Taxi Demo am 20.02.2020 in Hamburg – Free Now Down
Wie nicht anders zu erwarten werden wir auch im Jahr 2020 demonstrieren müssen, damit unsere Interessen nicht gänzlich unter die Räder kommen.
Den Taxifahrern ist der neue Mitbewerb zurecht ein Dorn in Auge. Dort wird Mobilität zu preisen angeboten, die klar im Bereich des Dumpings anzusiedeln sind. Großkonzerne wie Mercedes Benz versuchen fast schon verzweifelt neue Geschäftsfelder zu erschließen, weil sie befürchten zukünftig mit dem Verkauf von Pkw´s immer weniger Geld zu verdienen.
Daher wurde 2019 aus Mytaxi Free Now und seitdem versucht Free Now Taxikunden mittels Rabattaktionen für ihre Mitwagenflotte zu begeistern. Das Geschäftsmodell nennt sich Ride, der Fahrpreis liegt bei ca. 70% des Taxipreises und die Gebühren für die Vermittlung betragen fast schon sittenwidrige 25% vom Fahrpreis.
Selbstverständlich ist das Taxigewerbe empört darüber, wie sich Free Now uns gegenüber verhält. Schlimmer als Uber urteilte da schon mancher Kollege.
Immerhin fast zehn Jahre hat Mytaxi zusammen mit uns Taxifahrern in vielen Großtstädten Kunden aquiriert und befördert. Der Kunde hat die Zuverlässigkeit und Möglichkeit zur unkomplizierten bargeldlosen Zahlung sehr zu schätzen gelernt. Im Sommer 2019 dann der Bruch. Die Mietwagenflotte Ride wurde eingeführt. Zu von Free Now festgelegten Fahrpreisen und Gebühren. Besonders dreist ist die Tatsache, dass diese Dienstleistung direkt auf der Free Now App. angeboten und beworden wird. Das sieht dann so aus:
Der Kunde will ein Taxi bestellen und bekommt ungefragt die preiswerte Option Ride angeboten.
Ride fährt in diesem Fall 25% günstiger als Taxi.
Das Taxi kostet nicht etwa zwischen 28 und 34€, sondern ziemlich exakt 28,80€.
Das Taxi zählt 7% Provision = 2,02€.
Ride zahlt 25% Provision = 5,47€.
Es leid es mir auch tut, derartig asoziale Geschäftspraktiken können nur zur Folge haben, dass man die Zusammenarbeit mit Free Now sofort einstellt.
Nachfolgend sehen wir einen Screenshot von einem Free Now Ride Fahrer. Immerhin hat er es geschafft vom 01. bis 23.12. 3630€ Umsatz zu fahren.
Darauf muss er 25% Vermittlungsgebühr zahlen = 907€
und 19% Mwst. = 690€.
Bleiben noch 2033€ übrig.
Bei angesetzen Kosten von wenigstens 0,30 Cent/km für das Fahrzeug bleibt noch ein Tausender übrig.
nach Abszug weitere Kosten wie Krankenkasse, Steuern, Altersorge, BG, Mobilfunk etc. dürfte sein Netto Einkommen im Bereich von Hartz 4 liegen.
Da nutzt es auch wenig, wenn Free Now am Anfang eine Umsatzgarantie verspricht.
Wie sehr das Image von Mytaxi / Free Now gelitten hat zeigt folgendes Bewertungsportal: https://de.trustpilot.com/review/mytaxi.de
Gegeb diese Wettbewerbsverzerrung werden wir am 20.02.2020 demonstrieren. In diesem Zuge werden auch in Hamburg Unternehmer ihre Verträge mit Free Now kündigen.
Dem Kunden sei folgendes mit auf den Weg gegeben: Wenn das Taxigewerbe platt gemacht worden ist, sind Großkonzerne Monopolisten, die die Fahrpreise dikieren werden. Diese träumen langfristig von Robotertaxen und wollen mit Mobilität abseits des PKW Verkaufs Geld verdienen.
Grüße C.L.
Bald nur noch E Taxen in Hamburg?
Japan fördert Wasserstoff Taxis mit bis zu 28.000€
Rückblick 2019 – Ausblick 2020
Mein Rückblick auf das vergangene Jahr im Taxi fällt ähnlich launisch aus, wie in den Jahren zuvor. Tagsüber war das Geschäft eigentlich nur in den Messewochen gut, ansonsten mäßig. Lediglich zwei Touren über 100€ hatte ich im gesamten Jahr 2019.
Unsere quersubventionierte Konkurrenz, seit dem zweiten Quartal Moia und seit dem dritten Quartal Uber und Free Now Ride, haben mich im Vergleich zu 2018 5% Umsatz gekostet. Kollegen aus der Nachtschicht berichten durchaus von 10%. Ein befreundeter Kollege musste gar 20% weniger Einnahme im Dezember hinnehmen.
Mittlerweile fährt Moia mit über 350 Fahrzeugen, Uber hat 100 Fahrzeuge und die Ride Mietwagenflotte geschätzte 60 Fahrzeuge. Das OVG hat im Spätsommer 2019 entschieden, dass Umsatzausfälle durch Moia hinzunehmen sind, und genau das ist eingetreten und wird sich 2020 sicherlich weiter verschärfen.
In Hamburg hat der Kunde mindestens ein Dutzend Möglichkeiten mobil zu sein und immer ist eine Taxifahrt die teuerste Option. Wobei teuer eben sehr relativ ist. Ich habe gerade meinen Jahresabschluss gemacht und eine Umsatzrendite von 58% erwirtschaftet. Nach Abzug von Krankenkasse, Altersvorsorge und Steuern verbleiben mir 40% meiner Einnahme als Netto Einkommen.
Wir müssen „so teuer“ sein, weil wir ja auch jede Menge Krempel zu bezahlen haben. Zudem haben wir keine Sponsoren in Form von börsennotierten Großkonzernen.
Moia, Uber und Free Now haben in der Vergangenheit lediglich gezeigt, wie man Millionen, im Fall Uber sogar Milliarden, verbrennt. Solche Geschäftsmodelle verdienen keinen Innovationspreis und sollten von der Presse viel kritischer begleitet werden. Guter Journalismus ist jedenfalls nicht, wenn man Passagen aus Hochglanzprospekten einfach übernimmt.
Auch abseits der Taxifahrerei empfand ich 2019 als durchwachsen. Dabei ist es fast eine Randnotiz, dass die Hamburger Verkehrspolitik wieder einmal 0 Punkte erhält. Wer gleichzeitig über Monate die Sierichstrasse und den Borgweg sperrt hat das Thema verfehlt.
Was mich richtig genervt hat war ein Schwarz-Weis Denken, was alle gesellschaftlichen Themen erfasst hat. Oder anders gesagt: Die Kapitulation der schweigenden Mehrheit vor der schreienden Meinungsdiktatur!
Grüße C.L.
