Hier ein Schriftstück vom Hamburger Mehrwagenunternehmer Verband an Bürgermeister Tschentscher.

2023-02-21-Schnellladesäulen-Bürgermeister

Kollegiale Grüße C.L.

 
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Moin liebe Leser,

gestern war ich bei Mercedes Benz in der Kollaustraße und dort standen tasächlich zehn Toyota Mirai Taxen, die kurzfristig in Hamburg eingesetzt werden sollen.
Bereits im Oktober 2021 habe ich eine Probefahrt in diesem Wasserstofffahrzeug machen dürfen und war recht angetan vom Interiour und der Technik. Wasserstoff kann nämlich innerhalb weniger Minuten getankt werden, man braucht keinen schadstoffhaltigen Akku, und die Reichweite liegt immer bei 500km plus X. Leider waren damals die Konditionen für mich als kleinen Krauter wirtschaftlich nicht darstellbar. 1095€ netto sollte die monatliche Rate sein, Zinssatz 2,99%

Da die Fahrzeuge mit einem Kennzeichenhalter von S+K bestückt waren, habe ich auf deren Webseite auch gleich die entsprechenden Konditionen gefunden.

Dieses Angebot darf nun jeder für sich ganz individuell bewerten. Offiziell ist es eh schon Ende Januar ausgelaufen. Allein die Fixkosten für zwei Jahre Nutzung belaufen sich auf 26.000€ und dabei ist die Taxi noch keinen Meter gerollt. Im Vergleich dazu mal ein schnöder VW Touran Diesel, der vor kurzem noch für 25.000€ netto zu finanzieren war und den man dann einfach 7-8 Jahre gefahren hat.

Selbst wenn man die aktuelle Förderung des Bundes für ein emissionsarmes Leasing Fahrzeug von 1500€, sowie die Förderung der Stadt in Höhe von 5000€ (ob man diese aktuell bekommt ist nicht sicher, weil die Förderungen eigentlich ausgeschöpft sind) einrechnet, so darf durchaus festgestellt werden, dass die Energiewende natürlich teuer werden wird.

Trotzdem geht der Trend in Hamburg tatsächlich wieder in Richtung Mehrwagenbetriebe. Im Laufe des Jahres 2022 sind gut einhundert neue Taxen auf die Straße gekommen, gleichzeitig gibt es aber achtundreizig Unternehmer weniger. Die Mehrwagenbetriebe haben offenbar kaum Proleme irgendwelches Fahrpersonal auf die Fahrzeuge zu setzen, weil man keine Ortskundeprüfung mehr ablegen muss. Zudem sind Anstand und Moral im Gewerbe fast gänzlich erschwunden, weil man sich mit Free Now und Uber völlig unkritisch disruptiven Plattformvermittlern anschließt. Jeder sollte doch noch wissen, das der Ex CEO von Uber vor einigen Jahren alle Taxifahrer als „Arschlöcher“ tituliert hat und Uber lieber heute als morgen Robotertaxis zum Kunden schicken möchte.

Im Unkehrschluss ist es dann auch völlig klar, dass gestandene Unternehmer natürlich nicht mit Free Now und Uber zusammen arbeiten und daher auch einen Preis in Form einer Mindereinnahme hinnehmen müssen. Und genau deshalb keinen Gedanken daran verschwenden sich einen neuen und ggf. auch umweltfreundlicheren Wagen anzuschaffen.

Grüße C.L.

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Umfrageergebnisse zu aktuellen Taxithemen

On Januar 11, 2023, in Tagschicht, Von C.L.

Schon öfter habe ich hier erwähnt, dass das Hamburger Taxigewerbe seit dem Beginn der Corona Pandemie relativ gut vernetzt ist. Es findet in unterschiedlichen Telegram Gruppen ein stetiger Informationsaustausch statt.

Dort werden auch immer wieder mal Umfragen gestartet, um zu diversen Themen ein Meinungsbild einzuholen. Darüber möchte ich heute kurz berichten.

Maskenpflicht im Taxi

Da in Schleswig Holstein bereits am 01. Dezember 2022 die Maskenpflicht im ÖPNV abgeschafft worden ist, wollte ich gerne wissen, wie die Kollegen zu einem Ende der Maskenpflicht im Taxi stehen. Im Ergebnis hätten 78% der Abstimmenden die Maskenpflicht sofort abgeschafft. Leider befinden sich die zuständigen Hamburger Entscheidungsträger im Dornröschenschlaf und drangsalieren uns weiterhin mit völlig überholten Bestimmungen. Wie soll man einem Flughafenkunden rational erklären, dass er im prallvollen Flieger keine Maske zu tragen braucht, aber in einem Hamburger Taxi? In einem Norderstedter Taxi braucht er ebenfalls keine Maske zu tragen. Die aktuelle Situation als grotesk zu bezeichnen ist da wirklich noch schmeichelhaft. Wollen wir mal hoffen, dass an der Maskenpflicht nicht tatsächlich noch bis mindestens 01.04.23 festgehalten wird, sondern das diese Pflicht am 01. Februar endgültig wegfällt.

Wirtschaftlichkeit eines Mehrwagenbetriebes

Die zweite Umfrage befasste sich mit der Wirtschaftlichkeit eines Mehrwagenbetriebes in Hamburg. Im Laufe des Jahres 2022 haben sich überwiegend Mehrfahrzeugbetriebe ein Elektrotaxi finanziert und müssen gleichzeitig seit dem 01.10.2022 mindestens einen Stundenlohn von 12€ brutto bezahlen. Dazu müssen Arbeitszeiten eingehalten werden, sowie Lohnfortzahlung bei Urlaub und Krankheit.

Lässt sich also so ein Betrieb gesetzeskonform betreiben?

Immerhin 59% der Abstimmenden bezweifeln das. Und auch ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie bei allseits bekannten, eher mageren Stundenumsätzen, ein Gewinn entstehen soll?

Tariferhöhung 2023

Dann ging es bereits wieder um eine nächste Tariferhöhung, um die Inflation und die deutlich gestiegenen Betriebskosten wenigstens im Ansatz kompensieren zu können.

Genau wie schon 2016 und 2021 ist die Abschaffung der Karenzminute die zentrale Forderung der Abstimmenden. 45% möchten, dass der Faktor Zeit im Fahrpreis endlich wieder berücksichtig wird. So wie bei allen über 300 Taxitarifen in Deutschland, außer in Berlin und Hamburg, wo die Verkehrssituation besonders bescheiden ist. Es kann es nicht sein, dass eine Fahrt vom Flughafen in die City immer 29€ kostet, egal, ob man dafür nun 25 Minuten, oder 55 Minuten unterwegs ist.

Dazu wäre eine Tariferhöhung um 10% angemessen. Zufrieden mit dem aktuellen Hamburger Taxitarif sind im Übrigen gerade einmal 15% der Kollegen.

Braucht Hamburg einen Verband für Einzelunternehmer?

Taxibetriebe mit lediglich einem Fahrzeug stellen die überwältige Mehrheit der Unternehmer in Hamburg, ihre Bedürfnisse werden aber in vielen taxispezifischen Belangen gänzlich ausgeklammert. Es gibt einen Mehrwagenunternehmerverband, einen Verband der vorrangig für eine Funkzentrale mit Monopolstellung spricht, und eventuell noch den einen oder anderen Mikro Verband mit etlichen Karteileichen.

Und leider spricht bei allen Fragen zum Thema Taxi scheinbar nie jemand darüber, wer denn das alles letztlich bezahlen soll? Als Gipfel der Abgehobenheit zuletzt die Meldung aus der Taxi Times Hamburg bräuchte 750 Elektrotaxen pro Jahr

https://www.taxi-times.com/750-hamburger-e-taxis-pro-jahr-liefern-liefern-liefern/

Ich sehe da gerade mal eine Person, die im Taxi Geld verdient und ansonsten nur Theoretiker, Funktionäre, Lobbisten und Beamte.

Immerhin 48% der Abstimmenden sagen, dass wir in Hamburg einen solchen Verband bräuchten. Allerdings sagen ebenfalls 36% das das sowieso nichts bringen wird. Ein ähnlicher Tenor auch in Postengesprächen, Resignation und Frust werden jedes Jahr größer bei den Kollegen.

Grüße C.L.

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Fünf Freunde

On Januar 3, 2023, in Tagschicht, Von C.L.

Moin,

zum Jahresende habe ich mich mit vier weiteren langjährigen Taxikollegen zu einem Weihnachtsessen getroffen. Wir kennen uns bereits gut 20 Jahre und haben gemeinsam das Jahr 2022 Revue passieren lassen.

Der erste Kollege hat im November seine Konzession abgegeben und von der Taxifahrerei endgültig die Nase voll. Beim Hansafunk war er eigentlich nur noch Servicetaxi, hat Arztpraxen bedient und mickerige Fahrten abgegriffen. Seit Jahren steigen unsere Betriebskosten, ohne das dieser Umstand in den Taxitarifen angemessen berücksichtigt wird. Dazu hat ihn der Verkehr und die Baustellensituation genervt und zuletzt auch die Transformation mit der Brechstange hin zu Elektromobilität. Der ewige moralische Zeigefinger, einzig motiviert durch ideologisches Scheuklappendenken, ist ihm gehörig auf den Keks gegangen. Seit 1986 fährt er Taxi und hätte niemals gedacht, dass er bereits mit 63 Jahren die Segel streichen würde.

Der zweite Kollege überlegt, ob er sich 2023 von seinen Fahrern trennen muss, weil sie objektiv den Mindestlohn nicht einfahren. Um 12€ brutto bezahlen zu können, muss der Angestellte 35€ erwirtschaften, was höchstens dann und wann mal möglich ist. Daher waren wir auch sehr erstaunt, dass besonders Mehrwagenunternehmer in sündhaft teure ETaxen investieren. Das rechnet sich nicht.

Der dritte Kollege hat sich in Niedersachsen ein kleines Häuschen gekauft, renoviert gerade, und wird im Laufe des Jahres 2023 aufhören. Auch ihm reicht die Verkehrs- und Tarifpolitik der Stadt Hamburg. Und auch er ist noch keine 65 bzw. 67 Jahre alt. Genug ist eben genug.

Der vierte Kollege wird dem Gewerbe noch ein bisschen erhalten bleiben und hat bei Taxi Blankenese eine neue Heimat gefunden. Dort läuft das Geschäft und die Beziehung zu Kollegen und Kunden ist sehr eng. Das wäre theoretisch auch was für mich, wenn ich nicht ständig mittags nach Hause müsste, um meine Kinder zu bekochen und zu bespaßen.

Naja und ich selber bin auch ein weiteres Jahr nur mäßig begeistert von meiner Tätigkeit gewesen. Im Unterschied zu den Kollegen bin ich allerdings erst 51 Jahre alt, fahre aber bereits seit dem 21zigsten Lebensjahr Taxi. Erträglich ist das Taxifahren nur noch, wenn ich nach 6-8 Stunden nach Hause fahre. Schichten mit 10-12 Stunden, so wie vor der Pandemie, sind für mich aktuell unvorstellbar. Die viele kostbare Zeit, die man am Taxistand jedes Jahr wegwirft. In diesem Jahr zum Beispiel ständig am Flughafen, wenn die Etaxen meine Kunden wegfahren, weil sie vordrängeln dürfen und deswegen 90% der Verbrenner Kollegen wie die letzten Deppen noch länger warten müssen. 6000€ Umsatzausfall hat mich diese Regelung 2022 gekostet und wie es deswegen in mir brodelt ist kaum in Worte zu fassen.

Insgesamt gesehen sorgt also die Geringschätzung in Verbindung mit Daumenschrauben dafür, dass sich gestandene Profis aus dem Gewerbe verabschieden und das Feld blutigen Anfängern überlassen, die nicht einmal mehr eine Ortskundeprüfung ablegen müssen.

Ich wünsche den Jungs auf ihrem weiteren Lebensweg alles erdenklich Gute und wir werden natürlich trotzdem engen Kontakt halten.

Grüße C.L.

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Moin,

heute ein Thema, was die Menschen viel eher umtreibt, als Taxi Geschichten zu lesen. Die Inflation und die Energiekrise.

Auch wenn man es in Hamburg aktuell kaum merkt, dass sich viele Menschen um ihre Ersparnisse Sorgen machen, so sprechen doch ein paar statistische Zahlen eine überdeutliche Sprache. Die Inflation betrug im Jahr 2022 8,6%, Lebensmittel verteuerten sich um 20%, Diesel um 40% und Gas um 100%. Somit dürfte der Kontostand beim überwiegenden Teil der Bevölkerung abgeschmolzen sein. Aktien und ETF`s  haben sich 2022 im Schnitt um mindestens 10% verbilligt. Tech Werte um 20%, Überflieger Titel wie Tesla um 65%.

2023 soll die Inflation bei 7,2% liegen und 2024 immer noch bei 4,1%. Insgesamt werden sich also die Preise um mindestens 20% erhöhen und jeder weiß, dass niemand innerhalb von 2-3 Jahren 20% mehr netto verdienen wird. Dazu wird prognostiziert, dass die Immobilienpreise um 10-15% sinken werden und Bauzinsen schon jetzt um die 4% liegen.

Im Jahr 2022 hatten 50% der Bevölkerung keine Sparquote. Vor Corona waren es lediglich 33%. Das birgt erheblichen sozialen Sprengstoff.

Die Nebenkosten für unser Haus am Stadtrand sind mittlerweile höher, als die Warmmiete, die wir vor acht Jahren für unsere Genossenschaftswohnung bezahlt haben. Preistreiber in 2022 natürlich Gas, ab 2023 kommen noch 30% höhere Strompreise dazu. Die Kostenexplosion ist eindeutig dem Handeln der aktuellen Regierung zuzuschreiben und den avisierten Gaspreisedeckel am März 2023 zahlen wir alle aus unseren Steuergeldern. Wohlstandsverluste werden also billigend in Kauf genommen, weil es natürlich nicht billig ist, wenn Gas auf 12 Cent pro kw/h gedeckelt wird und wir jahrelang Gas für 5 Cent bezogen haben.

Die Energiewende … kostet nicht mehr als eine Kugel Eis.

Die Modernisierung unserer Gasheizung stand schon länger auf meiner Todo Liste und Anfang 2022 sollte es dann endlich soweit sein. Das ewige Geschwafel von den umweltfreundlichen Wärmepumpen habe ich sofort zu den Akten gelegt, müsste ich doch erst unser Haus aus den 70`Jahren für Unsummen dämmen lassen. Und trotzdem noch für eine schnöde Luft Luft Wärmepumpe mindestens 150% mehr ausgeben, als für eine Brennwerttherme. Seit Juni 2022 werkelt nun also eine neue Gastherme im Keller, die mindestens 30% Gas pro Jahr einsparen soll. Diese Investition belohnt die Bundesregierung mit genau 0€ Förderung. Selbst den hydraulischen Abgleich mussten wir komplett selber bezahlen. Trotzdem hat diese Investition zwei Vorteile für uns. Zum einen entgehen wir der geplanten Auflage ab 2024 unsere Heizung bei Austausch mit 65% regenerativer Energie zu betreiben, was in der Praxis eine hochpreisige Hybrid Lösung erfordern würde, und zum zweiten haben wir einen Nachweis, dass uns bereits getätigte Modernisierungen von der Hamburger Auflage 15% Biogas verbrennen zu müssen, befreien.

Eine Wärmepumpe, wie gesagt für unser Objekt völlig ungeeignet, hätte unseren Geldbeutel mit 25.000€ Kosten belastet und da ist die Förderung des Bundes bereits abgezogen. Zudem sieht man ja eindeutig an der Entwicklung der Strompreise, wohin auch hier die Reise geht. Anfang 2022 konnte man ein BEV noch für 30 Cent/kw/h in Hamburg laden. Aktuell liegen die Preise zwischen 60 und 75 Cent/kw/h. Auch unser Hausstrom wird zum 01.02.2023 von 32 Cent auf 42 Cent erhöht, was immerhin auch einer Steigerung von 30% entspricht.

Wer erinnert sich da nicht gerne an Jürgen Trittins Spruch „Die Energiewende ist nicht teurer als eine Kugel aus“, getätigt im Jahr 2004. Vor diesem Hintergrund ist grundsätzlich ein gesundes Misstrauen angebracht, wenn Politiker über Dinge reden, die sich nicht bezahlen müssen, von denen sie keine Ahnung haben, bzw. die sie sich von ihren üppigen Diäten locker leisten können. Mehr denn je gilt es also selber zu denken und sich von unabhängiger Stelle beraten zu lassen.

Denn für mich ist das Unwort des Jahres 2022 nicht etwa Sondervermögen oder Klima Terroristen, sondern das Adjektiv „alternativlos“.

Grüße C.L.