Ich habe wirklich lange mit mir gerungen, ob ich überhaupt noch bloggen soll? Denn die Erkenntnis, dass sich sowieso nichts im Sinne der Kleingewerbetreibenden ändern wird, ist unumstößlich. Warum sich also weiter an Gewerbethemen und Verkehrspolitik reiben, dass führt höchstens zu einem Magengeschwür.

  1. Der Taxiverband – innere Kündigung statt Aufbruchstimmung

Eigentlich wollte ich 2025 zusammen mit einigen engagierten Kollegen den alteingesessenen Verband LPVG neu beleben und mich dafür einsetzen, Behörde und Politik aufzuzeigen, wo die Rahmenbedingungen dringend nachjustiert werden müssten. Als Beispiele die Pflicht zur Anschaffung teurer und technisch fragwürdiger Elektrotaxen, die fehlende Ortskunde bei vielen jungen Kollegen, oder der aktuelle Taxitarif, der objektiv einfach zu teuer ist. Und zuletzt Moia, subventionierte Konkurrenz eines Großkonzerns, der ungehemmt und mit Zustimmung der Stadt in unserem Segment wildern darf und besonders am späten Abend reichlich Fahrten abgreift, die eigentlich Taxifahrten sein müssten. Und gleichzeitig bei einem Wintereinbruch den Betrieb mal eben einstellt und die Kunden im Schnee stehen lässt, während wir Taxifahrer Material und Gesundheit riskieren, damit die Menschen in Hamburg mobil bleiben.

Ich habe mich stattdessen dazu entschieden meine Mitgliedschaft im LPVG zum Jahresende 2025 zu kündigen. Ich hatte wirklich große Hoffnungen, dass der Vorstand dort strukturiert arbeiten würde und wir es gemeinsam schaffen können eine Menge Einwagenunternehmer ins Boot zu holen. Leider hat sich diesbezüglich in den letzten 12 Monaten nichts getan. Die Arbeit müsste auf viel mehr Schultern verteilt werden, dazu gibt es aber keine Bereitschaft aus dem Gewerbe. Die Kollegen sind ja nicht einmal bereit monatlich 10€ Beitrag zu zahlen. Lieber wurstelt jeder vor sich hin und fährt weiter ins Verderben. So ist es natürlich ein Leichtes für die zuständige Behörde die Interessen von 80% der Taxenunternehmer in Hamburg zu ignorieren. Denn wer sich nicht organisieren kann, wird vor vollendete Tatsachen gestellt. Basta.

  1. Die BVM – 80% Einwagenunternehmer, aber das Wort hat FreeNow

Ich war im August bei einer Veranstaltung der Taxenbehörde (BVM) und habe ziemlich ernüchternd festgestellt, wessen Wünsche dort umgesetzt werden. FreeNow als Ansprechpartner und Deutschlands Nummer 1 in Sachen Plattformvermittlung ist der Stichwortgeber. 2026 gibt es Tarifkorridore und einen Algorithmus für Fahrpreise. Es ist keine Rede mehr davon, dass Taxentarife verbindliche Größen für den Kunden sind. 20 Jahre lang war in Stein gemeißelt, dass der Kunde Planungssicherheit wünscht. Nun dürfen FreeNow und Uber mit unseren Tarifen rumspielen und wir sind die ausführenden „Subunternehmer“. Hier werden die Interessen des Großkapitals gegen die Interessen der zahllosen Einwagenunternehmer in Hamburg gegeneinander ausgespielt und das ist verdammt noch mal nicht in Ordnung.

Auch das Projekt Zukunftstaxi mit der Pflicht zur Anschaffung eines „lokal emissionsfreien“ Fahrzeugs wird unbeirrt fortgesetzt. Bereits im November gab es ein weiteres Treffen zu dem Thema bei Vattenfall in der Hafencity. Erneut sollen wir Kunden werden. Kunden von Vattenfall, wo wir Strom kaufen sollen und natürlich auch Kunden von VW, bei denen wir Fahrzeuge finanzieren sollen. So leid es mir tut, es drängt sich ein Vergleich zur Kaffeefahrt mit Heizdeckenverkauf auf und ich lehne eine solche Einmischung bei der Fahrzeugwahl entschieden ab. Damit stehe ich aber allein auf weiter Flur. Trotz einer Geschäftslage, die im Jahresverlauf oft mager gewesen ist, finanzieren die Unternehmer ETaxen und arbeiten ggf. noch mehr Stunden um über die Runden zu kommen.

  1. Devotes Abnicken, anstatt Rechte einzufordern.

Viele Kollegen und Unternehmer arrangieren sich mit dem Ist-Zustand, anstatt mit der Faust auf den Tisch zu hauen. Erst fährt man für FreeNow und moniert, dass dort mittlerweile 14% Gebühren pro Fahrt fällig sind, dann fährt man für Uber, die notgedrungen mit Taxiunternehmen zusammen arbeiten, weil sie in Hamburg keine Mietwagen auf die Straße gestellt bekommen. In der Regel hängen zwei Smartphones im Auto (samt Kabelsalat in der Mittelkonsole) und man fährt was man eben abkriegt. Damit man aber überhaupt nennenswert Touren abbekommt braucht man ein ETaxi, weil eben dieses priorisiert vermittelt wird. Letztlich hat man also mehr Umsatz, mehr Kosten und etwas mehr Netto in der Tasche. Sobald autonom fahrende Taxiflotten in Europa erlaubt werden bekommt man zur Belohnung einen Arschtritt und hat vorher jahrelang Daten gesammelt, um ein automatisiertes Geschäft für VW / Tesla / FreeNow und Uber mit zu entwickeln.

Eine Perspektive als freier Unternehmer die nächsten Jahre Geld zu verdienen sehe ich da kaum noch. Frei bedeutet in diesem Fall, dass man auch ohne Funkanbindung und ohne App. Vermittler in der Lage sein sollte nennenswerte Umsätze und Gewinne zu generieren.

Grüße C.L.

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