Was es nicht alles gibt
Ich bin müde und werde mich gleich ablegen. Vorher aber noch eine skurrile Anekdote von gestern. Vormittags erhalte ich einen Anruf und ein junges Mädchen möchte so in ca. 60 Minuten aus der Innenstadt zur City Nord. Alles klar bringt 20€ und am Telefon klingt die Kundin gleich sympathisch.
Wir treffen uns und plaudern über alles mögliche, manchmal stimmt die Chemie einfach. Sie erzählt mir sie ist relativ blauäugig am Dienstag mit dem Zug nach Hamburg gefahren und wollte indem selben Hotel wie immer einchecken. Leider war das ausgebucht, so wie alle Hotels in dieser Messewoche. Schon leicht panisch die Nacht bei Mc Donalds verbringen zu müssen (kennt jemand noch den Streifen „Kleine Haie“?), bot ein Mitarbeiter ihr an in seiner WG zu übernachten.
Am nächsten morgen ruft die Dame die 11 88 0 an und möchte die Telefonnummer eines Taxenunternehmens in Hamburg haben. Und da die WG nur wenige Straßen von meinem Betriebssitz entfernt ist, landet sie auf meinem Handy.
Gute Nacht C.L.
Heute bin ich seit langer Zeit mal wieder eine Schicht gefahren, die richtig Spaß gemacht hat. Der Kunden waren zu kleinen Plaudereien aufgelegt, das Fahren ging einigermaßen zügig vonstatten und die Kasse hat am Schichtende auch gestimmt. Wenn das Taxifahren doch nur immer so entspannt und lukrativ wäre…
Schon vor der Mittagspause habe ich in vier Stunden 124€ eingefahren. Rekordverdächtige acht Anläufer schaffte ich bis um 12 Uhr. Nachmittags kamen dann trotz zweimal langer Wartezeit am Flieger weitere 70€ dazu. 195€ ohne Funk in der Tagschicht sind natürlich traumhaft. Dazu ein Kilometerschnitt von 1,40€ bei insgesamt 14 Touren.
Dabei halfen Veranstaltungen wie die Aircraft Interiors und Personal 2011, sowie ein Bahnausfall zwischen Baumwall und Othmarschen. Besonders die Aircraft Messe hat einen deutlich angenehmeren Charakter als die Internorga. Diese Woche tummeln sich bei der Messe in Hamburg Besucher aus aller Welt, fast alle sind mit dem Flieger angereist und fahren morgens mit dem Taxi zur Messe. Dagegen hat die Internorga deutlich provinzielleren Charakter. Weitere Ausführungen zur Internorga will ich mir und euch an dieser Stelle ersparen :-)
Gruß C.L.
Eberhards Diplomarbeit
Hallo,
allen interessierten Kollegen, die in der Lage und Willens sind über den Tellerrand zu gucken, sollten die beiden angehängten Dokumente unbedingt lesen.
Offener Brief an Herrn Horch
Briefwechsel Engel – Huber
Vieles was auf diesen Seiten zu Lesen ist, habe ich in der Vergangenheit in diversen Taxiblogs ebenfalls thematisiert. Nun wirft mir ein Teil der Leser seit einiger Zeit vor, ich würde nur noch nöhlen und alles kritisieren. Das sollte aber niemanden wundern, der um die Dinge weiß, die in Hamburg gewerbeintern laufen und uns seit 10 Jahren Geld kosten.
Bin gespannt auf Kommentare und Nachfragen zu den Details. Vor allen von Kollegen, die nicht in Hamburg Taxi fahren.
Gruß C.L.
Fukushima heisst: Sofort abschalten!
Hallo,
die Nachrichten über die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima machen fassungslos.
Kanzlerin Merkel will jetzt die AKW-Laufzeitverlängerung für 3 Monate aussetzen und sieben AKWs stillstehen lassen. Doch die Konsequenz aus Fukushima kann nur sein: AKWs abschalten – und zwar endgültig.
Wir haben gerade einen Appell an die Kanzlerin unterzeichnet, Atomkraftwerke in Deutschland endlich abzuschalten. Sobald 100.000 Menschen den Appell unterzeichnet haben, soll er in
als Anzeige in bundesweiten Tageszeitungen veroeffentlicht werden.
Leite diesen Brief an Interessierte weiter. Ist der erste sinnvolle Appell, den wir bekommen haben.
Viele Gruesse
Stefan (Webmaster) und das HH-Taxi Team
Kommentar auf einen Kommentar
Folgender Kommentar war heute beim Taxiblog hinterlegt :
Lustig zu lesen ist es; aber man fragt sich, warum Du den Job noch machst, wo es doch nur noch was zu meckern gibt. Übrigens ist Taxifahren zu teuer in Hamburg – darum macht das auch kein Mensch mehr.
Dieser Kommentar wirkt nur auf den ersten Blick hingeschmiert. Auch wenn der Schreiber sich nicht getraut hat eine Mail Adresse einzugeben, so werde ich diese zwei Sätze gerne aufgreifen.
Ich frage mich aktuell selber, warum ich den Job (Hanseatischer Fuhrherr – haha) noch mache ? Es deutet sich seit Jahren an, das die Geschäfte schleichend immer schlechter werden und die Kosten in allen Bereichen nur eine Richtung kennen.
Daher stellt sich die Frage, wo die Schmerzgrenze im Einkommen liegt ? Ein Verdienst zwischen 1000 und 1500€, ist heute sicher nicht mehr zeitgemäß. Und manch ein Hamburger Taxenunternehmer kommt nicht einmal mehr auf 1000€ Verdienst.
Bei einem horrenden Stundeneinsatz und inkl. Rücklagen für Krankheit und/ oder betriebliche Sonderrisiken müssten Umsatz und Gewinn ganz anders aussehen. Seit Jahresanfang beträgt meine durchschnittliche Wartezeit auf Kunden 75 Minuten. Klar bin ich gefrustet, wenn ich arbeiten gehe und davon nicht mehr als ein Almosen hängenbleibt.
Immer wieder höre ich von Taxenunternehmern und Taxifahrern, dass sie trotz Vollzeit Tätigkeit, Transferleistungen beziehen. Arm trotz Arbeit, ein Armutszeugnis für eine Stadt wie Hamburg, die nicht willens ist, Rahmenbedingungen für das Taxengewerbe zu setzen, damit sich diese Arbeit wieder lohnt. So wird also bereits heute Arbeit subventioniert, und trotzdem drohen dem Staat in Zukunft besonders aus den Reihen der Taxifahrer (wie auch aus den Reihen anderer Kleingewerbetreibender) zig tausendfach Forderungen nach Grundsicherung im Alter.
Dann wird wieder einmal unterstellt Taxifahren sei viel zu teuer. Komisch, denkt das auch der Kunde, den ich heute für 3,70€ innerhalb der Innenstadt gefahren habe ? Oder der Kunde, der am Flughafen für 13,70€ nach Winterhude gefahren ist ? Oder die vielen jungen Leute, die jedes Wochenende zwischen der Schanze und dem Kiez pendeln und eine Taxifahrt dann billiger bekommen, als vier Fahrkarten für den HVV kosten würden ?
Taxifahren ist eigentlich preiswert, dass Problem ist die Hamburger Bevölkerung gibt ihr Geld lieber mit vollen Händen für andere Dinge aus. Wohnen für 1200€ warm ist natürlich nicht zu teuer. Jeder meint er braucht wenigstens einen popeligen Kleinwagen, der monatlich mindestens 300€ kostet, die meisten Tage im Jahr rumsteht und dabei vor allem Wertverlust produziert. Ach ja und auf dreimal Urlaub im Jahr will natürlich auch niemand verzichten, notfalls schiebt man das erst mal in den Dispo. 10€ Eintritt für den Club, 10€ für einen Cocktail, 80€ für eine Konzertkarte, oder 50€ im Monat für eine Flatrate. Das ist alles nicht teuer, aber wenn die Taxi mal 12€ kosten soll, dann sind wir die Abzocker der Nation.
Dabei wird in Hamburg ein Taxenfuhrpark vorgehalten, der betriebswirtschaftlich eigentlich gar nicht darstellbar ist. Viele Taxenunternehmer halten für die Kundschaft eine neue E-Klasse vor, obwohl es objektiv eigentlich nur noch für einen Skoda Roomster reicht. Dafür wird dann aber auch 7 Tage die Woche geackert, aber das sieht der Kunde ja nicht.
Selbstverständlich werde ich berichten, wenn sich die Taxigeschäfte in Hamburg wieder auf ein erträgliches Niveau einpendeln. Ich hoffe darauf müssen wir (die wir arbeiten wollen), nicht zu lange warten.
Gruß C.L.
Winter Depressionen
Eigentlich sollten hier seit Jahresanfang schon wieder ein halbes Dutzend neuer launischer Taxigeschichten stehen. Ich habe immer wieder angefangen, ein Thema aufzugreifen, aber inhaltlich wollten die Geschichten einfach nicht rund werden. Außerdem habe ich den Eindruck ich wiederhole mich. Über das Taxifahren ist doch alles gesagt : In Hamburg lohnt es sich nicht mehr.
Seit November 2010 haben wir hier Winter, wir hatten in der Vorweihnachtszeit relativ viel Schnee und trotzdem nicht mehr Umsatz. Im Januar und Februar 2011 war es oft bitterkalt und trotzdem standen wir an den Posten wie Sauerbier. Alle 10 Minuten Motorstart war angesagt, sonst kroch die Kälte direkt durch die Bodengruppe in Füsse und Beine. Die kurzen Tage, die Temperaturen und das nicht vorhandene Geschäft gingen mir ziemlich auf den Sender. Wir wollen hoffen, dass der März etwas kuscheliger wird.
Am 20.02. hat Hamburg eine neue Bürgerschaft gewählt. Mich freut es ganz besonders, dass die SPD nun allein Hamburg regieren kann und die Grünen nun wieder in der Opposition sitzen. Frau Hajduk, kurzzeitig Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt, hat es in kürzerster Zeit geschafft, sich bei den Taxikollegen denkbar unbeliebt zu machen. Das passiert immer, wenn jemand von Dingen spricht, von denen er nichts versteht. Da wollte uns Frau Hajduk im August 2010 3% Tariferhöhung gönnen!, 2% als Inflationsausgleich und 1% für Investition in technische Verbesserungen. Für 1% vom Jahresumsatz gibt es aber keine Umwelttaxi, vielleicht aber Quittungsblöcke auf umweltfreundlichen Papier. Egal, Schnee von gestern und das ist auch richtig so.
Dumm gelaufen ist mein Einsatz als Wahlhelfer. Eigentlich war der Plan, an vier Tagen die Stimmzettel auszuzählen und dafür 400€ für 20 Stunden Arbeit zu erhalten. Die Stadt zahlt anständig, da war mir klar die Taxi bleibt dann eben stehen. Zwei Tage vor der Wahl fühle ich mich richtig elend. 4 Tage liege ich mit Fieber im Bett und muss den Posten abgeben. Das war dann wohl eine H1N1 Influenza. Hat wohl irgendein Kunde mit in die Taxi geschleppt und mir in der Folge eine Woche ganz ohne Einnahmen beschert. Super.
Gruß C.L.
Boom Branche Taxi ?
Im Taxiforum war dieser Artikel aus der Welt verlinkt, den ich zum Anlass nehmen möchte die Geschäfte in Hamburg zu beleuchten, und dabei das Jahr 2010 Revue passieren zu lassen.
Der Redakteur leistet sich den ersten Patzer gleich im ersten Foto. Eine Aufnahme von der Aufstellung zur Taxendemo gegen Smart Taxen aus der Glacischaussee in Hamburg. Ein boomendes Gewerbe würde Billig Konkurrenz wohl eher belächeln, als so massiv zu zeigen : Wir fühlen uns von derlei Ideen in unserer Existenz bedroht.
Im gesamten Beitrag wird nur über und mit Zentralenchefs und Verbandsfunktionären gesprochen. Autor Steffen Fründt hätte gut daran getan auch einmal die Meinung der Straße einzuholen. Dort ist es nämlich immer noch so, dass die Geschäfte nicht im dem Maße mitgewachsen sind, wie die Kosten. Zudem sagt eine Zentralenstatistik mit üppigen Tourensteigerungen überhaupt nichts darüber aus, ob das Geschäft als Umsatzplus auch in den Wagen ankommt ? Kommen nämlich immer mehr Fahrzeuge zu einer Vermittlung, oder arbeiten mehr Unternehmer als früher mit Fahrern, verpuffen auch Tourensteigerungen im Bereich von 5-10% und führen auf der Straße eben nicht zu mehr Ertrag für den einzelnen Taxilenker.
Dazu darf zumindest in Hamburg festgestellt werden das sich das Fahrverhalten der Kundschaft verändert. Zu Stoßzeiten kann vermehrt nicht vernünftig bedient werden, weil alle Welt um 8.30 Uhr oder um 19 Uhr ein Taxi haben will, dazwischen ist wenig bis gar nichts zu fahren. Auch die Tourenqualität hat meiner Ansicht nach gelitten (vgl. Blog Feinverteilung). Wenn ich im Jahr 2008 für 150 € Umsatz 10 Fahrten gemacht habe und im Jahr 2010 für denselben Umsatz 12 Fahrten, habe ich eine Tourensteigerung von 20% bei einem Umsatzplus von 0%. Inflationsbereinigt habe ich ein Minus von 5%.
2009 ist mein Umsatz im Vergleich zu 2008 um fast 15% eingebrochen. Das ist keine „kleine Delle.“ 2010 bewegen sich Umsatz und Gewinn wieder auf dem Niveau von 2008. Wo ist da die Umsatzsteigerung, um die Inflation auszugleichen ? Überhaupt ist es der Gipfel der Unwissenheit das Jahr 2010 zum erfolgreichsten Jahr aller Zeiten für das Taxengewerbe zu erklären. Einem Gewerbe, was mehrheitlich keine Gewerbesteuer zahlt, weil Gewinne (über 24.500€ im Jahr) in dieser Höhe gar nicht erreicht werden.
Besonders zynisch dann die Fakten aus dem L&K Gutachten (Auslastung weniger als 1/3 der Schichtzeit) und die tollen Verdienstmöglichkeiten zwischen 1500 und 2000€ brutto. Davon kann man ca. 25% Sozialabgaben abziehen und hat eine 60 Stunden Woche.
Lieber Steffen im noch jungen Jahr 2011 rufe ich dir zu : Sechs – setzen.
Gruß C.L.
Feinverteilung
In letzter Zeit denke ich immer wieder über den Begriff „Feinverteilung“ nach. Diesen Begriff habe ich vor langer Zeit im Taxiforum aufgeschnappt und ich muss zugeben, er macht mir manchmal Angst. Damals prophezeite ein Kollege die Taxen in Hamburg würden mittelfristig nur noch die Feinverteilung machen, d.h. überhaupt gar keine lukrativen Fahrten mehr abwickeln.
Morgens vor den Hotels im Zentrum geht es nicht mehr regelmäßig zum Flieger, sondern zum Bahnhof oder zur Firma XY um die Ecke. Egal wo ich in den letzten Wochen gestanden habe, die Touren waren in der Regel klein. Es scheint nur noch zwei Kategorien von Taxifahrten in Hamburg zu geben : Flieger -> Innenstadt und Retour (ca. 22€) oder Kurztouren zwischen 5 und 10 €. Das Preissegment zwischen 10 und 20 € wird bei mir fast gar nicht nachgefragt, Fahrten über 30€ machen nur Stammkunden mit uns.
Heute (22.12.2010) habe ich am nachmittag in 5 Stunden 60 € Umsatz mit 8 Touren gemacht. Das also zum Thema Weihnachtsgeschäft in der Tagschicht. Kollege Raimund hat im Dezember alle lukrativen Nachtschichten inkl. Weihnachtsfeiern mitgenommen. Die weiteste Tour brachte 37€.
Linne & Krause schreibt im Taxigutachten für 2010, dass 1/3 aller Taxifahrten unter Feinverteilung einzuordnen sind (Fahrpreis max. 8€). Sie bringen kaum Einnahme und besonders als Funktour sind sie fast ein Nullsummenspiel. Und ein Zentralenchef schrieb einst : „Kollegen, es gibt keine schlechten Touren.“ Das stimmt, was es aber gibt, ist ein schlechter Taxentarif, der Kunden für kurze Fahrten belohnt und Kunden mit weiteren Fahrten bestraft.
Irgendwas stimmt in Hamburg seit Jahren nicht. Entweder brauche ich 2-3 Touren pro Stunde, d.h. eine vernünftige Auslastung, oder aber einen Tarif, wo eine Kurztour 10€ kostet und 3 Kilometer Fahrstrecke enthalten sind. Wenn dann der Kunde nur 800 Meter fahren möchte, weil es regnet, schneit oder die Stöckelschuhe drücken, kann mir das egal sein.
Die Feinverteilung funktioniert allenfalls Silvester, wo es bei 40 Fahrten in 12 Stunden völlig egal ist, wo der Kunde denn nun hinfährt. Bei einem Tourenaufkommen von ca. 1 Fahrt pro Stunde im Jahresmittel ist die Feinverteilung unwirtschaftlich.
Gruß C.L.
Hamburg – meine Perle ?
Tolle Stellungnahme zu den geplanten Smart Taxen
Im Taxiforum habe ich eine umfangreiche Stellungnahme von Sven Althorn (Taxi Altona) zu diesem Thema gefunden. Die BSU hatte darum gebeten, dass Verbände und Zentralen sich zum Thema Smart Taxen und ermäßigte Fahrpreise äußern mögen. Ich finde die Einlassungen überaus gelungen und hoffe Herr Werner und andere zuständige Beamte erkennen dieses und treffen in dieser Sache die richtige Entscheidung.
Gruß C.L.


