unbedingt erwähnenswert ist der Umstand, dass die Wirtschaftshilfen bis zum 30. September bewilligt worden sind, exakt wenige Tage nach der Bundestagswahl ist Schluss mit staatlichen Hilfen. Einzig Kurzarbeitergeld wird weiter bewilligt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…
Die langsame Rückkehr zur Normalität (keiner weiß wie es im Winter aussehen wird?) bedeutet aber auch, dass es wieder viel mehr Individualverkehr gibt, die allseits verhassten Baumaßnahmen in der Sommerferienzeit, Stau, rote Welle, mobile Blitzer. Die Verkehrspolitik bleibt für uns Berufskraftfahrer (und natürlich auch alle anderen, die Auto fahren) ein ständiges Ärgernis und eine Zumutung. In Hamburg wird eindeutig Verkehrspolitik für Minderheiten gemacht und zusammen mit ständig steigenden Spritpreisen sehe ich hier durchaus ein Potenzial für Geldwestenproteste in der näheren Zukunft.
In diese Wochen kommen tausende von Urlaubern mit dem Flieger zurück nach Hamburg. Viele haben ihre Familien im Ausland besucht, weil das 2020 nicht möglich war. Dementsprechend sieht es am Hamburg Airport auch aus. Anstatt Geschäftsleute mit einem Ledermäppchen zum Termin zu fahren sieht man Menschen in Jogginganzügen und Unmengen von Gepäck. Das Reiserückkehrer die Corona Zahlen ansteigen lassen liegt auf der Hand, von umsichtigen Verhalten keine Spur.
Zuletzt scheint die Diskussion um die Elektromobilität ausschließlich medial geführt zu werden. Mich hat noch kein einziger Kunde angesprochen warum ich einen Mercedes Diesel fahre. Viel eher ist es sonnenklar, dass wir durch das Pandemiegeschehen finanziell auf dem Zahnfleisch gehen und die Anschaffung von High Tech Fahrzeugen aktuell überhaupt kein Thema sein kann. Die Moralkeule schwingen da wohl viel eher diejenigen, die sich einen Elektroroller mieten und denen es furzegal ist, dass dieses Stück Technik nach drei Monaten abgeschrieben ist und auf den Müll wandert. Als Detail an Rande der Hinweis, dass die Hersteller von Elektrofahrzeugen eine Garantie von 160tkm auf den Akku geben. Soll man tatsächlich zukünftig alle 3-4 Jahre sein Taxi ausmustern, anstatt es vernünftigerweise wenigstens 8 Jahre zu fahren? Es geht natürlich nicht um Nachhaltigkeit, sondern darum neue, teure und technisch nicht ausgereifte Produkte mit der Brechstange in den Markt zu drücken.
Die Tariferhöhung fällt in diesem Jahr erneut aus. Seit August 2016 fahren wir mit demselben Tarif, der wohl frühestens im Sommer 2022 erhöht wird. Auch ohne Corona darf man durch die festgelegten Tarife von einem Kaufkraftverlust in Höhe von 10% ausgehen. Auch hier bleibt alles wie gehabt. Service wie Bestellung und Kartenzahlung zahlen wir und der Kunde muss sich mit keinen Cent daran beteiligen, Kurztouren mit Fahrpreisen um die 6€ werfen keinen Gewinn ab und gelten weiterhin als Beschäftigungstherapie.
Soviel für heute, grüße C.L.