MOPO Artikel zum Umbau der Sierichstraße

Eigentlich arbeite ich hart an mir, mich so wenig wie möglich aufzuregen. Aber die Hamburger Verkehrspolitik ist einfach ein chronisches Ärgernis, kaum noch zu ertragen. Während ein G20 Gipfel einmal im Leben die Stadt für drei Tage lähmt, zermürben Stau, Baustellen und Sperrungen tausende von Autofahrern jeden verdammten Tag im Jahr.

Seit mittlerweile fünfzehn Jahren pilotiere ich tagsüber mein Taxi über Hamburgs Straßen und so eine banale Sache, wie einen Kunden von A nach B zu chauffieren, wird immer mühseliger. Der Klassiker ist eine Fahrt morgens vom Hamburger Flughafen in die Innenstadt. Die Sengelmannstraße ist voll, die Tarpenbekstraße natürlich auch, also ist die Sierichstraße eine dankbare Alternative, um wenigstens einigermaßen zügig ins Zentrum zu kommen. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, die Sierichstraße, mit ihrer Verkehrsführung nach Uhrzeit, ist das einzig vernünftige Verkehrskonzept, was diese Stadt zu bieten hat. Und genau das soll sich zukünfitg ändern, damit es eine Minderheit, nämlich die Fahrradfahrer, etwas bequemer hat.

Im Hamburger Verkehrsalltag ist die Chronologie von Pleiten, Pech und Pannen einfach nur traurig und unserer Stadt nicht würdig. Fakt ist nun einmal, dass auf einhundert Autofahrer gerade mal ein Radfahrer kommt. Fakt ist auch, das tausende Berufspendler mit dem Pkw zur Arbeit fahren müssen, weil das Wohnen in Hamburg nicht mehr bezahlbar ist.

Ich erinnere mich an die ewige Bauerei Vorsetzen / Baumwall. Erst wird die U-Bahn saniert, dann die Niederbaumbrücke, nun die Elbpromenade und der Verkehr steht, steht, steht.
Den Umbau des Siemersplatzes, wo sich nun rechts eingeodnet werden muss, um links abbiegen zu dürfen. Ein Schildbürgerstreich?
Die Verengung der Bebelallee für Radwege, obwohl dort ein dreizig Meter breiter Grünstreifen brachliegt.
Der Rückbau der Eimbsbütteler Chaussee, mit nicht ganz zwei Fahrstreifen für die PKW`s.
Die Überdeckelung der A7, mit fünf Jahren Bauzeit und Dauerstau eine verkehrs- und umweltpolitische Katastrophe.
Der Klosterstern und der Eppendorfer Baum werden seit Monaten umgebaut und auch hier soll die Fahrbahn verkleinert werden, damit die Randgruppe Radfahrer mehr Platz hat.
Diese Woche ist die BAB Auffahrt Bahrenfeld gesperrt, daher orientieren sie die Autofahrer Richtung BAB Auffahrt Othmarschen. Dumm nur, das in der Beringstraße nur eine Fahrspur zur Verfügung steht und im Baustellenbereich niemand arbeitet. Ist das politisches Kallkühl und böser Wille, oder einfach nur Beamtendummheit?
Auch stauentlastende Kreisverkehre suche ich in Hamburg vergebens. Stattdessen wurde sogar der Horner Kreisel mit Ampeln bestückt.
Statt grüner Weller wird der Verkehr seit Jahren künstlich eingebremst. Im Schnitt schaffe ich tagsüber gerade mal 23km/h im Zentrum direkt 17km/h.

Besonders perfide ist der Umstand, das Stau natürlich die Umweltbelastung in Form von Feinststaub und NoX erhöht. Meine Felgen sind nach 300-400km Stadtverkehr schwarz. Der Verbrauch meines Mercedes Diesel ist stark abhängig vom Verkehrsfluß. Auf der Landstraße und BAB brauche ich 6-7 Liter, in Hamburg mindestens 8,7 Liter, in der Regel knapp 10 Liter und im Stau mit laufender Klimaanlage 12 Liter. Ist doch logisch, wenn ich alle fünfhundert Meter wieder vor einer roten Ampel stehe und danach 1,6 Tonnen in Bewegung setzen muss. Oder im Stop and Go durch die Gegend zuckele.

Die NoX Belastung um 15% zu reduzieren dürfte bei Maßnahmen, die den Verkehrsfluß erhöhen, überhaupt kein Problem sein. Zurzeit kann man fast den Eindruck gewinnen, was auf Hamburgs Straßen passiert ist nicht nur zermürbend, sondern auch grob fahrlässig.

Dieser Sachverhalt sollte dem Petitionsauschuss des Hamburger Senats vorgelegt werden. Zudem wäre es vollstellbar, in Bezug auf die Drangsalierung der Autofahrer eines Volksentscheid vorzubereiten und zuletzt bin ich überzeugt davon, eine Autofahrerpartei würde vielleicht nicht aus dem Stand 19,5% holen, so wie einst R.B. Schill, aber zumindest die 5% Hürde locker nehmen.

Bis morgen im Stau ;-(
C.L.

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