Ich fahre als Taxi eine Mercedes-Benz E-Klasse mit bivalentem Antrieb. Der Motor fährt primär mit komprimiertem Erdgas und schaltet auf Benzin um, sobald die Tanks leer sind. Es handelt sich nicht etwa um eine Nachrüstlösung, die unter dem Begriff Autogas bekannt ist, sondern um eine Werkslösung. Vom W212 wurden mit diesem Antrieb von 2009-2015 ganze 1000 Exemplare verkauft und zwar weltweit. Kein Wunder also, dass sich mit der Technik niemand auskennt. Umso mehr verwundert es, dass in Zeiten, wo Klimaschutz Dauerthema ist, der Betrieb von Fahrzeugen mit Bio CNG kein Thema mehr ist. Dabei ist es unstrittig, dass es Fahrzeuge mit CNG Antrieb in Sachen Emissionen problemlos mit Elektrofahrzeugen aufnehmen können. Mehr dazu hier :

Aber zurück zu den Tücken der Technik:

Bereits beim Vorbesitzer musste die Druckregeleinheit nach lediglich 120tkm Laufleistung wegen einem Defekt erneuert werden. Und seit Oktober 2025 konnte auch ich nicht mehr mit Erdgas fahren, sondern musste das teurere E10 tanken. Und zwar insgesamt fast ein halbes Jahr lang, weil die Fehlersuche extrem kompliziert war.

  1. Akt:

Eine erste Reparatur in der Mercedes Niederlassung (10/25) schlug leider fehl, da der Wagen danach lediglich 1500km auf Erdgas fuhr und seinen Dienst dann erneut mit derselben Fehlermeldung verweigerte. Es wurde eine Fehlfunktion des Niederdrucksensors in der Rail diagnostiziert. Der ermittelte Gasdruck war zu hoch.

  1. Akt:

Ein zweiter Reparaturversuch Anfang Dezember wurde nach 1,5 Tagen abgebrochen, weil der Fehler auf die Schnelle nicht zu finden war.

  1. Akt

Im neuen Jahr war ich dann insgesamt dreimal in einer Werkstatt, die viel Erfahrung im Sachen Autogas hat und ein bisschen Know-How bei CNG.

Erst wurde ein Stecker gefunden, der nicht richtig arretiert werden konnte. Beim zweiten Termin war dann der Stecker falsch von MB geliefert worden. In dem Zuge wurde die Druckregeleinheit ausgebaut, zerlegt, gereinigt und wieder zusammen gebaut. Beim dritten Treffen dann alles wieder montiert mit dem Ergebnis: Keine Änderung, Betrieb auf Erdgas nicht möglich.

Bis dahin bin ich aber bereits sechs Mal jeweils 80km zur Werkstatt gefahren und habe dort halbe Tage im Büro auf meinem Smartphone rumgedaddelt.

  1. Akt:

Erneut habe ich einen Termin bei Mercedes-Benz direkt gemacht und wie bereits vermutet stellte sich heraus, dass die Druckregeleinheit defekt war. Fehler in diesem Fall Regeleinheit arbeitet nicht richtig, Druck im Niederdruckbereich zu hoch.

Die Druckregeleinheit wird bei Ventrex in Graz hergestellt und kostet aktuell 1650€ brutto. Das schmerzt und mir ist völlig unklar, warum das Bauteil nach lediglich 180tkm Laufleistung schon wieder kaputt ist. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass ich bereits vor dem Defekt mehrfach versucht habe mit der Firma Ventrex Kontakt aufzunehmen, um zu klären, ob diese mir ggf. ein Bauteil direkt verkaufen würden? Schließlich bin ich ja Gewerbetreibender. Keine Reaktion – ergo Kackbude !!!

Gekostet hat der Spaß bis dato fast 3000€ netto und jede Menge Zeit, Nerven und Recherchen im Internet. Hätten wir in Hamburg nicht die Pflicht bei Taxiwechsel einen Vollelektro Plastikbomber anschaffen zu müssen, wäre ich längst wieder mit einem gebrauchten Diesel unterwegs. Aber der linksgrüne Zeitgeist verbietet die Neukonzessionierung von Verbrennertaxen und feiert gleichzeitig immer neue Rekorde bei den Anlandungen am Kreuzfahrtterminal in Steinwerder.

  1. Akt:

Damit ist die Geschichte aber leider nicht zu Ende, weil nach 2 Schichten der Fehler wieder aufgetreten ist und ich auf Benzin nach Hause fahren musste. Mitte März ging der Wagen also nun zum vierten Mal in die Niederlassung, damit der Fehler hoffentlich endgültig beseitigt wird. Ich bekam ohne Diskussionen ein Leihtaxi, damit ich Geld verdienen konnte und habe deutlich gesagt, ich möchte den Erdgas Patienten keinesfalls wieder bekommen um dann erneut nur ein paar 100km störungsfrei fahren zu können.

Es stellte sich heraus, dass der Tankstutzen für CNG undicht war und dort Erdgas austreten konnte. Der Stutzen wurde auf Gewährleistung erneuert und mir wurde für diese eigentlich vierstellige Reparatur nichts in Rechnung gestellt. Ich habe ja schon vorher genug abgedrückt, ohne wirklich sicher sein zu können, ob die vorigen Reparaturen überhaupt nötig gewesen sind?

Einen technischen Zusammenhang für Gasdruckprobleme im Niederdruckbereich verursacht durch einen undichten Stutzen auf der Hochdruckseite erschließt sich mir erst einmal nicht. Aber egal, Hauptsache der Benz läuft jetzt wieder störungsfrei.

Fazit:

  • Im Jahr 2025 kann ich wirklich niemanden raten sich noch ein gebrauchtes CNG Fahrzeug zuzulegen. Es mangelt nicht nur an kompetenten Werkstätten, sondern auch an der Tankstelleninfrastruktur. Da sticht dann auch das Argument der Klimafreundlichkeit nicht mehr.
  • Ich habe zwar jetzt viel Geld investiert, dafür bin ich für die nächsten 100tkm gut gerüstet. Denn die nun getauschten Komponenten, werden so schnell nicht wieder kaputt gehen. Fraglich ist zudem, ob es die Ersatzteile in wenigen Jahren überhaupt noch geben wird?
  • Aktuell spare ich im Vergleich zu einem Diesel pro Schicht 10€ an Treibstoffkosten. Das ist natürlich nur eine Momentaufnahme, aber niemand kann wissen wann und ob es den Liter Diesel wieder für 1,70€ geben wird. Bio-CNG als Treibstoff wurde jedenfalls mit Kriegsbeginn nicht teurer, weil es aus heimscher Produktion stammt.

Dieser Beitrag auch als Beispiel dafür warum Taxifahren „ja so teuer ist.“ Denn auch beim Diesel ist immer mit Reparaturkosten in vierstelliger Höhe zu rechnen. Sei es die Steuerkette, sei es das Ad-Blue System, Injektoren etc. Das alles hat der Elektrobomber nicht, dafür eben einen horrenden Wertverlust.

Grüße C.L.

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