Technik … die begeistert ?
Bevor ich mich zum Jahresende noch einmal umfassend mit den Unbilden der Taxifahrerei beschäftigen werde, heute ein Beitrag über ein ebenfalls nur mäßig erfreuliches Thema, nämlich die nachlassende Zuverlässigkeit bei den gewerblich eingesetzten Verbrennungsmotoren.
Anlass dieses Beitrages war die Idee, im Sommer 2023 eine Mercedes E-Klasse mit Erdgas Antrieb von einem Kollegen zu kaufen. Der Wagen hatte ein wirklich gute Ausstattung und bereits bei 100tkm einen Austauschmotor vom Mercedes erhalten. Zudem ist es natürlich sensationell, wenn man im Jahr 2022 für 99Cent Erdgas tanken kann und somit Spritkosten von unter 10€ auf 100km hat. Leider hat sich diese Idee erledigt, weil der Wagen vor einigen Wochen erneut mit einem kapitalen Motorschaden ausgefallen ist. Der Kühlwasserbehälter war voller Motoröl, vermutlich ein Riss im Kopf / Block und somit ein Totalschaden. Zu dem Zeitpunkt war der Wagen 8 Jahre alt, hatte 335tkm auf dem Tacho und einen Neupreis von ehemals 45.000€ netto.
Ich kenne noch einen weiteren Taxi Kollegen, der mittlerweile privat seinen Erdgas Mercedes fährt. Dieser hatte bereits bei unter 200tkm einen Nockenwellenschaden, weil die Magnetverstellung nicht mehr richtig funktionierte. Ich erinnere mich, das damals 1600€ in einer freien Werkstatt zu zahlen waren, was natürlich auch keine Kleinigkeit ist.
Und noch ein Kollege kann bestätigen, dass der gute Ruf von Mercedes Benz Fahrzeugen nur noch auf dem Papier steht. Sein 2011 neu gekaufter E200cdi hatte bei 200tkm einen Motorschaden, weil der Öl-Wasser-Wärmetauscher undicht war. Auch dieses Fahrzeug mit einem ehemaligen Neupreis von 40.000€ netto konnte man danach quasi wegwerfen.
Selbst ein exotischer und noch teurerer W212 E300cdi Kombi musste bereits bei 220tkm die Segel streichen. Auch hier Motorschaden durch massiven Ölverlust. Das erwartet ja nun wirklich niemand bei drei Liter Hubraum und 231PS.
Des Weiteren kenne ich zwei Kollegen, denen an ihrem W213 (der aktuellen E-Klasse) bei 250tkm die Steuerkette gerissen ist. Meint Mercedes Benz ernsthaft mit dieser Laufleistung wäre des Lebensende eines ehemals 40.000€ teuren Fahrzeuges erreicht?
Nun könnte der werte Leser natürlich der Ansicht sein, das konsequenterweise ein Elektrofahrzeug die (natürlich alternativlose) Option sein müsste. Das wird sich erweisen…
Meinem Kollegen Manfred ist jüngst sein Tesla Modell 3 abgebrannt, 10 Monate alt und 30.000km gelaufen. Und bei Mobile.de ist ein ID4 Taxi aus Hamburg inseriert, der nach 15 Monaten schon verkauft werden soll.
Auch wenn es sich vermutlich um Einzelfälle handelt, die ich hier beschreibe, so sind diese Schäden doch für den Einzelnen eine finanzielle Katastrophe. Der Anspruch sein Taxi 8 Jahre lang mit 40tkm Laufleistung pro Jahr weitgehend störungsfrei bewegen zu wollen, kann doch in der heutigen Zeit nicht unerfüllbar sein? Geht aber wohl an der Strategie der Hersteller vorbei, wo es um sharing, leasing und Dienstleistung geht und eben nicht mehr um Qualität und Langlebigkeit.
Ich kann auf jeden Fall behaupten, dass ich es extrem nachhaltig finde, meinen Mercedes Diesel nun bereits seit 2014 im Einsatz zu haben.
Grüße C.L.
Warum sich Arbeit in diesen Zeiten nicht mehr lohnt
Moin,
2022 ist bis Dato ein leider wirklich turbulentes Jahr. Die Kosten in allen Lebensbereichen sind massiv gestiegen und drohen bereits kurzfristig für einen Teil der Bevölkerung existenzbedrohend zu werden. Noch ist davon vergleichsweise wenig zu sehen, in den Sommerurlaub ist auf jeden Fall wohl jeder Bundesbürger, nach zwei Jahren Corona Verzicht, gereist.
Bereits am Flughafen war zu sehen, dass schlecht bezahlte Gepäckschubser einen Jobwechsel vollzogen haben und für dort gezahlte Taschengelder nicht mehr zur Verfügung stehen. Ähnliches erlebt man auch in der Hamburger Gastronomie. Dort werden händeringend Mitarbeiter gesucht und so mancher Mittagstisch fällt zumindest tagesweise aus.
Rechnet man mit einem spitzen Bleistift, so erhärtet sich der Verdacht, dass zumindest ein Single keine Motivation mehr hat, im Niedriglohnsegment einer Tätigkeit nachzugehen. Weil von einem Netto Einkommen zwischen 1200 und 1600€ nichts mehr übrig bleibt. Schlimmer noch, dass unverhältnismäßig gestiegene Kosten für Energie und Lebensmittel für einen Konsumverzicht sorgen, obwohl man Vollzeit arbeitet. Da würde auch ich mich am liebsten in die Grundsicherung begeben und müsste mich nicht mehr täglich darüber ärgern, dass mittlerweile jeder Euro der reinkommt bereits verplant ist.
Zum Glück haben wir ein Familieneinkommen und trotzdem ärgert es mich, dass sich Strom um 10% verteuert hat, Diesel um 35% und Gas mit der aktuell beschlossenen Umlage um 100%. Unsere mühsam angesparten Rücklagen waren jedenfalls nicht dafür gedacht Gaskonzerne mit gut fünf Milliarden Euro zu unterstützen, dass sollte viel eher unsere inkompetente Regierung aus Steuermitteln erledigen. Inkompetent, weil sie erst großspurig Gaslieferungen aus moralischen Gründen (und natürlich auch für den Klimaschutz) boykottiert und sich erst danach Gedanken darüber macht, was das für eine der größten Industrienationen der Welt an Konsequenzen nach sich ziehen könnte? Fünf Milliarden sind doch Peanuts im Vergleich zu beispielsweise dem angedachten Sonderetat über einhundert Milliarden Euro für die Bundeswehr. Oder im Vergleich zu ca. dreihundertfünfzig Milliarden Euro an Corona Hilfen u.a. für die Lufthansa, Mercedes Benz und VW.
Und obwohl wir uns in einer Solidargemeinschaft befinden, verhagelt es einem Erwerbstätigen deutlich die Stimmung, dass Millionen von Mitbürgern keinen Cent für die Solidarität mit der Ukraine zahlen müssen, weil sie eben keiner Tätigkeit nachgehen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Regierung bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt bleibt und ich warte nur auf einen Aufruf zur Energiedemo vor dem Hamburger Rathaus. Ich möchte mich auch gerne mal wo festkleben, aber aus den richtigen Beweggründen.
Ich habe fertig C.L.
PS : Ich hätte Redakteur werden sollen, denn diese Woche erschien ein Artikel mit durchaus ähnlichen Tenor in der Welt. https://www.welt.de/wirtschaft/plus242003965/Bis-zu-80-Prozent-an-den-Staat-Fuer-wen-Arbeiten-nicht-mehr-lohnt.html. Wer Plus Mitglied ist, sollte besonders auf die, wie immer, lesenwerten Kommentare achten. Volkes Stimme wieder einmal erbost ;-)