Hurra – Verkehrspolitik für Minderheiten

On Oktober 30, 2021, in Tagschicht, by C.L.

https://www.mopo.de/hamburg/tjarks-kuendigt-an-warum-hamburg-fuer-jahre-zur-dauerbaustelle-wird/

Bei 715 Baustellen im Hamburger Stadtgebiet muss der politisch gewollte Dauerstau im Taxentarif 2022 unbedingt brücksichtigt werden. Sonst wird es beim Hansa und bei Free Now immer öfter heißen „Tut uns leid, kein Wagen verfügbar.“

Grüße C.L.

 

…und weitere Hiobsbotschaften…

Droht eine Rückzahlung der November- und Dezemberhilfen?

In der Vergangenheit wurde bereits öfter davon besprochen, dass in Hamburg mittelfristig nur noch 1200 Taxen benötigt werden. Auch die Rückzahlung der diversen Corona Hilfen ist ein Hebel, um das finanziell gebeutelte Gewerbe an die Wand zu drücken. Der rot-grüne Senat jedenfalls nimmt keine Rücksicht auf Solo Selbständige und Kleingewerbetreibende. Also obacht, wo man heute sein Kreuzchen macht.

Grüße C.L.

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Moin liebe Leser,

kurz und knackig möchte ich beschreiben, welch Ungemach nun schon wieder droht. Im Juli 2021 bekamen all diejenigen Post, die im II. Quartal 2020 die sog. Corona Hilfe 1 beantragt haben. Durch eine Selbstauskunft sollte man nun den tatsächlichen Liquiditätsengpass nachweisen. Über die Hälfte aller Taxikollegen muss Geld an die Investitions- und Förderbank zurückzahlen, weil die Hilfen als Fixkostenzuschuss nur in homöopathischen Dosen gewährt werden sind. Aktuell geht ein auf Aufschrei durchs Gewerbe, wenn Summen um die 5000€ gefordert werden, weil die Kollegen vielfach ihre Hilfe ausgegeben haben, um die katastrophale Geschäftslage zwischen Sommer 2020 und Sommer 2021 zu kompensieren.

Als Beispiel mal die Zahlen von mir und einem befreundeten Unternehmer:

Bewilligt wurde mir für die Monate April, Mai und Juni jeweils 256€ Fixkostenzuschuss. Mein Kumpel bekam sogar üppige 346€ monatliche Unterstützung. Diese Zahlen sind an Lächerlichkeit kaum zu überbieten und ein Schlag in Gesicht eines jeden Kleingewerbetreibenden.  Jeder Euro, den ich mühsam im II. Quartal 2020 erwirtschaftet habe, wird gegen gerechnet. Schön blöd von mir vier Stunden am Flughafen auf eine 20€ Fuhre gewartet zu haben.

Ähnliches droht unwissenden Kollegen auch bei der Neustarthilfe und Neustarthilfe Plus. Dazu ein Rechenbeispiel:

Als Referenzumsatz für das III. Quartal 2019 nehmen wir einfach mal 3000€ im Monat. Die Förderung beträgt für das III. Quartal 2021 4500€. Erwirtschaftet man im III. Quartal 2021 40% des Referenzumsatzes = 3600€ darf man die 4500€ behalten. Die Grenze der Rückzahlung liegt bei 90% des Referenzumsatzes = 8100€. Fährt man also im gesamten Quartal 2021 mehr als 5600€ ein, muss jeder darüber hinaus erwirtschaftete Euro bis max. 4500€ zurückgezahlt werden. 5600€ geteilt durch drei Monate sind 1866€ Umsatz.

Genau dieser Sachverhalt ist der Grund, warum ich heute zu Hause geblieben bin und mich nicht dem Verkehrschaos der Fridays for future Demo aussetzen werde. Aber auch ohne diese Förderung hätte ich mir diese Schicht heute nicht angetan.

Alles in allem bleibt festzuhalten, dass die Kollegen zwar gerne mit einem dicken Schlitten auf dicke Hose machen, sich aber in der Konsequenz immer weiter verschulden und immer mehr arbeiten müssen. Sicherlich kann man den IFB Kredit bei der KfW umschulden, dazu vielleicht noch ein finanziertes Elektrotaxi, weil Herr Tjarks das gut findet, und mal eben einen Hansafunk Genossenschaftsanteil für 20.000€ finanziert von der Haspa.

Ich sage nach knapp dreißig Jahren auf der Droschke nur „Hallo geht’s noch?“ dazu.

Grüße C.L.

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Stand heute gibt es in Hamburg vierzig Taxen, die vollelektrisch betrieben werden. Der Anteil wird sich in den nächsten Monaten auf einhundertdreizig Fahrzeuge erhöhen, die jeweils mit 10.000€ vom Hamburger Senat bezuschusst werden. Obwohl im Jahr 2022 weitere einhundertsiebzig Taxen mit einem Zuschuss von 5000€ rechnen können, muss man attestieren, dass die Skepsis der Kollegen gegenüber Elektromobilität beachtlich ist.

Wie man leichtfertig Vertrauen verspielt, anstatt in einen vernünftigen Dialog über umweltfreundliche Mobilität zu kommen, zeigt dieses Beispiel:

Ab dem 01.10.2021 bekommen Elektrotaxen am Flughafen Hamburg direkt vor dem Terminal 1 und 2 eine „Pole Position“ und müssen sich nicht wie alle anderen Kollegen einreihen. Hätte ich diese Information nicht selber gelesen, würde ich denken, es handele sich um einen ganz schlechten Scherz. Elektrotaxen werden also bevorzugt behandelt, wer ein Hybrid Taxi fährt, oder sich erst vor wenigen Monaten eine schicke neuen E-Klasse gekauft hat, muss mit noch längeren Wartezeiten am Flieger rechnen. Einmal mehr werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt.

Infoflyer E-Taxen Hamburg Airport

Macht völlig willkürliches Beispiel Schule, werden möglicherweise auch der Hansafunk und Free Now nachziehen und Elektrotaxen bevorzugt vermitteln. Zusammen mit massiv steigenden Dieselpreisen durch die C02 Steuer handelt es sich um ein geeignetes Druckmittel, um uns Taxiunternehmer (mehrheitlich Kleingewerbetreibende!!!) zum Umstieg zu nötigen.

Dabei werden alle Argumente gegen Elektromobilität galant unter den Teppich gekehrt. Die Umweltbelastung durch die Produktion eines PKW, der Abbau und Transport von Bodenschätzen zur Herstellung des Akkus, Garantie und Lebensdauer des Akkus, die spärlich vorhandenen Ladesäulen, der vergleichsweise hohe Anschaffungspreis, eine verminderte Nutzungsdauer durch Akkudefekte = wirtschaftlicher Totalschaden.

Stattdessen sind die Kollegen völlig zu Recht abwartend, wenn es um zukünftige Investitionen geht, immerhin haben wir von März 20 bis Juni 21 nichts verdient. Niemand kann abschätzen, wie sich das Geschäft im Zuge von Home Office und einem moralischen Zeigefinger bei Inlandsflügen entwickeln wird. Vielfach haben die Kollegen zusätzlich zur Fahrzeugfinanzierung weitere Schulden angehäuft, da ist es schon ungebührend, wenn man ohne Not fordert 40.000€ für ein Elektrotaxi auf den Tisch zu legen. Zudem zeigt die Erfahrung, dass die Fahrzeugqualität selbst beim ausgereiften Diesel zuletzt ordentlich gelitten hat. Wie wird sich da ein Elektrotaxi im Gewerbeeinsatz über mehrere 100tkm bewähren?

Natürlich hat dieser Aktionismus mit dem ITS Kongress zu tun, der im Oktober 2021 in Hamburg stattfindet. Es bleibt zu hoffen, dass nach diesem Event wieder erheblich mehr Vernunft in die Mobilitätsdiskussion einkehrt.

Abschließen möchte ich mit einem Zitat aus einem Leserbrief in der Welt:

„Glaubt jemand ernsthaft, ein uneitler Altfahrzeug Besitzer, der seinen Diesel 10 oder 12 Jahre hält, sein ein größerer Umweltsünder als jemand, der sich alle 2-3 Jahre ein neues E-Auto leistet?“

Grüße C.L.

Skandal ? Jens Spahn bewirbt Uber und Co.

On September 4, 2021, in Tagschicht, by C.L.

In unserer Telegram Taxi Gruppe habe ich zwei interessanten Bildchen gefunden, die ich unbedingt hier verlinken und kommetieren möchte. Es geht um den sog. „Impfspurt“, wo beispielsweise Moia einmal mehr Rabatte auslobt. Und zwar nicht nur für Fahrten zur / von der Impfung, sondern sogar als Dankeschön für bereits geimpfte Kunden. Noch hohler geht es ja nun wirklich kaum noch.

Es ist eine fast schon gewohnte Schweinerei, wie man hier versucht die Tatsachen zu verdrehen. Im zweiten Quartal 2021 haben die Taxifahrer hunderttausende von über achzigjährigen Mitbürgern zu den Impfzentren gefahren. Waren freundich, behilflich und selber natürlich ungeimpft, weil nicht priorisiert. Wir haben Rollatoren und Rollstühle eingeladen, haben versucht in Gesprächen diesen Menschen ihre Ängste zu nehmen und den ganzen Krempel auch noch gegen Provision umständlich und teuer mit dem Hansafunk / Free Now abgerechnet.

Im zweiten Quartal 2021 war Moia in Hamburg nicht verfügbar, die Mitarbeiter in staatlich alimentierter Kurzarbeit und auch Uber hatte wahrscheinlich keinen einzigen Wagen hier auf der Straße.

Jens Spahn sollte also folgerichtig nicht die Lobby Werbetrommel rühren, sondern sich einmal objektiv informieren, wer bis Dato hier ganz besonders engagiert war. Nämlich das namen- und gesichtslose Kleingewerbe in hellelfenbein.

Grüße C.L.

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Moin,

anbei ein umfangreiches PDF mit allen gesammelten Daten der Hamburger Fiskaltaxameter aus den Jahren 2017-2019.

die_wirtschaftliche_lage_des_hamburger_taxengewerbes_2017_bis_2019

Nur zwei kurze Anmerkungen meinerseits :

Interessant, das die Stundenumsätze der angestellten Fahrer 15-20% höher sein sollen, als die der selbstfahrenden Unternehmer. Da wird wohl doch regelmäßig die Pausentaste im Taxameter gedrückt, um sich so den gesetzlich geforderten Mindestlohn hindengeln zu können.

Stundenumsätze, die bei meinen Kollegen vor Corona zwischen 15 und 20€ lagen, lassen keinen finanziellen Spielraum für eine vernünftige Altersvorsorge und / oder Investionen in technische Innovation. Als Vergleich der letzte Werkstattbesuch: Stundenlohn 75€/netto.

Grüße C.L. 

 

Guten Abend verehrte Leserinnen und Leser,

heute habe ich mich mal hingesetzt und die unzähligen Blitzermeldungen aus unserer Taxi Telegram Gruppe sortiert. Folgende Liste ergibt sich allein im August 2021 für Hamburg. Unglaublich wie hoch die Blitzerfrequenz aktuell ist. Dabei geht es wohl einmal mehr darum, Geld in die Staatskasse zu spülen und ebenso wird die Politik der kleinen Nadelstiche gegen den Individualverkehr konsequent fortgeführt.

Kleiner Exkurs: Die neuen Blitzeranhänger werden Enforcement Trailer genannt und aktuell hat Hamburg 12 davon in Betrieb. Der Stückpreis beträgt 160.000€, die sich sehr zügig amortisieren. Im August gingen die Trailer an folgenden Stellen ihrer Pflicht nach:

Rodigallee HH-LV 840

Bullenkoppel HH-LV 824

Eidelstedter Weg HH-LV 824

Carl-Cohn-Straße HH-LV 835

Bogenstraße HH-LV 832

Agnesstraße HH-LV 834

Öjendorfer Höhe HH-LV 833

Kantstraße HH-LV 839

Troplowitzstraße HH-LV 839

BAB A24 HH-LV 840

Hamburg plant die Anschaffung von acht weiteren „Lizenzen zum Gelddrucken“. Zusätzlich zu den 43 fest installierten Blitzern wurde mobil vor allen vor Schulen die Geschwindigkeit überwacht.

Erdkampsweg

Mühlenkamp

Foorthkamp

Eilbektal

Buxtehuder Straße

Schwanenwik

Dratelnstraße

Hohe-Schaar-Straße

Felix-Jud-Ring

Winsener Straße

Lehmweg

Bebelallee

Schanzenstraße

Hagenbekstraße

Kedenburgstraße

Trifftstraße

Hartwicusstraße

Alsterkrugchaussee

Agnesstraße

Hochrad

Vieloweg

Hummelsbütteler Hauptstraße

Waldörfer Straße

Tierparkallee

Osterkamp

Moorfleeter Deich

Lehmsaler Landstraße

Poppenbütteler Weg

Alphonsstraße

Oberaltenallee

Rathenaustraße

Bundesstraße

Bürgerweide

Farmsener Landstraße

Quedlinburger Weg

Haldesdorfer Straße

Oldesloer Straße

Dehnheide

Pulverhofsweg

39 mobile Blitzer wurden in gut zwei Wochen gesichtet und notiert. Kein Wunder also, wenn die Stadt Hamburg sich jährlich über gut 25.000.000€ an zusätzlichen Einnahmen erfreuen kann.

Auch ich war wieder zweimal dran und müsste löhnen. Auf der A4 hinter Lübeck überschritt ich die Geschwindigkeit um 11 km/h und wurde mit 20€ Verwarnungsgeld belegt und in der Tarpenbekstraße war ich 13km zu schnell und musste dafür 25€ bezahlen. Man liest es gleich heraus: Ich bin wirklich ein ganz böser Raser.

Grüße C.L.

 

Hier mal ein kurzer Abriss, was uns Taxifahrer in den letzten Monaten so bewegt hat.

Bis zum Ferienbeginn im Juni 21 haben wir uns in der Regel die Reifen eckig gestanden, lediglich für Betriebskosten gearbeitet, und von der Neustarthilfe I gelebt. Umso unverständlicher ist es, dass die IFB bereits jetzt dazu auffordert die Endabrechnung für die allererste Coronahilfe für das II. Quartal 2020 zu erstellen. Viele Betriebe werden damals zu viel Geld beantragt haben, weil unklar war, was genau unter förderfähigen Fixkosten zu verstehen ist. Gleichzeitig kann man einen Antrag auf Neustarthilfe Plus stellen, der das III Quartal 2021 mit einer Förderhöhe von maximal 4500€ abdeckt. Die anteiligen 1500€ für den Juli habe ich auf jeden Fall nicht gebraucht, dafür waren dann doch zu viele Reiserückkehrer und Touristen hier in HH unterwegs.

Unbedingt erwähnenswert ist der Umstand, dass die Wirtschaftshilfen bis zum 30. September bewilligt worden sind, exakt wenige Tage nach der Bundestagswahl ist Schluss mit staatlichen Hilfen. Einzig Kurzarbeitergeld wird weiter bewilligt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Die langsame Rückkehr zur Normalität (keiner weiß wie es im Winter aussehen wird?) bedeutet aber auch, dass es wieder viel mehr Individualverkehr gibt, die allseits verhassten Baumaßnahmen in der Sommerferienzeit, Stau, rote Welle, mobile Blitzer. Die Verkehrspolitik bleibt für uns Berufskraftfahrer (und natürlich auch alle anderen, die Auto fahren) ein ständiges Ärgernis und eine Zumutung. In Hamburg wird eindeutig Verkehrspolitik für Minderheiten gemacht und zusammen mit ständig steigenden Spritpreisen sehe ich hier durchaus ein Potenzial für Geldwestenproteste in der näheren Zukunft.

In diese Wochen kommen tausende von Urlaubern mit dem Flieger zurück nach Hamburg. Viele haben ihre Familien im Ausland besucht, weil das 2020 nicht möglich war. Dementsprechend sieht es am Hamburg Airport auch aus. Anstatt Geschäftsleute mit einem Ledermäppchen zum Termin zu fahren sieht man Menschen in Jogginganzügen und Unmengen von Gepäck. Das Reiserückkehrer die Corona Zahlen ansteigen lassen liegt auf der Hand, von umsichtigen Verhalten keine Spur.

Zuletzt scheint die Diskussion um die Elektromobilität ausschließlich medial geführt zu werden. Mich hat noch kein einziger Kunde angesprochen warum ich einen Mercedes Diesel fahre. Viel eher ist es sonnenklar, dass wir durch das Pandemiegeschehen finanziell auf dem Zahnfleisch gehen und die Anschaffung von High Tech Fahrzeugen aktuell überhaupt kein Thema sein kann. Die Moralkeule schwingen da wohl viel eher diejenigen, die sich einen Elektroroller mieten und denen es furzegal ist, dass dieses Stück Technik nach drei Monaten abgeschrieben ist und auf den Müll wandert. Als Detail an Rande der Hinweis, dass die Hersteller von Elektrofahrzeugen eine Garantie von 160tkm auf den Akku geben. Soll man tatsächlich zukünftig alle 3-4 Jahre sein Taxi ausmustern, anstatt es vernünftigerweise wenigstens 8 Jahre zu fahren? Es geht natürlich nicht um Nachhaltigkeit, sondern darum neue, teure und technisch nicht ausgereifte Produkte mit der Brechstange in den Markt zu drücken.

Die Tariferhöhung fällt in diesem Jahr erneut aus. Seit August 2016 fahren wir mit demselben Tarif, der wohl frühestens im Sommer 2022 erhöht wird. Auch ohne Corona darf man durch die festgelegten Tarife von einem Kaufkraftverlust in Höhe von 10% ausgehen. Auch hier bleibt alles wie gehabt. Service wie Bestellung und Kartenzahlung zahlen wir und der Kunde muss sich mit keinen Cent daran beteiligen, Kurztouren mit Fahrpreisen um die 6€ werfen keinen Gewinn ab und gelten weiterhin als Beschäftigungstherapie.

Soviel für heute, grüße C.L.