Umfrageergebnisse zu aktuellen Taxithemen

On Januar 11, 2023, in Tagschicht, by C.L.

Schon öfter habe ich hier erwähnt, dass das Hamburger Taxigewerbe seit dem Beginn der Corona Pandemie relativ gut vernetzt ist. Es findet in unterschiedlichen Telegram Gruppen ein stetiger Informationsaustausch statt.

Dort werden auch immer wieder mal Umfragen gestartet, um zu diversen Themen ein Meinungsbild einzuholen. Darüber möchte ich heute kurz berichten.

Maskenpflicht im Taxi

Da in Schleswig Holstein bereits am 01. Dezember 2022 die Maskenpflicht im ÖPNV abgeschafft worden ist, wollte ich gerne wissen, wie die Kollegen zu einem Ende der Maskenpflicht im Taxi stehen. Im Ergebnis hätten 78% der Abstimmenden die Maskenpflicht sofort abgeschafft. Leider befinden sich die zuständigen Hamburger Entscheidungsträger im Dornröschenschlaf und drangsalieren uns weiterhin mit völlig überholten Bestimmungen. Wie soll man einem Flughafenkunden rational erklären, dass er im prallvollen Flieger keine Maske zu tragen braucht, aber in einem Hamburger Taxi? In einem Norderstedter Taxi braucht er ebenfalls keine Maske zu tragen. Die aktuelle Situation als grotesk zu bezeichnen ist da wirklich noch schmeichelhaft. Wollen wir mal hoffen, dass an der Maskenpflicht nicht tatsächlich noch bis mindestens 01.04.23 festgehalten wird, sondern das diese Pflicht am 01. Februar endgültig wegfällt.

Wirtschaftlichkeit eines Mehrwagenbetriebes

Die zweite Umfrage befasste sich mit der Wirtschaftlichkeit eines Mehrwagenbetriebes in Hamburg. Im Laufe des Jahres 2022 haben sich überwiegend Mehrfahrzeugbetriebe ein Elektrotaxi finanziert und müssen gleichzeitig seit dem 01.10.2022 mindestens einen Stundenlohn von 12€ brutto bezahlen. Dazu müssen Arbeitszeiten eingehalten werden, sowie Lohnfortzahlung bei Urlaub und Krankheit.

Lässt sich also so ein Betrieb gesetzeskonform betreiben?

Immerhin 59% der Abstimmenden bezweifeln das. Und auch ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie bei allseits bekannten, eher mageren Stundenumsätzen, ein Gewinn entstehen soll?

Tariferhöhung 2023

Dann ging es bereits wieder um eine nächste Tariferhöhung, um die Inflation und die deutlich gestiegenen Betriebskosten wenigstens im Ansatz kompensieren zu können.

Genau wie schon 2016 und 2021 ist die Abschaffung der Karenzminute die zentrale Forderung der Abstimmenden. 45% möchten, dass der Faktor Zeit im Fahrpreis endlich wieder berücksichtig wird. So wie bei allen über 300 Taxitarifen in Deutschland, außer in Berlin und Hamburg, wo die Verkehrssituation besonders bescheiden ist. Es kann es nicht sein, dass eine Fahrt vom Flughafen in die City immer 29€ kostet, egal, ob man dafür nun 25 Minuten, oder 55 Minuten unterwegs ist.

Dazu wäre eine Tariferhöhung um 10% angemessen. Zufrieden mit dem aktuellen Hamburger Taxitarif sind im Übrigen gerade einmal 15% der Kollegen.

Braucht Hamburg einen Verband für Einzelunternehmer?

Taxibetriebe mit lediglich einem Fahrzeug stellen die überwältige Mehrheit der Unternehmer in Hamburg, ihre Bedürfnisse werden aber in vielen taxispezifischen Belangen gänzlich ausgeklammert. Es gibt einen Mehrwagenunternehmerverband, einen Verband der vorrangig für eine Funkzentrale mit Monopolstellung spricht, und eventuell noch den einen oder anderen Mikro Verband mit etlichen Karteileichen.

Und leider spricht bei allen Fragen zum Thema Taxi scheinbar nie jemand darüber, wer denn das alles letztlich bezahlen soll? Als Gipfel der Abgehobenheit zuletzt die Meldung aus der Taxi Times Hamburg bräuchte 750 Elektrotaxen pro Jahr

https://www.taxi-times.com/750-hamburger-e-taxis-pro-jahr-liefern-liefern-liefern/

Ich sehe da gerade mal eine Person, die im Taxi Geld verdient und ansonsten nur Theoretiker, Funktionäre, Lobbisten und Beamte.

Immerhin 48% der Abstimmenden sagen, dass wir in Hamburg einen solchen Verband bräuchten. Allerdings sagen ebenfalls 36% das das sowieso nichts bringen wird. Ein ähnlicher Tenor auch in Postengesprächen, Resignation und Frust werden jedes Jahr größer bei den Kollegen.

Grüße C.L.

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Fünf Freunde

On Januar 3, 2023, in Tagschicht, by C.L.

Moin,

zum Jahresende habe ich mich mit vier weiteren langjährigen Taxikollegen zu einem Weihnachtsessen getroffen. Wir kennen uns bereits gut 20 Jahre und haben gemeinsam das Jahr 2022 Revue passieren lassen.

Der erste Kollege hat im November seine Konzession abgegeben und von der Taxifahrerei endgültig die Nase voll. Beim Hansafunk war er eigentlich nur noch Servicetaxi, hat Arztpraxen bedient und mickerige Fahrten abgegriffen. Seit Jahren steigen unsere Betriebskosten, ohne das dieser Umstand in den Taxitarifen angemessen berücksichtigt wird. Dazu hat ihn der Verkehr und die Baustellensituation genervt und zuletzt auch die Transformation mit der Brechstange hin zu Elektromobilität. Der ewige moralische Zeigefinger, einzig motiviert durch ideologisches Scheuklappendenken, ist ihm gehörig auf den Keks gegangen. Seit 1986 fährt er Taxi und hätte niemals gedacht, dass er bereits mit 63 Jahren die Segel streichen würde.

Der zweite Kollege überlegt, ob er sich 2023 von seinen Fahrern trennen muss, weil sie objektiv den Mindestlohn nicht einfahren. Um 12€ brutto bezahlen zu können, muss der Angestellte 35€ erwirtschaften, was höchstens dann und wann mal möglich ist. Daher waren wir auch sehr erstaunt, dass besonders Mehrwagenunternehmer in sündhaft teure ETaxen investieren. Das rechnet sich nicht.

Der dritte Kollege hat sich in Niedersachsen ein kleines Häuschen gekauft, renoviert gerade, und wird im Laufe des Jahres 2023 aufhören. Auch ihm reicht die Verkehrs- und Tarifpolitik der Stadt Hamburg. Und auch er ist noch keine 65 bzw. 67 Jahre alt. Genug ist eben genug.

Der vierte Kollege wird dem Gewerbe noch ein bisschen erhalten bleiben und hat bei Taxi Blankenese eine neue Heimat gefunden. Dort läuft das Geschäft und die Beziehung zu Kollegen und Kunden ist sehr eng. Das wäre theoretisch auch was für mich, wenn ich nicht ständig mittags nach Hause müsste, um meine Kinder zu bekochen und zu bespaßen.

Naja und ich selber bin auch ein weiteres Jahr nur mäßig begeistert von meiner Tätigkeit gewesen. Im Unterschied zu den Kollegen bin ich allerdings erst 51 Jahre alt, fahre aber bereits seit dem 21zigsten Lebensjahr Taxi. Erträglich ist das Taxifahren nur noch, wenn ich nach 6-8 Stunden nach Hause fahre. Schichten mit 10-12 Stunden, so wie vor der Pandemie, sind für mich aktuell unvorstellbar. Die viele kostbare Zeit, die man am Taxistand jedes Jahr wegwirft. In diesem Jahr zum Beispiel ständig am Flughafen, wenn die Etaxen meine Kunden wegfahren, weil sie vordrängeln dürfen und deswegen 90% der Verbrenner Kollegen wie die letzten Deppen noch länger warten müssen. 6000€ Umsatzausfall hat mich diese Regelung 2022 gekostet und wie es deswegen in mir brodelt ist kaum in Worte zu fassen.

Insgesamt gesehen sorgt also die Geringschätzung in Verbindung mit Daumenschrauben dafür, dass sich gestandene Profis aus dem Gewerbe verabschieden und das Feld blutigen Anfängern überlassen, die nicht einmal mehr eine Ortskundeprüfung ablegen müssen.

Ich wünsche den Jungs auf ihrem weiteren Lebensweg alles erdenklich Gute und wir werden natürlich trotzdem engen Kontakt halten.

Grüße C.L.

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Anzahl Taxikonzessionen in 2022 / 2023

On Januar 3, 2023, in Tagschicht, by C.L.

Hier nun eine stetig aktualisierte Liste der angemeldeten Taxen und Mietwagen in Hamburg für das Jahr 2022. Der Abwärtstrend scheint erstmal gestoppt. Knapp unter 2700 Taxen fahren in der Stadt, vor Corona waren es 3100.

01/2022
1871 Unternehmer mit 2684 Taxen
118 Unternehmer mit 377 Mietwagen
79 Taxen in Ruhe gelegt

117 Elektrotaxen in Hamburg unterwegs

02/2022
1870 Unternehmer mit 2684 Taxen
116 Unternehmer mit 377 Mietwagen
93 Taxen in Ruhe gelegt

136 Elektrotaxen in Hamburg unterwegs

03/2022
1865 Unternehmer mit 2673 Taxen
116 Unternehmer mit 384 Mietwagen
64 Taxen in Ruhe gelegt

145 Elektrotaxen

04/2022
1862 Unternehmer mit 2677 Taxen
116 Unternehmer mit 384 Mietwagen
69 Taxen in Ruhe gelegt

05/2022
1859 Unternehmer mit 2682 Taxen
115 Unternehmer mit 387 Mietwagen
56 Taxen in Ruhe gelegt

06/2022
1857 Unternehmer mit 2697 Taxen
117 Unternehmer mit 387 Mietwagen
53 Taxen in Ruhe gelegt

201 Elektrotaxen

09/2022
1852 Unternehmer mit 2719 Taxen
121 Unternehmer mit 398 Mietwagen
44 Taxen in Ruhe gelegt

228 Elektrotaxen

10/2022
1848 Unternehmer mit 2724 Taxen
121 Unternehmer mit 394 Mietwagen
35 Taxen in Ruhe gelegt

238 Etaxen

11/2022
1841 Unternehmer mit 2731 Taxen
121 Unternehmer mit 394 Mietwagen
31 Taxen in Ruhe gelegt

268 ETaxen

12/2022
1842 Unternehmer mit 2787 Taxen
121 Unternehmer mit 391 Mietwagen
41 Taxen in Ruhe gelegt

322 ETaxen

 

Moin,

heute ein Thema, was die Menschen viel eher umtreibt, als Taxi Geschichten zu lesen. Die Inflation und die Energiekrise.

Auch wenn man es in Hamburg aktuell kaum merkt, dass sich viele Menschen um ihre Ersparnisse Sorgen machen, so sprechen doch ein paar statistische Zahlen eine überdeutliche Sprache. Die Inflation betrug im Jahr 2022 8,6%, Lebensmittel verteuerten sich um 20%, Diesel um 40% und Gas um 100%. Somit dürfte der Kontostand beim überwiegenden Teil der Bevölkerung abgeschmolzen sein. Aktien und ETF`s  haben sich 2022 im Schnitt um mindestens 10% verbilligt. Tech Werte um 20%, Überflieger Titel wie Tesla um 65%.

2023 soll die Inflation bei 7,2% liegen und 2024 immer noch bei 4,1%. Insgesamt werden sich also die Preise um mindestens 20% erhöhen und jeder weiß, dass niemand innerhalb von 2-3 Jahren 20% mehr netto verdienen wird. Dazu wird prognostiziert, dass die Immobilienpreise um 10-15% sinken werden und Bauzinsen schon jetzt um die 4% liegen.

Im Jahr 2022 hatten 50% der Bevölkerung keine Sparquote. Vor Corona waren es lediglich 33%. Das birgt erheblichen sozialen Sprengstoff.

Die Nebenkosten für unser Haus am Stadtrand sind mittlerweile höher, als die Warmmiete, die wir vor acht Jahren für unsere Genossenschaftswohnung bezahlt haben. Preistreiber in 2022 natürlich Gas, ab 2023 kommen noch 30% höhere Strompreise dazu. Die Kostenexplosion ist eindeutig dem Handeln der aktuellen Regierung zuzuschreiben und den avisierten Gaspreisedeckel am März 2023 zahlen wir alle aus unseren Steuergeldern. Wohlstandsverluste werden also billigend in Kauf genommen, weil es natürlich nicht billig ist, wenn Gas auf 12 Cent pro kw/h gedeckelt wird und wir jahrelang Gas für 5 Cent bezogen haben.

Die Energiewende … kostet nicht mehr als eine Kugel Eis.

Die Modernisierung unserer Gasheizung stand schon länger auf meiner Todo Liste und Anfang 2022 sollte es dann endlich soweit sein. Das ewige Geschwafel von den umweltfreundlichen Wärmepumpen habe ich sofort zu den Akten gelegt, müsste ich doch erst unser Haus aus den 70`Jahren für Unsummen dämmen lassen. Und trotzdem noch für eine schnöde Luft Luft Wärmepumpe mindestens 150% mehr ausgeben, als für eine Brennwerttherme. Seit Juni 2022 werkelt nun also eine neue Gastherme im Keller, die mindestens 30% Gas pro Jahr einsparen soll. Diese Investition belohnt die Bundesregierung mit genau 0€ Förderung. Selbst den hydraulischen Abgleich mussten wir komplett selber bezahlen. Trotzdem hat diese Investition zwei Vorteile für uns. Zum einen entgehen wir der geplanten Auflage ab 2024 unsere Heizung bei Austausch mit 65% regenerativer Energie zu betreiben, was in der Praxis eine hochpreisige Hybrid Lösung erfordern würde, und zum zweiten haben wir einen Nachweis, dass uns bereits getätigte Modernisierungen von der Hamburger Auflage 15% Biogas verbrennen zu müssen, befreien.

Eine Wärmepumpe, wie gesagt für unser Objekt völlig ungeeignet, hätte unseren Geldbeutel mit 25.000€ Kosten belastet und da ist die Förderung des Bundes bereits abgezogen. Zudem sieht man ja eindeutig an der Entwicklung der Strompreise, wohin auch hier die Reise geht. Anfang 2022 konnte man ein BEV noch für 30 Cent/kw/h in Hamburg laden. Aktuell liegen die Preise zwischen 60 und 75 Cent/kw/h. Auch unser Hausstrom wird zum 01.02.2023 von 32 Cent auf 42 Cent erhöht, was immerhin auch einer Steigerung von 30% entspricht.

Wer erinnert sich da nicht gerne an Jürgen Trittins Spruch „Die Energiewende ist nicht teurer als eine Kugel aus“, getätigt im Jahr 2004. Vor diesem Hintergrund ist grundsätzlich ein gesundes Misstrauen angebracht, wenn Politiker über Dinge reden, die sich nicht bezahlen müssen, von denen sie keine Ahnung haben, bzw. die sie sich von ihren üppigen Diäten locker leisten können. Mehr denn je gilt es also selber zu denken und sich von unabhängiger Stelle beraten zu lassen.

Denn für mich ist das Unwort des Jahres 2022 nicht etwa Sondervermögen oder Klima Terroristen, sondern das Adjektiv „alternativlos“.

Grüße C.L.

Technik … die begeistert ?

On November 18, 2022, in Tagschicht, by C.L.

Bevor ich mich zum Jahresende noch einmal umfassend mit den Unbilden der Taxifahrerei beschäftigen werde, heute ein Beitrag über ein ebenfalls nur mäßig erfreuliches Thema, nämlich die nachlassende Zuverlässigkeit bei den gewerblich eingesetzten Verbrennungsmotoren.

Anlass dieses Beitrages war die Idee, im Sommer 2023 eine Mercedes E-Klasse mit Erdgas Antrieb von einem Kollegen zu kaufen. Der Wagen hatte ein wirklich gute Ausstattung und bereits bei 100tkm einen Austauschmotor vom Mercedes erhalten. Zudem ist es natürlich sensationell, wenn man im Jahr 2022 für 99Cent Erdgas tanken kann und somit Spritkosten von unter 10€ auf 100km hat. Leider hat sich diese Idee erledigt, weil der Wagen vor einigen Wochen erneut mit einem kapitalen Motorschaden ausgefallen ist. Der Kühlwasserbehälter war voller Motoröl, vermutlich ein Riss im Kopf / Block und somit ein Totalschaden. Zu dem Zeitpunkt war der Wagen 8 Jahre alt, hatte 335tkm auf dem Tacho und einen Neupreis von ehemals 45.000€ netto.

Ich kenne noch einen weiteren Taxi Kollegen, der mittlerweile privat seinen Erdgas Mercedes fährt. Dieser hatte bereits bei unter 200tkm einen Nockenwellenschaden, weil die Magnetverstellung nicht mehr richtig funktionierte. Ich erinnere mich, das damals 1600€ in einer freien Werkstatt zu zahlen waren, was natürlich auch keine Kleinigkeit ist.

Und noch ein Kollege kann bestätigen, dass der gute Ruf von Mercedes Benz Fahrzeugen nur noch auf dem Papier steht. Sein 2011 neu gekaufter E200cdi hatte bei 200tkm einen Motorschaden, weil der Öl-Wasser-Wärmetauscher undicht war. Auch dieses Fahrzeug mit einem ehemaligen Neupreis von 40.000€ netto konnte man danach quasi wegwerfen.

Selbst ein exotischer und noch teurerer W212 E300cdi Kombi musste bereits bei 220tkm die Segel streichen. Auch hier Motorschaden durch massiven Ölverlust. Das erwartet ja nun wirklich niemand bei drei Liter Hubraum und 231PS.

Des Weiteren kenne ich zwei Kollegen, denen an ihrem W213 (der aktuellen E-Klasse) bei 250tkm die Steuerkette gerissen ist. Meint Mercedes Benz ernsthaft mit dieser Laufleistung wäre des Lebensende eines ehemals 40.000€ teuren Fahrzeuges erreicht?

Nun könnte der werte Leser natürlich der Ansicht sein, das konsequenterweise ein Elektrofahrzeug die (natürlich alternativlose) Option sein müsste. Das wird sich erweisen…

Meinem Kollegen Manfred ist jüngst sein Tesla Modell 3 abgebrannt, 10 Monate alt und 30.000km gelaufen. Und bei Mobile.de ist ein ID4 Taxi aus Hamburg inseriert, der nach 15 Monaten schon verkauft werden soll.

Auch wenn es sich vermutlich um Einzelfälle handelt, die ich hier beschreibe, so sind diese Schäden doch für den Einzelnen eine finanzielle Katastrophe. Der Anspruch sein Taxi 8 Jahre lang mit 40tkm Laufleistung pro Jahr weitgehend störungsfrei bewegen zu wollen, kann doch in der heutigen Zeit nicht unerfüllbar sein? Geht aber wohl an der Strategie der Hersteller vorbei, wo es um sharing, leasing und Dienstleistung geht und eben nicht mehr um Qualität und Langlebigkeit.

Ich kann auf jeden Fall behaupten, dass ich es extrem nachhaltig finde, meinen Mercedes Diesel nun bereits seit 2014 im Einsatz zu haben.

Grüße C.L.

 

Moin,

2022 ist bis Dato ein leider wirklich turbulentes Jahr. Die Kosten in allen Lebensbereichen sind massiv gestiegen und drohen bereits kurzfristig für einen Teil der Bevölkerung existenzbedrohend zu werden. Noch ist davon vergleichsweise wenig zu sehen, in den Sommerurlaub ist auf jeden Fall wohl jeder Bundesbürger, nach zwei Jahren Corona Verzicht, gereist.

Bereits am Flughafen war zu sehen, dass schlecht bezahlte Gepäckschubser einen Jobwechsel vollzogen haben und für dort gezahlte Taschengelder nicht mehr zur Verfügung stehen. Ähnliches erlebt man auch in der Hamburger Gastronomie. Dort werden händeringend Mitarbeiter gesucht und so mancher Mittagstisch fällt zumindest tagesweise aus.

Rechnet man mit einem spitzen Bleistift, so erhärtet sich der Verdacht, dass zumindest ein Single keine Motivation mehr hat, im Niedriglohnsegment einer Tätigkeit nachzugehen. Weil von einem Netto Einkommen zwischen 1200 und 1600€ nichts mehr übrig bleibt. Schlimmer noch, dass unverhältnismäßig gestiegene Kosten für Energie und Lebensmittel für einen Konsumverzicht sorgen, obwohl man Vollzeit arbeitet. Da würde auch ich mich am liebsten in die Grundsicherung begeben und müsste mich nicht mehr täglich darüber ärgern, dass mittlerweile jeder Euro der reinkommt bereits verplant ist.

Zum Glück haben wir ein Familieneinkommen und trotzdem ärgert es mich, dass sich Strom um 10% verteuert hat, Diesel um 35% und Gas mit der aktuell beschlossenen Umlage um 100%. Unsere mühsam angesparten Rücklagen waren jedenfalls nicht dafür gedacht Gaskonzerne mit gut fünf Milliarden Euro zu unterstützen, dass sollte viel eher unsere inkompetente Regierung aus Steuermitteln erledigen. Inkompetent, weil sie erst großspurig Gaslieferungen aus moralischen Gründen (und natürlich auch für den Klimaschutz) boykottiert und sich erst danach Gedanken darüber macht, was das für eine der größten Industrienationen der Welt an Konsequenzen nach sich ziehen könnte? Fünf Milliarden sind doch Peanuts im Vergleich zu beispielsweise dem angedachten Sonderetat über einhundert Milliarden Euro für die Bundeswehr. Oder im Vergleich zu ca. dreihundertfünfzig Milliarden Euro an Corona Hilfen u.a. für die Lufthansa, Mercedes Benz und VW.

Und obwohl wir uns in einer Solidargemeinschaft befinden, verhagelt es einem Erwerbstätigen deutlich die Stimmung, dass Millionen von Mitbürgern keinen Cent für die Solidarität mit der Ukraine zahlen müssen, weil sie eben keiner Tätigkeit nachgehen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Regierung bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt bleibt und ich warte nur auf einen Aufruf zur Energiedemo vor dem Hamburger Rathaus. Ich möchte mich auch gerne mal wo festkleben, aber aus den richtigen Beweggründen.

Ich habe fertig C.L.

PS : Ich hätte Redakteur werden sollen, denn diese Woche erschien ein Artikel mit durchaus ähnlichen Tenor in der Welt. https://www.welt.de/wirtschaft/plus242003965/Bis-zu-80-Prozent-an-den-Staat-Fuer-wen-Arbeiten-nicht-mehr-lohnt.html. Wer Plus Mitglied ist, sollte besonders auf die, wie immer, lesenwerten Kommentare achten. Volkes Stimme wieder einmal erbost ;-)

 

Bullerbü ist abgebrannt

On Oktober 24, 2022, in Tagschicht, by C.L.

Hallo liebe Leser,

am 18.07.2022 bin ich genau dieses Tesla Taxi Probe gefahren. Ich kenne Manfred noch aus meiner Zeit beim Hansafunk, daher war es kein Problem, mit dem Wagen ne Stunde auf Testfahrt zu gehen. Ich bin schockiert, dass so ein teures Auto nach bereits 10 Monaten Nutzung und 30.000km auf dem Tacho ein Totalschaden ist und wünsche Manfred schnelle und unbürokratische Hilfe. Zum Glück waren keine Kunden an Bord und auch der Driver blieb unverletzt.

https://www.bild.de/regional/hamburg/hamburg-aktuell/e-droschke-fackelt-nieder-tiefe-trauer-um-mannis-tesla-81718020.bild.html

Ich muss mich an dieser Stelle wirklich zusammenreissen die allseits bekannten Gängeler nicht beim Namen zu nennen, die uns am liebsten zur Nutzung derart fragwürdiger Fahrzeuge verpflichten würden. Was gebe das womöglich für eine Schlagzeile: Hamburg verbietet Dieseltaxen und vier Wochen später verbrennen Taxifahrer und Kunden in einem BEV.

 

Taxi Notstand in Hamburg – echt jetzt ?

On Oktober 15, 2022, in Tagschicht, by C.L.

Heute berichtete die Hamburger Morgenpost über einen Taxi Notstand in der Hansestadt. Der recht knapp gehaltene Artikel liest sich allerdings eher wie ein Hansataxi Werbeflyer, anstatt eine objektive Berichterstattung abzuliefern.

Kommen wir also zügig zu den Fakten:

Die Woche hat 168 Stunden und in vielleicht 10% dieser Stunden übersteigt die Nachfrage nach Taxen das Angebot. Bedeutet im Umkehrschluss, genau wie auch bereits vor der Corona Pandemie herrscht 150 Stunden in der Woche ein Fahrgastmangel für die Taxifahrer.

Ich gestehe gerne zu, dass es im September mit der Taxiverfügbarkeit mäßig war, hatten wir doch zwei große internationale Messen, die uns wirklich gut beschäftigt haben. Andererseits bin ich sehr sicher, dass es im 1. Quartal 2023 quasi nichts zu tun geben wird, weil jedes Jahr relativ schleppend wieder anläuft. Ansonsten kann man gerne mal den Begriff „Stagflation“ googlen und durchdenken, was das (nicht nur) für das Taxigewerbe bedeuten könnte.

Die Pandemie, aber auch die Verkehrspolitik, immer neue Regeln, Kosten und Auflagen haben dafür gesorgt, dass sich etliche Taxi Urgesteine entnervt aus dem Gewerbe verabschiedet haben. In meinem engeren Taxi Freundeskreis hat diese Woche jemand endgültig die Konzession zurückgegeben, ein weiterer will im Mai 2023 aufhören. Ein dritter Kollege arbeitet nur noch 3-4 Tage in der Woche und auch ich selber habe keine Motivation mehr, bei derartig miesen Rahmenbedingungen 10-12 Stunden im Taxi zu sitzen. Allein die Baustellensituation an allen Ecken und Enden der Stadt ist eine Zumutung. Und es ist ernüchternd, was vom Umsatz am Jahresende als Nettoertrag wirklich übrig bleibt.

Der Mindestlohn ist zum 01.10.22 auf 12 Euro/Stunde gestiegen und zusätzlich haben die Mehrwagenbetriebe deutlich höhere Kosten, vor allem durch einen Dieselpreis, der satte 40% höher liegt, als noch 2021. Fraglich also, ob sich Fahrpersonal überhaupt noch rechnet und gesetzeskonform entlohnt werden kann?

Auch der starre und praxisfremde Taxitarif spielt eine Rolle bei der Bedienfähigkeit. In der Rush Hour mit Dauerstau wird die Innenstadt von vielen Kollegen gemieden, weil der Fahrpreis ausschließlich nach Strecke berechnet wird und den Zeitfaktor völlig ausklammert. Auch morgens um 5Uhr und am Wochenende nach Mitternacht gibt es nicht die Möglichkeit vom Kunden einen Mehrpreis zu verlangen. Wo ist da also die Motivation sich die Nacht um die Ohren zu hauen und angesoffenes Volk zu kutschieren? Meine Nachtschichten liegen bereits zwanzig Jahre zurück und ich kann mir lebhaft vorstellen, wie sich heute im Taxi aufgeführt wird.

Als kleinen Seitenhieb in Richtung der Stadt Hamburg kann ich mir natürlich auch nicht verkneifen auf Moia hinzuweisen. Die VW Tochter wird ja in Hamburg ständig hofiert und hat gerade ihre Konzession um weitere zwei Jahre verlängert bekommen. Sollen die doch die vielen Kunden wegfahren, wenn wir das angeblich nicht schaffen. Vielleicht sind dann die tiefroten Bilanzen zukünftig nur noch hellrot.

Zu diesem Thema gäbe es noch viel mehr zu sagen, aber damit will ich es zum Ende dieser Woche gut sein lassen.

Grüße C.L.

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