Moin,
allmählich nervt es mich, dass der vermeidlich dreckige Diesel nicht aus den Schlagzeilen kommt.
Man fühlt sich als Diesel Fahrer bzw. Fan fast schon auf eine Stufe mit Mördern gestellt. Dabei gibt es in der Medienlandschaft durchaus auch Lichtblicke, die sich um Objektivität bemühen.
Dicke Luft auch ohne Diesel

Die ganze Diskussion scheint vor allem durch Hysterie und bleiernde Standpunkte geprägt zu sein. Ich stolperte jüngst über einen Leser Kommentar in der Mopo „Wenn ich mit meinem Fahrrad hinter einem Diesel an der Ampel stehe stinkt es fürchterlich aus dem Auspuff.“
Soso – interessante Behauptung, wo doch Stickstoffdioxid ein geruchloses Gas ist. Dazu darf man sich fragen, was der Radfahrer auf der Straße zu suchen hat. Wahrscheinlich war der Radweg wieder zu uneben, vor allem wenn man sein Rennrad mit 8 bar Reifendruck fährt. Man liest es sicher raus, auch ich kann Polemik.

Das Grundproblem ist doch, dass niemand bereit ist auf individuelle Mobilität zu verzichten. Völlig unverständlich, dass die Hamburger Innenstadt am Wochenende beinahe so voll ist, wie an einem Werktag. Grotesk, dass am Sonntag Mittag der Verkehr auf der A7 steht. Totaler Irrsinn, dass in den Sommermonaten Massen von Touristen nach Hamburg fliegen, um anschließend einen Kreuzfahrer zu entern.

Die Ökobilanz ist etwas komplexer, als lediglich Dieselabgase in den Innenstädten. Der Benziner produziert mehr CO2 bei der Verbrennung, als ein Diesel. Ein Elektroauto ist nicht nur für das Groh der Bevölkerung unerschwinglich, auch die Produktion des Wagens samt Akku verbraucht Rohstoffe und Ressourcen. Zudem kommt die Elektrizität in Hamburg aus einem hippen Braunkohlekraftwerk.

Mytaxi bietet seit Dezember 2017 Match an. Dabei können sich Kunden, die zu ähnlichen Uhrzeiten in ähnliche Ecken der Stadt wollen, das Taxi und den Fahrpreis teilen. In der Praxis gab es dafür tagsüber keine Resonanz, so dass seit Mai 2018 diese Bestelloption erst ab 18Uhr verfügbar ist. Mit diesen Geschäftsmodell hätten die Bürger was für die Umwelt und ihren Geldbeutel tun können, funktioniert hat es nicht.

Mein Euro 4 Taxi würde bei einer Inzahlungnahme seitens Mercedes Benz direkt nach Osteuropa verkauft werden. Der Hohn ist dann das Argument, der Wagen ersetzt im dort einen Euro1 oder 2 Diese und macht die Luft so sauberer. Zudem sollten Gewerbetreibende wissen, das die Prämie beim Ankauf des Gebrauchtwagens als Einnahme in die Bücher geht und voll zu verteuern ist. In meinem Fall würden 6000€ über Listenpreis gezahlt, um im Folgejahr eine steuerliche Mehrbelastung von ca. 5000€ zu haben. Das ist keine Prämie, sondern in meinen Augen eine Michmädchenrechnung. Eine Prämie wäre es, wenn der Kaufpreis um einen Rabatt X gekürzt werden würde.

In den nächsten Jahren werden sicher eine Menge Leute auch ohne Gängelei aus Brüssel und der DUH ein anderes Fahrzeug anschaffen, mich selber eingeschlossen. Objektiv sehe ich als Gewerbetreibender keinen Anlass einen überteuerten und oft qualitativ fragwürdigen Neuwagen zu erwerben. Nach drei Jahren müssen die Erstbesitzer einen Wertverlust von 60% hinnehmen. Effektiver kann man seine sauer verdiente Kohle nicht verbrennen.

Schönes Wochenende
C.L.

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Ich gebe zu bei den angedachten Fahrverboten gegen Diesel Fahrzeuge mit der Abgassnorm schlechter als Euro 6 befinde ich mich in einer moralischen Zwickmühle.

Ich habe zwei Kinder im Grundschulalter und möchte daher unsere Umwelt auch für nachfolgende Generationen erhalten. Und ich habe ein Taxi mit Euro 4 Diesel.

Die Probleme des städtischen Individualverkehrs erlebe ich hautnah jeden Tag. In der Rush Hour steht der Verkehr in Hamburg und auf Hamburgs Autobahnen. Das treibt den Verbrauch und damit der Umweltbelastung in die Höhe. Auf Strecke begnügt sich mein vermeidlicher Stinkediesel mit 6,5 Litern, im Stadtverkehr sind es dann gleich mal 9,5 Liter, ständiges Anfahren und unendlich viele rote Ampeln tragen dafür die Verantwortung.

Hamburg will sich nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nun ganze zwei Straßen vornehmen, um für saubere Luft der Anwohner zu sorgen. Der Plan mutet einigermaßen grotesk an : Ein Teil der Stresemannstraße wird für LKW gesperrt. Dort gibt es eine Messstation mitten auf der vierspurigen Hauptstraße, die seit zwanzig Jahren mit einem 30km/h Tempolimit versehen ist. Eigentlich wäre zu prüfen, ob schon die Rückkehr zu Tempo 50km/h das NoX Problem entschärfen könnte? Als sicher gilt, die LKW‘s werden die Strecke umfahren und folglich andere Hauptstraßen mehr belasten.

Dazu sollen 700 Meter der Max-Brauer-Allee Euro 6 Zone werden. Mit Ausnahmegenehmigungen für Taxen, Handwerker, Lieferverkehr, Anwohner und Anlieger. So geht also laut Herr Kerstan Umweltpolitik. Der Hamburger würde wohl sagen : Alles dummes Zeugs.

Mir fallen spontan bessere Ideen ein, um die Luft in Hamburg für alle! Bürger sauberer zu machen:

– Kreuzfahrtschiffe werden ab sofort verpflichtet Landstrom abzunehmen, wenn sie bei Passagierwechsel an den insgesamt drei Terminals im Hamburger Hafen liegen. Wollen die Reeder das aus Kostengründen nicht, darf man gerne nach Kiel ausweichen.

– Taxiunternehmern wird ein finanzieller Anreiz zur Anschaffung eines umweltfreundlichen Fahrzeuges gegeben. Und damit meine ich nicht die lächerlichen 2000€ Umweltprämie, die Daimler aktuell bietet, sondern einen fünfstelliger Betrag.

– der ÖPNV ist am Wochenende kostenfrei, das eigene Auto bleibt stehen.

– Im Straßenbau wird zukünftig rund um die Uhr gearbeitet, damit der Verkehr so wenig wie möglich beeinträchtigt wird und fließen kann.

– und zuletzt : Wenn das Taxigewerbe in Innovation in Form von neuen und umweltfreundlichen Fahrzeugen investieren soll, muss Schluß sein mit Tarifen, die im Kurzstreckenbereich kaum kostendeckend sind. Man stelle sich vor der Taxler fährt mit einem Tesla vor und der Kunde fährt mal wieder für 7,10€

Bei der sog. Dieselproblematik werde ich es so machen, wie manche Politiker, ich stelle mich tot und sitze das ganz gelassen aus. Böse Zungen behaupten sogar die aktuelle Diskussion um dreckige Diesel und Fahrverbote ist vor allem ein Konjunkturprogramm für die Automobilindustrie, so wie seinerzeit die relativ sinnleere Abwrackprämie.

Grüße C.L.

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