Uber: We`re just fuckig illegal

On Juli 20, 2022, in Tagschicht, Von C.L.

Ok einen Blog noch bevor ich erst mal in den Urlaub abdüse…

Offener_Brief_Uber_Files

Die Probleme, die es vor allem in Berlin und München mit Uber gibt, sind altbekannt und tatsächlich eine unendliche Geschichte. Dabei ist völlig klar, dass Uber kein Mensch braucht und sowieso verboten werden müsste.

Hier in Hamburg wird seit kurzem wieder damit gedroht die großen Mobilitätsanbieter zuzulassen, weil Service und Bedienfähigkeit im Taxigewerbe zu wünschen übrig lassen. Die Konzessionen für fünfhundert Moia Busse werden definitiv verlängert und erneut kümmert es keinen Entscheidungsträger, wenn eine Dienstleistung unter den Selbstkosten angeboten wird und ein Konzern sich als Datenkrake verdingen darf. Und auch das Überangebot an Share Now, Miles & More und den widerlichen Elektrorollern wird kaum kostendeckend sein.

Theoretisch bietet Taxi alles, was auch ein Kunde mit höheren Ansprüchen von einer Mobilitätsdienstleistung erwarten kann, die vielen Fehler stecken allerdings im Detail bzw. in der Bürokratie. So war es ein grober Fehler die Ortskundeprüfung für Taxifahrer bundesweit abzuschaffen, weil man der Meinung ist, Navigationsgeräte ersetzen  jahrelange Fahrpraxis in der Großstadt. Genauso war es ein Fehler die Elektrotaxen am Flughafen zu priorisieren, weil diese unsoziale Benachteiligung der Diesel Kollegen direkt auf deren Motivation und ihr eigentlich sonniges Gemüt durchgeschlagen hat. Immerhin darf man konstatieren, dass die Flughafenkutscher monatlich sicherlich 500€ weniger Umsatz machen, weil die ETaxen sich ständig vordrängeln dürfen.

Durch die Corona Pandemie mit Umsatzrückgängen bis zu 80% haben sich gut vierhundert Taxen aus Hamburg verabschiedet und Nachwuchs wird sich für diese Branche kaum rekrutieren lassen. Dazu sind die Betriebskosten in  Relation zum Nettoertrag einfach viel zu hoch. Problemlos kostet ein Taxi mit allen fixen und variablen Kosten monatlich 2000€, dazu kommen Pflichtbeiträge für die Krankenkasse und diverse Steuern. 2022 beträgt das durchschnittliche Nettoeinkommen in Hamburg fast 40.000€ im Jahr. Von dieser wirtschaftlichen Entwicklung ist das Taxigewerbe seit Jahren völlig abgekoppelt.

Dazu kommt der tägliche Stressfaktor durch eine konsequent rote Welle in der Stadt und Baumaßnahmen, die man schlicht nicht mehr überblicken kann. Es ist ja nun beileibe nicht so, dass das Taxigewerbe in jeder erdenklichen Situation gebauchpinselt werden  möchte, aber ein bisschen Wertschätzung für unsere Arbeit wäre schon angemessen. Dazu hätte auch gehören können die Schranken in der Ankunftsebene des Flughafens für uns eben nicht gebührenpflichtig zu machen, sondern selbstverständlich kostenfrei.

Daraus kann jeder Kollege, Kunde, Verwaltungsbeamte und Verkehrssenator nun seine eigenen Schlüsse ziehen.

Tschüss C.L.

Getagged mit: 

Eigentlich wollte ich bereits Ende 2021 eine Probefahrt mit dem Tesla Model 3 machen, da man dieses Fahrzeug durchaus häufiger in Hamburg als Taxi sehen kann. Also wurde es Zeit heraus zu finden, ob mich als Old school Dieselfahrer ein rollender Computer überzeugen könnte?

Bevor ich mich heute mit einem alten Taxi Kumpel getroffen habe, habe ich zweimal eine Email an Lukas Thiede geschrieben, die beide bis heute unbeantwortet geblieben sind. Das ist ganz schon schwach für einen New Economy Global Player.

Bei dem Tesla Taxi handelte es sich um das Long Range Modell, was mit knapp 500PS ab Werk ausgeliefert wird und in 4,4 Sekunden auf 100km/h beschleunigt. Im Innenraum gibt es eine wirklich billig anmutende Holzkonsole, einen Ipad artigen Touchscreen und ein Lederlenkrad im Mercedes AMG Design. Die veganen Ledersitze sind vollelektrisch verstellbar und bieten einen überraschend guten Sitzkomfort. Das Fahrwerk empfand ich trotz 18 Zoll Felgen als sportlich, aber keineswegs bretthart, die Bremse wird quasi gar nicht benötigt, weil die Elektromotoren  beim Loslassen des Gaspedals merklich abbremsen (rekuperieren).  Als äußerst gewöhnungsbedürftig empfand ich den kargen Innenraum. Während Tesla Jünger ein minimalistisches Design loben, finde ich persönlich, dass fehlende Details in keiner Relation zum durchaus üppigen Listenpreis stehen. Selbst ein Skoda wirkt da wertiger und liebevoller designt.

Erstaunt war ich über die rahmenlosen Fenster, die jedes Mal ein Stück absenken, wenn man ein- und aussteigen will, sowie einen groben Übergang zwischen dem hinteren Fenster und der deutlich längeren hinteren Tür.  In der Praxis schafft der Wagen zwischen 350 und 420km, was für einen Einwagenunternehmer immer dicke reichen sollte, um auch wieder nach Hause zu kommen. Den Werbeslogan „bis zu 580km…“ kann man also getrost vergessen.

Pluspunkte sammelt der Wagen aktuell natürlich durch den unschlagbar günstigen Verbrauch. 16,5kw/h im Taxibetrieb sind wirklich in Ordnung und produzieren Stromkosten zwischen 5,20 und 10,70€ brutto auf 100km. 4000km mit dem Tesla kosten folglich 318€ brutto im Monat, ein Mercedes Diesel, der 7,5 Liter verbraucht (eher mehr) wird aktuell mit 585€ brutto im Monat betankt. Dabei muss man aber objektiv auch sagen, das niemand seriös abschätzen kann, ob Strom massiv teurer wird und Diesel möglicherweise auch mal wieder etwas preiswerter.

Mal abgesehen davon, dass kein Mensch ein Taxi braucht, was 500PS hat, selbst die Einstiegsvariante mit „nur“ 400PS ist im Hamburger Stadtverkehr gnadenlos übermotorisiert, sind die Anschaffungskosten in der Relation zur Taxiperspektive deutlich zu hoch und zudem relativ komplex.

Da Tesla 2022 bereits zweimal die Preise erhöht hat, kostet der Long Range aktuell ab 59.490€ brutto. Der Bund subventioniert den BEV mit 5000€ und Tesla gibt weitere 2500€ dazu. Bleiben 51.990€. Davon gehen 19% Mwst. ab, was 43.689€ netto entspricht. Von der Förderung der Stadt Hamburg in Höhe von 5000€ für ein Elektrotaxi reicht man 3772€ netto für die Umrüstung zur Taxi an Intax in Oldenburg weiter. Weitere 1000€ gehen an Tesla als eine Servicegebühr für die Bestellung.  Mein Kollege finanziert den Wagen auf 60 Monate und zahlt inkl. Zinsen 666€ Rate im Monat.

Mein ganz persönliches Fazit sieht so aus:

In Zeiten wie diesen, die voller Krisen und Unwägbarkeiten stecken, würde ich mir definitiv kein Taxi für über 600€ pro Monat finanzieren. Und zwar weder einen neuen Diesel, noch ein Elektrofahrzeug. Nach zwei Jahren Corona quasi ohne Einnahme und den aktuell massiv steigenden Energiepreisen kann ich jeden Tag ein bisschen mehr verstehen, wieso doch recht viele Kollegen einen VW Touran fahren, oder sich jüngst einen Toyota Rav4 gekauft haben.

Grüße C.L.

Getagged mit: 

Meine Mutter war zusammen mit meiner Tochter eine Woche lang in Wyk auf Föhr. Von dort hat sie einen sehr interessesanten Beleg mitgebracht:

Für eine Halligfahrt wird ein Dieselzuschlag in Höhe von 4€ pro Person aufgerufen, in diesem Fall also ein Preisaufschlag von 20%. Dem Taxigewerbe wird bundesweit ein mickeriger Dieselzuschlag von einem Euro pro Tour verweigert, obwohl die Dieselpreise von 2021 auf 2022 um knapp 40% zugelegt haben.

Ähnlich unausgegoren mutet unsere letzte Tariferhöhung in Hamburg an. Nach fünf Jahren haben wir einen Zuschlag von 9,8% erhalten, in diesem Zeitraum stieg die Inflation um insgesamt 8,2%. Da bleiben dann noch 1,6%, um davon im aktuellen Jahr eine Inflation von 7,6% zu kompensieren. Entweder hat man sich verrechnet, oder ist einmal mehr zu der Erkenntnis gelangt, das bescheuerte Taxigewerbe hat einfach nicht mehr verdient.

Solche Ignoranz von Seiten der Entscheidungsträger kann man beruhigt als weiteren Sargnagel für die Existenz vieler Taxibetriebe in Hamburg und auch anderswo werten. Die Margen schmelzen ab, die Kosten werden nicht ansatzweise an die Kundschaft weiter gereicht, die Motivation leidet durch Taschenspielertricks, wie der Priorisierung der Elektroflotte.

Grüße C.L.

Getagged mit: