Taxi Hamburg

Rückblick 2019 – Ausblick 2020

On Januar 12, 2020, in Tagschicht, by C.L.

Mein Rückblick auf das vergangene Jahr im Taxi fällt ähnlich launisch aus, wie in den Jahren zuvor. Tagsüber war das Geschäft eigentlich nur in den Messewochen gut, ansonsten mäßig. Lediglich zwei Touren über 100€ hatte ich im gesamten Jahr 2019.

Unsere quersubventionierte Konkurrenz, seit dem zweiten Quartal Moia und seit dem dritten Quartal Uber und Free Now Ride, haben mich im Vergleich zu 2018 5% Umsatz gekostet. Kollegen aus der Nachtschicht berichten durchaus von 10%. Ein befreundeter Kollege musste gar 20% weniger Einnahme im Dezember hinnehmen.  

Mittlerweile fährt Moia mit über 350 Fahrzeugen, Uber hat 100 Fahrzeuge und die Ride Mietwagenflotte geschätzte 60 Fahrzeuge. Das OVG hat im Spätsommer 2019 entschieden, dass Umsatzausfälle durch Moia hinzunehmen sind, und genau das ist eingetreten und wird sich 2020 sicherlich weiter verschärfen.

In Hamburg hat der Kunde mindestens ein Dutzend Möglichkeiten mobil zu sein und immer ist eine Taxifahrt die teuerste Option. Wobei teuer eben sehr relativ ist. Ich habe gerade meinen Jahresabschluss gemacht und eine Umsatzrendite von 58% erwirtschaftet. Nach Abzug von Krankenkasse, Altersvorsorge und Steuern verbleiben mir 40% meiner Einnahme als Netto Einkommen.

Wir müssen „so teuer“ sein, weil wir ja auch jede Menge Krempel zu bezahlen haben. Zudem haben wir keine Sponsoren in Form von börsennotierten Großkonzernen.

Moia, Uber und Free Now haben in der Vergangenheit lediglich gezeigt, wie man Millionen, im Fall Uber sogar Milliarden, verbrennt. Solche Geschäftsmodelle verdienen keinen Innovationspreis und sollten von der Presse viel kritischer begleitet werden. Guter Journalismus ist jedenfalls nicht, wenn man Passagen aus Hochglanzprospekten einfach übernimmt.

Auch abseits der Taxifahrerei empfand ich 2019 als durchwachsen. Dabei ist es fast  eine Randnotiz, dass die Hamburger Verkehrspolitik wieder einmal 0 Punkte erhält. Wer gleichzeitig über Monate die Sierichstrasse und den Borgweg sperrt hat das Thema verfehlt.

Was mich richtig genervt hat war ein Schwarz-Weis Denken, was alle gesellschaftlichen Themen erfasst hat. Oder anders gesagt: Die Kapitulation der schweigenden Mehrheit vor der schreienden Meinungsdiktatur!

Grüße C.L.

 

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