Uber: We`re just fuckig illegal

On Juli 20, 2022, in Tagschicht, by C.L.

Ok einen Blog noch bevor ich erst mal in den Urlaub abdüse…

Offener_Brief_Uber_Files

Die Probleme, die es vor allem in Berlin und München mit Uber gibt, sind altbekannt und tatsächlich eine unendliche Geschichte. Dabei ist völlig klar, dass Uber kein Mensch braucht und sowieso verboten werden müsste.

Hier in Hamburg wird seit kurzem wieder damit gedroht die großen Mobilitätsanbieter zuzulassen, weil Service und Bedienfähigkeit im Taxigewerbe zu wünschen übrig lassen. Die Konzessionen für fünfhundert Moia Busse werden definitiv verlängert und erneut kümmert es keinen Entscheidungsträger, wenn eine Dienstleistung unter den Selbstkosten angeboten wird und ein Konzern sich als Datenkrake verdingen darf. Und auch das Überangebot an Share Now, Miles & More und den widerlichen Elektrorollern wird kaum kostendeckend sein.

Theoretisch bietet Taxi alles, was auch ein Kunde mit höheren Ansprüchen von einer Mobilitätsdienstleistung erwarten kann, die vielen Fehler stecken allerdings im Detail bzw. in der Bürokratie. So war es ein grober Fehler die Ortskundeprüfung für Taxifahrer bundesweit abzuschaffen, weil man der Meinung ist, Navigationsgeräte ersetzen  jahrelange Fahrpraxis in der Großstadt. Genauso war es ein Fehler die Elektrotaxen am Flughafen zu priorisieren, weil diese unsoziale Benachteiligung der Diesel Kollegen direkt auf deren Motivation und ihr eigentlich sonniges Gemüt durchgeschlagen hat. Immerhin darf man konstatieren, dass die Flughafenkutscher monatlich sicherlich 500€ weniger Umsatz machen, weil die ETaxen sich ständig vordrängeln dürfen.

Durch die Corona Pandemie mit Umsatzrückgängen bis zu 80% haben sich gut vierhundert Taxen aus Hamburg verabschiedet und Nachwuchs wird sich für diese Branche kaum rekrutieren lassen. Dazu sind die Betriebskosten in  Relation zum Nettoertrag einfach viel zu hoch. Problemlos kostet ein Taxi mit allen fixen und variablen Kosten monatlich 2000€, dazu kommen Pflichtbeiträge für die Krankenkasse und diverse Steuern. 2022 beträgt das durchschnittliche Nettoeinkommen in Hamburg fast 40.000€ im Jahr. Von dieser wirtschaftlichen Entwicklung ist das Taxigewerbe seit Jahren völlig abgekoppelt.

Dazu kommt der tägliche Stressfaktor durch eine konsequent rote Welle in der Stadt und Baumaßnahmen, die man schlicht nicht mehr überblicken kann. Es ist ja nun beileibe nicht so, dass das Taxigewerbe in jeder erdenklichen Situation gebauchpinselt werden  möchte, aber ein bisschen Wertschätzung für unsere Arbeit wäre schon angemessen. Dazu hätte auch gehören können die Schranken in der Ankunftsebene des Flughafens für uns eben nicht gebührenpflichtig zu machen, sondern selbstverständlich kostenfrei.

Daraus kann jeder Kollege, Kunde, Verwaltungsbeamte und Verkehrssenator nun seine eigenen Schlüsse ziehen.

Tschüss C.L.

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Eigentlich wollte ich bereits Ende 2021 eine Probefahrt mit dem Tesla Model 3 machen, da man dieses Fahrzeug durchaus häufiger in Hamburg als Taxi sehen kann. Also wurde es Zeit heraus zu finden, ob mich als Old school Dieselfahrer ein rollender Computer überzeugen könnte?

Bevor ich mich heute mit einem alten Taxi Kumpel getroffen habe, habe ich zweimal eine Email an Lukas Thiede geschrieben, die beide bis heute unbeantwortet geblieben sind. Das ist ganz schon schwach für einen New Economy Global Player.

Bei dem Tesla Taxi handelte es sich um das Long Range Modell, was mit knapp 500PS ab Werk ausgeliefert wird und in 4,4 Sekunden auf 100km/h beschleunigt. Im Innenraum gibt es eine wirklich billig anmutende Holzkonsole, einen Ipad artigen Touchscreen und ein Lederlenkrad im Mercedes AMG Design. Die veganen Ledersitze sind vollelektrisch verstellbar und bieten einen überraschend guten Sitzkomfort. Das Fahrwerk empfand ich trotz 18 Zoll Felgen als sportlich, aber keineswegs bretthart, die Bremse wird quasi gar nicht benötigt, weil die Elektromotoren  beim Loslassen des Gaspedals merklich abbremsen (rekuperieren).  Als äußerst gewöhnungsbedürftig empfand ich den kargen Innenraum. Während Tesla Jünger ein minimalistisches Design loben, finde ich persönlich, dass fehlende Details in keiner Relation zum durchaus üppigen Listenpreis stehen. Selbst ein Skoda wirkt da wertiger und liebevoller designt.

Erstaunt war ich über die rahmenlosen Fenster, die jedes Mal ein Stück absenken, wenn man ein- und aussteigen will, sowie einen groben Übergang zwischen dem hinteren Fenster und der deutlich längeren hinteren Tür.  In der Praxis schafft der Wagen zwischen 350 und 420km, was für einen Einwagenunternehmer immer dicke reichen sollte, um auch wieder nach Hause zu kommen. Den Werbeslogan „bis zu 580km…“ kann man also getrost vergessen.

Pluspunkte sammelt der Wagen aktuell natürlich durch den unschlagbar günstigen Verbrauch. 16,5kw/h im Taxibetrieb sind wirklich in Ordnung und produzieren Stromkosten zwischen 5,20 und 10,70€ brutto auf 100km. 4000km mit dem Tesla kosten folglich 318€ brutto im Monat, ein Mercedes Diesel, der 7,5 Liter verbraucht (eher mehr) wird aktuell mit 585€ brutto im Monat betankt. Dabei muss man aber objektiv auch sagen, das niemand seriös abschätzen kann, ob Strom massiv teurer wird und Diesel möglicherweise auch mal wieder etwas preiswerter.

Mal abgesehen davon, dass kein Mensch ein Taxi braucht, was 500PS hat, selbst die Einstiegsvariante mit „nur“ 400PS ist im Hamburger Stadtverkehr gnadenlos übermotorisiert, sind die Anschaffungskosten in der Relation zur Taxiperspektive deutlich zu hoch und zudem relativ komplex.

Da Tesla 2022 bereits zweimal die Preise erhöht hat, kostet der Long Range aktuell ab 59.490€ brutto. Der Bund subventioniert den BEV mit 5000€ und Tesla gibt weitere 2500€ dazu. Bleiben 51.990€. Davon gehen 19% Mwst. ab, was 43.689€ netto entspricht. Von der Förderung der Stadt Hamburg in Höhe von 5000€ für ein Elektrotaxi reicht man 3772€ netto für die Umrüstung zur Taxi an Intax in Oldenburg weiter. Weitere 1000€ gehen an Tesla als eine Servicegebühr für die Bestellung.  Mein Kollege finanziert den Wagen auf 60 Monate und zahlt inkl. Zinsen 666€ Rate im Monat.

Mein ganz persönliches Fazit sieht so aus:

In Zeiten wie diesen, die voller Krisen und Unwägbarkeiten stecken, würde ich mir definitiv kein Taxi für über 600€ pro Monat finanzieren. Und zwar weder einen neuen Diesel, noch ein Elektrofahrzeug. Nach zwei Jahren Corona quasi ohne Einnahme und den aktuell massiv steigenden Energiepreisen kann ich jeden Tag ein bisschen mehr verstehen, wieso doch recht viele Kollegen einen VW Touran fahren, oder sich jüngst einen Toyota Rav4 gekauft haben.

Grüße C.L.

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Moin,

immer wieder sitze ich vor meinem Rechner und versuche einen neuen Taxiblog zu verfassen. Leider ufern die Texte in letzter Zeit doch sehr aus, was den permanenten Krisen in der Welt geschuldet ist.  Daher will ich versuchen mich auf notwenige kurze Inhalte zu beschränken.

Ständig werden wir Taxiunternehmer hier in Hamburg daran erinnert, bloß nicht aus dem Fokus zu verlieren, dass wir uns doch baldmöglichst ein umweltfreundliches Elektrotaxi anschaffen mögen. Die jahrzehntelang gängige Praxis, sich selber frei für ein Fahrzeug zu entscheiden, soll einer sozialistischen Planwirtschaft weichen. Dabei wird nach wie vor verkannt, dass sich tatsächlich auch der freiheitsliebende Taxifahrer nicht gerne gängeln lässt. Was im Übrigen für einen Großteil der Bevölkerung zutrifft. Aber leider ist in den Medien ja nach wie vor nur eine schreiende Minderheit präsent, und nicht die schweigende Mehrheit.

Völlig absurd wird es allerdings, wenn die Stadt Hamburg von mir einen besonderen Beitrag zum Klimaschutz erwartet, gleichzeitig aber zweihundertsiebzig Kreuzfahrer in diesem Jahr den Hamburger Hafen anlaufen. Oder es endlich wieder die Harley Days mit Schwermetall aus Milwaukee zu bestaunen gibt. Bei den aktuellen Bedienengpässen im Taxigewerbe wird der Kunde wohl kaum explizit nach einem Elektrotaxi fragen, sondern ist dankbar, wenn überhaupt ein Vanillebomber zur Verfügung steht.

Machen wir uns also bitte ehrlich und verzichten auf lächerliche grüne Symbolpolitik!!!

Grüße C.L.

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Moin,

regelmäßig lese ich in den letzten Wochen davon, dass es in Hamburg zu wenig Taxen gibt. Seit Beginn der Pandemie sind gut 400 Taxen vom Markt verschwunden, aktuell fahren lediglich noch 2650 Fahrzeuge.

Da kann es also durchaus sein, dass am Wochenende tagsüber der Flughafen, und die Hotel in der City, nicht gut bedient werden. Ebenso, dass es Engpässe am Wochenende nach Mitternacht gibt. Das liegt allerdings nur oberflächlich an der Anzahl der Taxen, sondern viel eher an der Motivation vieler Kollegen. Es macht einfach immer weniger Freude unsere Dienstleistung in einer Stadt wie Hamburg anzubieten. Am Flughafen gibt es neue Gebühren für uns, nun ist auch das Absetzen der Kunden idR. kostenpflichtig. Eine komplette Beschrankung der Ankunftsebene, sowie diverse bauliche Veränderungen signalisieren deutlich, dass Individualverkehr am Hamburg Airport nicht mehr erwünscht ist. In der Spätschicht sorgt trotz anziehenden Kundenzahlen Moia für einen Umsatzrückgang von durchaus 25% im Vergleich zu dem Vor Corona Geschäft.

In der Innenstadt finden jeden Samstag mehrere Demonstrationen statt, wegen dem Marathon wird das halbe Stadtgebiet einen kompletten Tag für den Verkehr gesperrt. Wer sollte sich folglich mit Kunden durch Stau und Sperrungen quälen, wo doch der Hamburger Spezialtarif den Zeitfaktor komplett ignoriert.

Wir bekommen zwar eine Tariferhöhung zum 01. Juni 2022, allerdings wurde nicht darüber diskutiert, ob am Wochenende, bzw. Wochenende nachts, Taxifahren erheblich teurer sein sollte? Ich erinnere mich, dass es in anderen Branchen Zuschläge im Bereich von 30-50% gibt, wenn man am Wochenende arbeitet. Zudem ist eine Tariferhöhung nach fast fünf Jahren in Höhe von knapp 10% nun wirklich nicht der Rede wert. Allein die Inflation vor dem Jahr 2022 hat diese Erhöhung bereits eingebaucht. Aktuelle Kostensteigerungen zwischen 7% für alltäglichen Konsum, 25% für Diesel und 100% für Gas zeigen überdeutlich, das wir schon wieder ganz hinten stehen, wenn es um Kostensteigerungen geht.

Zuletzt hält die Hamburger Bürgerschaft unbeirrt und ideologisch verblendet am Projekt ETaxen fest, fördert 2022 zusätzlich 100 Elektrofahrzeuge, sowie eine noch unbekannte Anzahl in 2023.  Bevormundung, Gängelung und vermeidlich alternativlose linksgrüne Ideologien erregen doch so einige Gemüter im Hamburger Taxigewerbe. Der Verkehrssenator möge doch bitte mit Augenmaß eine Politik für alle Verkehrsteilnehmer machen und nicht nur für seine Lastenfahrrad Buddies aus Ottensen.

Keine Silbe hört man davon, dass auch Hybrid Fahrzeuge Emissionen reduzieren können, das es auch ein Umweltbeitrag ist Bestandsfahrzeuge weiter einzusetzen, anstatt sie wegzuwerfen, oder das Elektrofahrzeuge in wenigen Jahren vermutlich überhaupt keinen Restwert mehr haben werden und daher eine besonders teure Form der Mobilität darstellen könnten. Abseits des Rathauses und moralischen Blasen fordert niemand diese Transformation mit der Brechstange. Und ich befrage dazu fast jeden Taxikunden seit August 2021. Der Tenor ist eindeutig „Gut gemeint, aber nicht gut gemacht.“ „Skandal ohne Not eine Zweiklassengesellschaft einzuführen.“ „Grüne Symbolpolitik ohne Sinn und Verstand“.

Abschließend die Ergebnisse diverser Umfragen in der Taxi Telegram Gruppe:

Wie gefällt dir dein Job als Taxifahrer aktuell insgesamt?

23% Note 4

06% Note 5

22% Note 6

= 51%

14% Note 1

12% Note 2

23% Note 3

= 49%

Weitere 5000€ Förderung für Elektrotaxen. Seit ihr dabei?

35% Ja

65% Nein

Werdet ihr die kostenpflichtige VIP Vorfahrt (Grundgebühr 11,90€) am Flughafen buchen?

32% Ja

68% Nein

Daraus lese ich nicht garantiert nicht, dass wir uns von den aktuellen Veränderungen bei der Mobilität und der Verkehswende mitgenommen fühlen.

Grüße C.L.

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Moin liebe Leser,

der Unmut war bereits mehrfach in der letzten Zeit groß, als es am Flughafen Hamburg Veränderungen für die dort regelmäßig fahrenden Taxikollegen gab.

Seit September 2021 werden dort Elektrotaxen priorisiert und haben eine exklusive Zufahrt in Richtung der Pole Position vor den Terminals. Wer also ein ETaxi besitzt, wird durch mehr Fahrten pro Schicht belohnt, wer einen Diesel fährt, wird durch längere Wartezeiten bestraft.

Seit März 2022 werden die Gebühren in der Wartezone mittels einer Kreditkarte eingezogen, dafür müssten sich viele Kollegen extra so eine Karte zulegen, was mit weiteren Kosten verbunden ist. Wir zahlen am Flughafen Hamburg bereits seit 2014 für das Warten auf den Kunden, bei mir haben sich in den Jahren dadurch Kosten in Höhe von 2700€ ergeben.

Und nun beschrankt der Flughafen auch den Absetzbereich im Obergeschoss, benennt die Spur direkt unter dem Vordach „Exklusive Haltezone für Vertragspartner“ und möchte weitere 11,90€ Grundgebühr in Monat u.a. vom Taxigewerbe haben.

Dieses ungenierte Abkassieren erinnert mich an so groteske Kosten, wie eine Regenwassersteuer, oder die Zwangsmitgliedschaft in der Handelskammer. In einer Umfrage der Taxi Telegram Gruppe haben folgerichtig 65% der Kollegen angegeben, das sie nicht bereit sind, weitere Kosten zu tragen und folglich den Kunden zukünftig ein paar Meter weiter vom Terminal entfernt, in der sog. Kurzhaltezone abzusetzen.

produktblatt-exklusive-haltezone-data

Es ist für die Stadt Hamburg schon sehr bezeichnend, dass derlei Gebühren geduldet werden (die FHG gehört zu 51% der Stadt), unsere Forderungen nach einem Energiezuschlag in Höhe von 1€ pro Tour aber ungehört verhallen.

Grüße C.L.

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Nach annährend fünf Jahren ist es mal wieder soweit, der Hamburger Taxitarif soll angepasst werden. Und zwar gleich einmal um knappe 10%. Das passt gut ins Bild der aktuell galoppierenden Inflation und birgt daher auch erhebliche Gefahren.

Schon seit Ewigkeiten müssen wir Taxiunternehmer uns die Frage stellen, wieso unsere Dienstleistung in der zweitgrößten deutschen Stadt nur rudimentär nachgefragt wird? Geschätzt 65% der Hamburger Bevölkerung fährt nie Taxi, stattdessen hält eine vierköpfige Familie zwei bis drei Privatwagen vor, und meint das sei wirtschaftlich. Oder es werden sich geförderte Elektrofahrzeuge finanziert, anstatt für eine Taxifahrt dann noch mal 20 oder 30€ auszugeben. Die PKW Hersteller träumen vom autonom fahrenden Fahrzeugen und investieren Milliarden in diese Vision, man möchte mittelfristig mit Robotertaxen als Monopolist Milliarden verdienen, und das kleinteilige Personenbeförderungsgewerbe natürlich vorher plattmachen. In der Tendenz unterstützt der Hamburger Senat mit dem Moia Projekt genau diese Gangart, was unter moralischen und sozialen Gesichtspunkten unter aller Kanone ist.

Nun frage ich mich, ob ich die satte Tariferhöhung auch in meinen Einnahmen wiederfinden werde? In der Vergangenheit war das jedenfalls nicht der Fall und aktuell hat der Kunde mehr Möglichkeiten denn je, seine Wege und Routen durch ein vielfältiges Mobilitätsangebot zu organisieren.

Dazu kommt oben genannte Inflation, die mit statistischen 5% nur sehr verschwommen abgebildet ist. Bei erheblichen Preissteigerungen für Strom, Gas, Benzin und Diesel muss befürchtet werden, das dadurch der Binnenkonsum merklich abgewürgt wird.  

Mein persönliches Statement zur Tariferhöhung sieht wie folgt aus:

  1. Die Karenzminute muss abgeschafft werden, wir stehen seit dem Jahr 2000 kostenlos mit dem Kunden im Stau. Die unbezahlte Wartezeit, die bei jedem Fahrzeugstillstand bis sechzig Sekunden greift, hat mir in zwanzig Jahren Einnahmeausfälle beschert, von denen ich locker heute ein Eletrotaxi bar bezahlen könnte. Die 30€ Wartezeit sind in Hamburg leider nur theoretischer Natur. 
  2. Kurztouren sind in Relation zu längeren Fahrten viel zu billig. Eine Fuhre für 6,80€ darf im Jahr 2022 gerne 10€ kosten (+40%), eine Fahrt für 50€ ist selten und teuer genug und sollte daher unangetastet bleiben.
  3. Die Grundgebühr sollte noch weiter erhöht werden, weil Service wie Bestellung / Kartenzahlung Geld kostet und wir durchaus den Kunden an diesen Kosten beteiligen sollten. Free Now berechnet den Kunden eine Bestellgebühr, die auf den Fahrpreis aufgeschlagen wird. Natürlich nicht für die Driver auf der Straße, sondern zur Weiterentwicklung der Technik.

Zudem soll es weitere Vorteile für Elektrotaxen geben, nämlich exklusive Taxistände mit Ladeinfrastruktur, an denen sich Verbrenner Taxen nicht bereithalten dürfen. Nach den Verwerfungen mit der Priorisierung von Elektrotaxen am Flughafen Hamburg ist die Idee, aufgrund des Gleichheitsprinzips und des sozialen Friedens im coronagebeutelten Gewerbe, nicht weiter zu verfolgen.

Grüße C.L.

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Irgendwie habe ich es dann doch geschafft ein weiteres frustrierendes Pandemie Jahr hinter mich zu bringen. Aufgrund der Wirtschaftshilfen bin ich nicht verhungert, und auch nicht an einem, nach wie vor, rätselhaften Virus verstorben.

Meine Einnahme bewegte sich 2021 auf dem Niveau von 2019, allerdings mit dem Unterschied, dass 50% meiner Einnahme im Jahr 2021 aus Corona Hilfen bestanden. Einnahmen ohne entsprechende Ausgaben erhöhen den Gewinn, somit die Steuerlast und folglich den Beitrag für die Krankenkasse. 2022 werde ich 25% des Hilfen des Jahres 2021 zurückzahlen müssen.

2021 durfte ich trotz eines massiven Umsatzrückganges dieselben Kosten zahlen, wie im jeden Jahr. 90€ für zehn Minuten beim Eichamt, 325€ für die Verlängerung der Taxikonzession, 69€ für eine Tim Karte zur Speicherung der Fiskaldaten und zuletzt auch noch 510€ für eine neue Hale Blackbox, weil die Tim Karte der Bundesdruckerei mit der alten Box nicht mehr kompatibel ist. Das Diesel mittlerweile 1,60€ pro Liter kostet will ich nur der Vollständigkeit erwähnen. Kein Wunder also, dass bei derlei willkürlichen Kosten und unkalkulierbaren Geschäft lange nicht jeder Unternehmer willens ist, sich zusätzlich auch noch ein Elektrotaxi zu finanzieren.

Leider sorgten zusätzlich politisch gewollte Details für einen Umsatzrückgang. Moia als unliebsamer Konkurrent mit sittenwidrigen Fahrpreisen, sowie die Priorisierung von Elektrotaxen am Flughafen und in der Funkvermittlung.

Moia hat 2021 geschätzt gut 2 Millionen Kunden in Hamburg befördert, in der Regel zu gerade einmal 50% des Preises für eine Taxifahrt.. Damit bewegt sich Moia mit jeden gefahrenen Kilometer tief in den roten Zahlen, die vom Mutterkonzern VW subventioniert werden. Geradezu grotesk mutet es dann an, wenn Moia Kunden im Netz zu hohe Fahrpreise monieren. Genau wie beim Taxi gibt es eine völlige Unwissenheit über Betriebskosten, Löhne und Steuern.

Am Hamburg Airport warten die Kollegen zwischen fünfundvierzig Minuten und drei Stunden auf einen Kunden und die ersten beiden Plätze am Stand sind seit dem 20. September 21 exklusiv für Elektrotaxen ausgewiesen. Diese Fahrzeuge dürfen direkt vorfahren und haben in der Regel in weniger als zehn Minuten einen Kunden an Bord. Diese Regelung hat zu viel Unmut unter den Kollegen geführt, die ohnehin in Corona Zeiten um ihre Existenz kämpfen müssen.

Von den insgesamt fünf Kumpels, die ebenfalls seit Jahrzehnten Taxifahren, hat keiner mehr so richtig Bock auf den Job. Die Verdienstmöglichkeiten waren in den letzten zwei Jahren unterirdisch, die Perspektive für die Zukunft ist überaus fragil. Folgerichtig sind in Hamburg seit Frühjahr 2020 über vierhundert Taxen abgemeldet worden, was 15% der Flotte entspricht.

Massig Tourismus und Geschäftsreisende werden wohl auch 2022 erstmal ein frommer Wunsch bleiben. Naheliegender sind da eher ganz andere Verwerfungen wie eine dauerhaft hohe Inflation, unverschämt hohe Energiekosten (grüne Inflation), eine mögliche Kriegsgefahr zwischen Russland und der Ukraine, sowie ein denkbarer Börsencrash.

Grüße C.L.

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…und weitere Hiobsbotschaften…

Droht eine Rückzahlung der November- und Dezemberhilfen?

In der Vergangenheit wurde bereits öfter davon besprochen, dass in Hamburg mittelfristig nur noch 1200 Taxen benötigt werden. Auch die Rückzahlung der diversen Corona Hilfen ist ein Hebel, um das finanziell gebeutelte Gewerbe an die Wand zu drücken. Der rot-grüne Senat jedenfalls nimmt keine Rücksicht auf Solo Selbständige und Kleingewerbetreibende. Also obacht, wo man heute sein Kreuzchen macht.

Grüße C.L.

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Moin liebe Leser,

kurz und knackig möchte ich beschreiben, welch Ungemach nun schon wieder droht. Im Juli 2021 bekamen all diejenigen Post, die im II. Quartal 2020 die sog. Corona Hilfe 1 beantragt haben. Durch eine Selbstauskunft sollte man nun den tatsächlichen Liquiditätsengpass nachweisen. Über die Hälfte aller Taxikollegen muss Geld an die Investitions- und Förderbank zurückzahlen, weil die Hilfen als Fixkostenzuschuss nur in homöopathischen Dosen gewährt werden sind. Aktuell geht ein auf Aufschrei durchs Gewerbe, wenn Summen um die 5000€ gefordert werden, weil die Kollegen vielfach ihre Hilfe ausgegeben haben, um die katastrophale Geschäftslage zwischen Sommer 2020 und Sommer 2021 zu kompensieren.

Als Beispiel mal die Zahlen von mir und einem befreundeten Unternehmer:

Bewilligt wurde mir für die Monate April, Mai und Juni jeweils 256€ Fixkostenzuschuss. Mein Kumpel bekam sogar üppige 346€ monatliche Unterstützung. Diese Zahlen sind an Lächerlichkeit kaum zu überbieten und ein Schlag in Gesicht eines jeden Kleingewerbetreibenden.  Jeder Euro, den ich mühsam im II. Quartal 2020 erwirtschaftet habe, wird gegen gerechnet. Schön blöd von mir vier Stunden am Flughafen auf eine 20€ Fuhre gewartet zu haben.

Ähnliches droht unwissenden Kollegen auch bei der Neustarthilfe und Neustarthilfe Plus. Dazu ein Rechenbeispiel:

Als Referenzumsatz für das III. Quartal 2019 nehmen wir einfach mal 3000€ im Monat. Die Förderung beträgt für das III. Quartal 2021 4500€. Erwirtschaftet man im III. Quartal 2021 40% des Referenzumsatzes = 3600€ darf man die 4500€ behalten. Die Grenze der Rückzahlung liegt bei 90% des Referenzumsatzes = 8100€. Fährt man also im gesamten Quartal 2021 mehr als 5600€ ein, muss jeder darüber hinaus erwirtschaftete Euro bis max. 4500€ zurückgezahlt werden. 5600€ geteilt durch drei Monate sind 1866€ Umsatz.

Genau dieser Sachverhalt ist der Grund, warum ich heute zu Hause geblieben bin und mich nicht dem Verkehrschaos der Fridays for future Demo aussetzen werde. Aber auch ohne diese Förderung hätte ich mir diese Schicht heute nicht angetan.

Alles in allem bleibt festzuhalten, dass die Kollegen zwar gerne mit einem dicken Schlitten auf dicke Hose machen, sich aber in der Konsequenz immer weiter verschulden und immer mehr arbeiten müssen. Sicherlich kann man den IFB Kredit bei der KfW umschulden, dazu vielleicht noch ein finanziertes Elektrotaxi, weil Herr Tjarks das gut findet, und mal eben einen Hansafunk Genossenschaftsanteil für 20.000€ finanziert von der Haspa.

Ich sage nach knapp dreißig Jahren auf der Droschke nur „Hallo geht’s noch?“ dazu.

Grüße C.L.

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