Vorgestern, am 20.12.2011 wurden drei ehemalige Vorstände von Hansa Funktaxi wegen schwerer Untreue zu Haftstrafen zwischen 14 und 30 Monaten verurteilt.
Seit einiger Zeit versucht ein Teil des Gewerbes sich vom Generalverdacht zu befreien, Umsätze zu verkürzen, Fahrer nicht korrekt anzumelden und insgesamt zu bescheißen, wo es nur geht. Man möchte raus aus der Schmuddelecke und als Gesprächspartner auf Augenhöhe von unserer Taxenbehörde, der Handelskammer und dem Finanzamt wahrgenommen werden.
Die Vorgänge bei Hansa Funktaxi bewirken natürlich das Gegenteil, alle Klischees des Taxengewerbes werden bestätigt. Da wird durch Scheinrechnungen Schwarzgeld generiert, was großzügig an Firmen und Hotels verteilt wird. Und das offenbar seit den 80`Jahren. Dabei wurde in der Vergangenheit keine Gelegenheit ausgelassen die Hansa Taxifahrer als Saubermänner darzustellen und den Mitbewerb als Schmuddelkinder. Und nun dieses peinliche Eigentor.
Die 420 Genossen scheint das nicht weiter zu stören. Mehrheitlich ist man der Ansicht, es handele sich um ein Kavaliersdelikt. Wie sonst ist es zu erklären, dass beim Hansafunk heute dieselben Leute Ämter bekleiden, die von jeher Posten in der Zentrale besetzen ?
Auf den letzten Generalversammlung haben die Genossen mehrheitlich beschlossen die Machenschaften zivilrechtlich nicht weiter zu verfolgen. Es haben ja auch alle Unternehmer und Fahrer von diesem System finanzielle Vorteile gehabt. Hotels, Restaurants und Firmen rufen 211 211 an und der Mitbewerb steht sich die Reifen eckig. Dass die „Motivationshilfe“ natürlich aus den Funkbeiträgen und Nachzahlungen der Kollegen abgezweigt wurde, scheint bei schlichten Gemütern noch nicht vollumfänglich angekommen zu sein.
Schlichte Gemüter dürfen zudem einmal darüber nachdenken, ob es Sinn macht Kunden zu kaufen, diese aber zu bestimmten Uhrzeiten nicht bedienen zu können. Und mit dieser Begründung 200 zusätzliche Teilnehmer aufzunehmen, die bei normalen Geschäft die Umsätze nach unten drücken.
Wäre es da nicht besser die Kunden, die eh nur dreimal im Jahr ein Taxi benötigen, an den Mitbewerb abzugeben und sich ausschließlich um die Kundschaft zu kümmern, die regelmäßig Taxi fährt ?
Ich selber war immer dann verstimmt, wenn ich am Taxistand vor einem Hotel auf Kunden gewartet habe und erst einmal einige Hansawagen bestellt wurden, bevor der Empfang auch uns gnädigerweise eine Fahrt zukommen lies. Das betrifft das Queens Hotel im Mexicoring, das Holiday Inn an den Elbbrücken, das Sofitel am Alten Wall, das East in der Simon von Utrecht Straße und das Marriot in der ABC Straße. Wurden dort Mitarbeiter und Geschäftsführer bestochen, was meine Standzeit erhöhte und meine Einnahme schmälerte ? Ein Mitarbeiter des Sofitel bestätigte mir bei einer Fahrt, die Jahre zurückliegt, dass die Geschäftsleitung Fahrcoupons vom Hansafunk bekommen hat, um kostenlos fahren zu können.
Und da ich ja nun auch nicht erst seit gestern Taxi fahre habe ich auch nicht vergessen, dass die Herren Gieselmann und Kruse maßgebliche Initiatoren dafür waren, den Wartezeitanteil im Hamburger Taxentarif im Jahr 2000 abzuschaffen. Ein Detail, was den tagfahrenden Kollegen seit nunmehr 11 Jahren jeden Tag Umsatz kostet, weil die Uhr im Stau nicht weitertickt.
Gruß C.L.
Bericht in der Hamburger Morgenpost
Kommentar im Taxi Magazin
Manchmal wünsche ich mir die Kunden mit einer richtig luxuriösen Limousine zu befördern. Fast alle Kollegen fahren Mercedes E-Klasse oder VW Touran von der Stange. Vierzylinder Dieselmotoren und ein paar Extras, das war es dann auch. Ein Bekannter hat vor einigen Jahren einen Limousinenservice eröffnet und wirklich schöne Fahrzeuge geleast. Und einer dieser Leasing Wagen wird jetzt im Januar 2012 abgegeben.
Es handelt sich um einen schwarzen Audi A8 mit einem Dreiliter Sechszylinder Triebwerk und Allradantrieb. 232 PS und 450Nm ab 1400u/min. fahren sich kraftvoll, kultiviert und völlig unaufgeregt. In vier Jahren wurde der Wagen gerade mal 60.000km Langstrecke gefahren und sieht aus wie aus dem Laden. Ausgestattet mit Leder creme, Wurzelholz matt, Soundsystem und Navigation, sowie Klimaanlage und Standheizung. Kosten soll das Fahrzeug gerade noch 30.000€ und hat damit schon über 50% Wertverlust eingefahren.
Eigentlich müsste ich den Wagen kaufen und damit die nächsten Jahre arbeiten. Mein Problem ist allerdings, dass ich rechnen kann und auch muss. Ich bin jetzt seit sieben Jahre Taxenunternehmer und habe zwar keine Verbindlichkeiten, leider aber auch keine Rücklagen. Wenn ein Geschäft am Monatsende mit +/-0 aufgeht, muss man über Investitionen nicht nachdenken. Meine Umsätze sind seit 2005 konstant, ich fahre ziemlich genau eine Tour pro Stunde, 35% meiner Fahren bringen unter 8€ Umsatz. So wird es irgendwann wohl wieder nur für eine gebrauchte E-Klasse reichen. Mit Vierzylinder Diesel und ein paar schnöden Extras.
Eigentlich schade für alle Beteiligten.
MfG C.L.

Nachtrag 21.02.2012 :
Die Kollegen sind wirklich mutig. Seit Tagen sehe ich in jeder Schicht einen neuen Mercedes E300Cdi. Als Graupe, als Hansi und sogar als Autorufer. Das Gerät hat einen Sechszylinder V Motor, 210PS, eine Siebengang Automatik und als Avantgarde eine üppige 245`Bereifung. Los geht der Spass ab 40.000€ netto und Dank Vollfinanzierung kann den Wagen wirklich jeder Kutscher mitnehmen. Wir werden sehen, wer bis zur letzten Rate durchhält. Das dürften harte 60 Monate werden…
Seit ich im Dezember 1995 Rammstein im Hamburger Logo gesehen habe, bin ich ein großer Fan dieser Band. Rammstein hat sich in den 90`Jahren ihre Fangemeinde durch zahllose Live Auftritte in der gesamten Republik erspielt. Damals ahnte wohl noch keiner wie groß eine Band werden kann, die musikalisch auf brachiale Härte setzt und textlich die Abgründe der menschlichen Psyche verarbeitet. Rammstein gehören für mich zu den ganz wenigen Bands, die atmosphärisch extrem überzeugend Keyboard Effekte einsetzen, und die mittlerweile duzende qualitativ hochwertiger Songs geschrieben und produziert haben.
Wenn im Zusammenhang mit Rammstein von einer Skandalband gesprochen wird, dann haben die Medien Rammstein diesen Stempel aufgedrückt. Die Indizierung der letzten CD „Liebe ist für alle da“ wegen angeblich gewaltverherrlichender Texte (Ich tue dir weh) ist albern, wenn man kommerziell erfolgreiche Steifen wie Hostel und Saw kennt. Auch der Text des Songs Wiener Blut ist keinesfalls ausgedacht, sondern eine Beschreibung der Realität, nämlich der ungeheuerlichen Vorgänge in Amstetten im Frühjahr 2009.
Nachdem ich schon 2009 Rammstein in der O2 World im Hamburg erleben durfte, hatte ich auch 2011 wieder das Glück dabei sein zu dürfen. Eine Kaufkarte hatte ich nicht, dafür war die Nachfrage nach der Show viel zu groß. Da hilft es ungemein, wenn man sein kleines Netzwerk vor Ort hat.
Kurz und gut, was Rammstein ihren Fans am 28.11.2011 in der O2 World geboten haben, gehört definitiv zum Besten, was ich jemals live erleben durfte. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um Flammenwerfer, Pyrotechnik und eine großartige Lichtshow. Rammstein punkteten mit einem genialen wuchtigen Sound, ihrer Spielfreude und dem Umstand, das sich Hit an Hit reichte. 105 Minuten lang war Party im Innenraum und die Fans sangen jeden Song mit. Sonne, Mutter, Asche zu Asche, Du riechst so gut, Bück dich, Sehnsucht, Du hast, Engel, Feuer frei, Mein Herz brennt, Mein Teil, Haifisch, Pussy, Keine Lust, Ohne dich, Amerika, Mann gegen Mann, Benzin.
Allerdings fiel mir unangenehm auf, dass von der 11500 Zuschauern wohl lange nicht jeder Rammstein Fan ist. Was Eppendorfer Tussis und graumelierte Herren aus Niendstedten in Wellenstein Jacke dort wollten kann ich nur vermuten. Sicher fand an diesem Abend die eine oder andere Weihnachtsfeier statt oder der Auftritt wurde als Geschäfttreffen genutzt.
Naja, so wie ich mir meine Kunden nicht aussuchen kann, kann auch Rammstein sich ihre Fans nicht aussuchen. Die Kehrseite des kommerziellen Erfolges ?
Gruß C.L.
Neue Single “Mein Land”
Ich tue dir weh
In den letzten Wochen habe ich einige aufschlussreiche Gespräche mit der verehrten Kundschaft führen können und war regelmäßig erstaunt, welches Verhältnis ein nicht so kleiner Teil unserer Fahrgäste zum Geld hat.
Hier einige Beispiele :
Eine Plauderei mit einem älteren Geschäftsmann über seine private Autosammlung. Der Mercedes SLS Cabrio ist bestellt, zwei BMW Z8 erzielen gute Wertzuwächse, der E350 Cdi der Gattin steht eigentlich nur rum. Allein diese vier Fahrzeuge haben einen Wert von fast 500.000€.
Zwei Geschäftspartner unterhalten sich im Fond meiner Droschke über den angedachten Kauf eines Segelbootes. 800.000€ für eine 26 Meter Jacht sind ja noch im Rahmen, aber laufende Kosten von 200.000€ im Jahr für Liegeplatz und Besatzung, sind für ein Hobby dann doch einen Tick zu teuer.
Auf dem Weg vom Flughafen nach Winterhude ordert ein Kunde für 15000€ ein Catering. Besonders wichtig dabei, dass der Parkettboden mit Teppich abgedeckt wird, damit das Personal diesen nicht verkratzt.
Gestern erzählte mir ein Kunde von seinem Einfamilienhaus in Alsterdorf. 240qm Wohnfläche und Blick auf den Alsterlauf dürfen es schon sein.
Und heute schließlich fahre ich einen Kunden, der mit seiner Familie von Wien nach Hamburg umziehen möchte. Zwei Erwachsene und zwei Kinder suchen eine Wohnung in Eppendorf mit 200qm Wohnfläche für ca. 3000€ Miete pro Monat.
Eine Stammkundin fährt mit mir von der Firma in der Hafencity zum Kindergarten nach Eimsbüttel und danach zum Hauptbahnhof. Mit Wartezeit sind wir 50 Minuten unterwegs und das Taxameter zeigt als Fahrpreis 23,90€. Sie meint dieser Fahrpreis wäre ja lächerlich für fast eine Stunde Arbeit und gibt mir 40€, weil sie das für angemessen hält.
Ich bekomme einen Mytaxi Auftrag im Neuen Steinweg. Dort wohnt der Kunde in einer sündhaft teuren Neubau Eigentumswohnung. Wir fahren in die Domstraße, die Fahrt kostet 5,40€. Wäre dieser Kunde gelaufen, hätte er 6,7,8,9,10€ für die Tour bezahlen müssen ?
Dieser Beitrag hat überhaupt nichts mit Neid zu tun, ich bin unbedingt der Ansicht, dass sich Fleiß und Qualifikation durch Erfolg und Einkommen auszahlen müssen. Unser taxifahrenden Kundschaft geht es finanziell prächtig. Trotz Globalisierung und so mancher Krise wird heute in der Wirtschaft mehr denn je verdient.
Ein Grund, für seit 15 Jahren !!! stagnierende Umsätze und Gewinne im Taxengewerbe sind eben Tarife, die vor allem bei Kurzstrecken schon lange keinen adäquaten Gewinn mehr abwerfen. So ist unsere Dienstleistung systematisch ins Niedriglohnsegment abgedriftet.
Der Hansa Slogan “Die umweltfreundliche Alternative ohne Aufpreis” auf den hauseigenen Umwelttaxen ist symptomatisch für die völlige Unfähigkeit des Gewerbes selbstbewußt Fahrpreise einzufordern, die für eine gute und solide Dienstleistung angemessen sind.
Gruß an alle C.L.
PS : Nachtrag vom 11.11.2011
Heute führt ein Kunde eine Gehaltsverhandlung mit einer Frau, die in seiner Firma anfangen soll. Am Handy sagt er : “Ich biete ihnen 90.000€ im Jahr plus mindestens 30.000€ Provision.” und weiter “…ja ich weiß, dass sie sich damit verschlechtern, aber…”







